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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Habgier ist lüsternSprachecke in den Echo-Zeitungen |
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Die nächste Gebührenerhöhung war fällig, eine ärgerliche Angelegenheit. Ein Verwaltungsfachmann sollte mit den Betroffenen reden. Er begründete die Maßnahme damit, dass sie billig, das heißt rechtmäßig und den Umständen angemessen sei. Es gelang ihm nicht klarzumachen, warum es billig sein sollte, dass die Gebühren teurer wurden. Billig hatte ursprünglich die Bedeutung ‚rechtmäßig, angemessen’, so wie wir heute noch sagen es ist recht und billig oder wie wir davon reden, jemand habe etwas gebilligt, d. h. gutgeheißen. Es ist auch nicht mehr als recht und billig, wenn jemand keine überhöhten Preise verlangt. So kam das Wort zu seiner heutigen Bedeutung ‚nicht teuer’. Wir kaufen heute nur ungern billige Waren. Denn billig hat in unseren Ohren den Klang von ‚wertlos, minderwertig’ bekommen. Wenn es uns gelingt, hochwertige Schnäppchen für wenig Geld zu erstehen, dann nennen wir das nicht billig, sondern preiswert oder preisgünstig.
Auch das Wort teuer hat heute eine andere Bedeutung als früher: Ursprünglich bedeutete es soviel wie ‚lieb und wert’: Was mir lieb und wert ist, dafür gebe ich auch gern mehr Geld aus. Eine Teuerung herrscht da, wo es weniger Waren gibt als benötigt werden, während bei einem Überangebot die Preise fallen.
So verändert sich innerhalb kurzer Zeit die Bedeutung eines Wortes.
Das erleben wir auch bei dem Wort sparen: Das Wort bedeutete ursprünglich ‚schonen’, daher ‚möglichst wenig Geld ausgeben und Kapital ansammeln’. Wenn ich durch die Geschäftsstraßen gehe, spare ich am besten dadurch, dass ich nichts kaufe. Das schont meinen Geldbeutel. Dann sehe ich aber im Schaufenster, dass Markenschuhe bis zu 50 % im Preis herabgesetzt sind, also Gelegenheit für preisgünstigen Kauf keineswegs billiger Ware. Ich habe mich immer gefragt: Spare ich, wenn ich kaufe, oder spare ich nicht noch mehr, wenn ich nicht kaufe? Ich spare tatsächlich, wenn ich ohnehin Schuhe kaufen will und ein Sonderangebot nutze. Wenn ich dagegen nur kaufe, weil die Schuhe gerade im Angebot sind, dann spare ich nichts, sondern gebe mehr Geld aus.
Die Werbung appelliert an unseren Geiz: Geiz ist geil, d. h. ‚es ist aufregend, nur unwillig Geld auszugeben’. Vor 150 Jahren hätte man diesen Satz ganz anders verstanden, nämlich ‚Habgier ist lüstern’. Geiz war nicht, wenn jemand krampfhaft nichts hergeben wollte (‚übertriebene Sparsamkeit’), sondern wenn jemand nicht genug kriegen konnte, also ‚Habgier’. Auch unter geil hatte man sich bis vor kurzem etwas anderes vorgestellt: ‚gierig, lüstern, auf etwas versessen’. So gesehen hatte der Spruch Geiz ist geil auch vor 150 Jahren einen Sinn, denn der Habgierige wie der Geizige sind ja gierig nach Geld. |
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Leserbrief: Ein Leser wies zu Recht auf folgenden Sprachgebrauch hin:
Meine Antwort:
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Fragen und Antworten billige / teure Preise |
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Datum: 11.05.2004 Aktuell: 15.09.2011 |
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