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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Synonyme und Sprachschichten

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Das Volk der Tuareg in der Sahara hat über 50 Wörter für Dromedar. Kein Wunder, dieses Tier gibt ihnen alles, was sie zum Leben brauchen.

Auch wir haben viele Möglichkeiten, wie wir unsere Nutztiere bezeichnen. Unser Reittier nennen wir Pferd, Gaul, Ross, Mähre, Klepper, Hengst, Wallach, Stute, Zosse, Fohlen, Schimmel, Rappen, Brauner, Falber, Fuchs, Schecke. Dazu kommen noch die verschiedenen Namen für die Rassen wie Kaltblut, Warmblut, Vollblut, Pony, Hannoveraner, Araber, Trakehner. Nicht ganz so umfangreich ist unser Wortschatz für Rind und Schwein.

Selbst für neuere technische Errungenschaften kennen wir oft mehrere Wörter: Traktor, Trecker, Schlepper; Fahrrad, Rad, Zweirad, Velo, Bike, Stahlross, Drahtesel; Computer, Rechner.

Warum gibt es so viele Ausdrücke für dieselbe Sache (Synonyme)?

1. Manche Wörter werden landschaftlich unterschiedlich gebraucht: Was bei uns eine Mücke ist, ist in Norddeutschland eine Fliege. Die norddeutsche Mücke nennt man dagegen bei uns Schnake. So ist es auch mit den Reittieren: Gaul ist typisch süddeutsch. In Österreich und der Schweiz heißt das Tier Ross, in Norddeutschland Pferd.

2. Die Tiere sind ja nicht alle gleich, daher unterscheidet man nach Geschlecht Hengst und Stute, nach Farbe Rappen und Schimmel, nach Rasse Haflinger und Lipizzaner.

3. Manche dieser Vokabeln sind keine neutralen Bezeichnungen, sondern drücken eine Wertung aus: Unter Mähre und Klepper stellen wir uns abgemagerte und schlecht gepflegte Arbeitstiere vor. Ein Köter ist ein lästig kläffender Hund. Drahtesel und Stahlross nennen wir scherzhaft unsre Fahrräder.

4. Nicht nur die Nord- und Süddeutschen haben verschiedene Ausdrücke für dieselbe Sache, sondern auch die einzelnen gesellschaftlichen Gruppierungen in derselben Gegend: Für den Landwirt ist Sau das weibliche Schwein, in der Umgangsprache dagegen gilt Sau als derber, Schwein als gepflegterer Ausdruck. Der Briefträger ist im Sprachgebrauch der Post ein Briefzusteller. Für das, was der Arzt Stuhl nennt, haben wir im Volksmund eindeutigere, aber nicht salonfähige Wörter.

5. Oft unterscheiden wir zwischen feineren und gröberen Vokabeln: Mund, essen sagen wir vom Menschen, Maul, fressen von Tieren. Letzteres klingt auf Menschen angewendet sehr ungehobelt.

6. Die Dichtung bedient sich einer eigenen Sprache, die von der Alltagssprache abweicht: Für Buhle, Knabe, Zähre sagen wir heute ‚Lover, Junge, Träne’.

Unsere Sprache stellt uns damit einen reichen Schatz an Wörtern zur Verfügung. Synonymwörterbücher und die Funktion „Thesaurus“ bei „Word" (Umschalt + F7) können uns dabei helfen, den passenden Ausdruck zu finden.

   

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Datum: 04.05.2004

Aktuell: 24.12.2009