|
Startseite | Religion | Sprachwissenschaft | Logische Wissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke |
||||
|
Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Kalender-KodeSprachecke in den Echo-Zeitungen |
Email:
|
||
|
|
„Weißt du, was heute für ein Tag ist?“, fragte mich meine Frau. „Das habe ich auch schon gemerkt: der zweite Dritte vier.“ Aber der 20. April hat noch ein schöneres Datum, da schreiben wir den 20.04.2004. Solche interessanten Ziffernkombinationen häufen sich, bedingt durch das neue Jahrhundert, in letzter Zeit. Außer den bereits genannten Daten dürfen wir uns dieses Jahr auch über den vierten Vierten vier und den sechsten Fünften vier freuen. Diese Zahlenkombinationen gab es vor hundert Jahren auch. Aber damals wäre niemand etwas aufgefallen, wenn etwa der 19. April 1904 im Kalender stand. Denn da schrieb man noch 19. IV oder 19.4. Die „führende Null“ vor der „4“ kam erst vor etwa zwanzig Jahren auf. In alten Datumsangaben finden wir noch andere Schreibweisen: Vor der Rechtschreibereform 1901 schrieb man „am 19ten April“ oder „Apr.“ Vor 1700 finden wir so merkwürdige Abkürzungen wie VIIbr, VIIIbr, IXbr, Xbr für ‚September, Oktober, November, Dezember’. Der Grund: In diesen Monatsnamen stecken lateinische Zahlwörter, die durch die römischen Zahlen abgekürzt werden. Der 3te VIIbr. war also nicht der 3.7., sondern der 3. September, zu lateinisch septem ‚sieben’ (VII). Oft hat man damals aber Daten nicht so angegeben, wie wir es heute tun: „am 6. Dezember“, sondern man nannte den jeweiligen Heiligen des Tages, auch in evangelischen Gegenden: „auf Nikolaus (06.12.), auf Martini (11.11.)“. Oder man datierte nach anderen Festen: „drei Tage nach Fastnacht“. Manche dieser alten Datumsangaben sind auch heute noch gebräuchlich: Der Weihnachtsmann heißt so, weil er an Weihnachten auftritt. Aus demselben Grund heißt die verkleidete Gestalt, die am Nikolaustag die Kinder beschenkt, Nikolaus. Der Brauch hat nichts mit dem Leben des Heiligen zu tun, sondern nur mit seinem Gedenktag. Genauso der heilige Valentin (14. Februar): In letzter Zeit kursieren Gerüchte, er habe Blumen verschenkt und Liebespaare getraut. Von dem am 14.02. gestorbenen heiligen Valentinus wissen wir aber nur, dass er um seines Glaubens willen ermordet wurde. Die modernen Sagen sind also aus den Bräuchen abgeleitet. Die Eisheiligen sind mit Sicherheit nicht erfroren. Sie heißen so, weil es an ihren Gedenktagen noch einmal Nachtfrost geben kann: Pankraz (12. Mai), Servaz (13. Mai), Bonifaz (14. Mai) und die „kalte“ Sophie (15. Mai). Die Heiligen Petrus und Paulus können nichts dafür, wenn Ende Juni das Getreide gelb wird. Der Spruch „Peter und Paul machen dem Korn die Wurzel faul“ kommt daher, dass der Stichtag (29. Juni) der Todestag der beiden Apostel ist. Das alles sind nur Gedenktage. Die damit verbundenen Bräuche oder Wetterregeln haben mit dem Leben dieser Heiligen nichts zu tun. Die heutige Art, das Datum nur mit Ziffern anzugeben, ist zwar nicht so einprägsam wie die alten Tagesbezeichnungen nach den Heiligen. Ob sich aber viele unter „St. Adalar“ (20. April) etwas vorstellen konnten? |
|||
|
|
|
|||
|
|
|
|
Datum: 13.04.2004 Aktuell: 24.12.2009 |
|