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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Heiliger KriegSprachecke in den Echo-Zeitungen |
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Eins der großen Probleme unserer Zeit ist der Terrorismus. In diesem Zusammenhang ist immer wieder vom heiligen Krieg, von Fundamentalisten und von Fanatikern die Rede. Muslimische Gelehrte legen Wert darauf: Das arabische Wort dschihad, das wir mit ‚heiliger Krieg übersetzen’, ist abgeleitet von dschahad ‚sich anstrengen, sich bemühen, fleißig sein, kämpfen’. Auch unser Wort Kampf, kämpfen hat ja eine viel weitere Bedeutung. Wir sagen „Die Ärzte kämpfen um das Leben des Patienten, die Regierung kämpft gegen Hunger und Armut, der Laie kämpft mit den Tücken der Technik“. So kann man die Koranstelle verstehen, wo es heißt, die Gläubigen sollten „für Allahs Weg kämpfen“ (Sure 4,76). Das bedeutet wohl: Sie sollen sich für die Interessen Allahs engagieren. Es gab Zeiten, da war der Islam in Sachen Toleranz dem Christentum überlegen. Viele islamische Gelehrte und Muslime in der westlichen Welt legen weiterhin Wert auf Toleranz und einen friedlichen „Kampf“ für Allah. Aber es gibt auch andere, die wir Fundamentalisten und Fanatiker nennen. Beide Ausdrücke stammen nicht aus muslimischem, sondern aus christlichem Sprachgebrauch: Fundamentalisten nannten sich vor einigen Jahrzehnten Christen, denen das traditionelle Christentum zu weit von den Ursprüngen abgekommen war. Sie besannen sich auf das Fundament, die Grundlage des christlichen Glaubens in der Bibel, und wollten ein Leben ganz nach den Grundsätzen der Bibel führen. Leicht kommt man dabei in die Gefahr, engstirnig und intolerant zu werden. So bekam das Wort Fundamentalismus, das ursprünglich positiv gemeint war, seine abwertende Bedeutung und konnte auch auf ähnliche Strömungen im Islam angewandt werden. Um einen friedlichen christlichen Fundamentalismus nicht in Misskredit zu bringen, kam das Stichwort vom radikalen Islamismus auf, das eindeutig ist und nicht mit dem Islam verwechselt werden soll, zu dem sich auch tolerante und friedliebende Menschen bekennen. Das Wort Fanatiker ist abgeleitet von lateinisch fanum ‚Heiligtum’. Das Wort bezeichnete im 17. Jahrhundert ‚Menschen, die begeistert religiösen Ideen anhängen’, im 18. Jahrhundert ‚Menschen, die keinen anderen Glauben dulden wollen als ihren eigenen’ und schließlich wie heute ‚übereifrige, intolerante Menschen’ – unabhängig vom religiösen Bekenntnis. Die alte positive Bedeutung hat sich in der aus dem Englischen stammenden Abkürzung Fans erhalten. Das sind ‚begeisterte Anhänger eines Stars oder einer Gruppe’. Intoleranter und gewalttätiger Fanatismus ist ein allgemein menschliches Problem und darf nicht einer bestimmten Religion oder dem religiösen Glauben allgemein angelastet werden. Fanatiker gab’s auch bei atheistischen Bewegungen und politischen Ideologien. Liebe kann manchmal in Eifersucht umschlagen. So kann es auch geschehen, dass einer, der eine Sache für gut hält und dafür Kräfte frei macht, im Übereifer zuviel tut oder sogar seine Grundsätze vergisst und zur Gewalt greift. Wie Eifersucht eine Entartung der Liebe ist, so ist religiöser Eifer und Fanatismus eine Entartung des Glaubens. |
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Datum: 30.03.2004 Aktuell: 24.12.2009 |
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