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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
SprachpflegeSprachecke in den Echo-Zeitungen |
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Am 1. August 1998 wurde nach jahrzehntelangen Diskussionen die neue Rechtschreibung eingeführt, ausgearbeitet von einer Kommission und von den staatlichen Gremien beschlossen. Schon vorher gab es Reformen, etwa die von 1901, die das th in Wörtern wie Tier abschaffte. Auch hier war eine staatliche Kommission tätig. Es wird gemunkelt, der Kaiser selbst habe sich eingeschaltet, um das th von Thron zu retten. (Viele wissen nicht: Thron hat wie Theater seine Schreibung behalten, weil das Wort aus dem Griechischen kommt.) Die Rechtschreibreform von 1998 wurde nicht widerspruchslos hingenommen. Wir leben ja schließlich in einer Demokratie, wo jeder seine Meinung sagen darf. Vor hundert Jahren, sollte man meinen, war das anders. Der Kaiser befahl und alle gehorchten. Weit gefehlt – die Diskussionen gingen weiter. Das Rechtschreibewörterbuch von „Duden“, das die Beschlüsse von 1901 umsetzte, hat sich nicht stur an die Vorschriften gehalten, sondern den modernen Sprachgebrauch beobachtet und immer wieder Neuerungen salonfähig gemacht. So war aus der Photographie schon lange vor 1998 das Foto geworden. Viele Leserzuschriften, die ich bekommen habe, klagen über den Verfall der deutschen Sprache, das Überhandnehmen von Fremdwörtern und die Missachtung der grammatischen Regeln. Beispiel: Man hört immer wieder Sätze wie „Ich esse den Kuchen, weil ich habe Hunger“. Richtig ist: „weil ich Hunger habe.“ Die falsche Wortstellung lässt sich erklären: Man macht vor der Begründung eine Denkpause und setzt dann neu ein: „weil … (warum eigentlich?) Ich habe Hunger.“ Erklärt ist nicht gebilligt. Der Satz ist trotzdem falsch. Manche wünschen sich, es gäbe eine Instanz, die über den richtigen Gebrauch der Sprache wacht und die Sünder zurechtweist, wie wir es in der Schule erlebt haben: Der Lehrer sammelt die Diktat- und Aufsatzhefte ein, streicht die Fehler an und bespricht in der nächsten Stunde, wie es richtig wäre. Tatsächlich ist die Schule der wichtigste Ort der Sprachpflege. Hier lernen die jungen Menschen den richtigen Gebrauch ihrer Muttersprache und fremder Sprachen. Ohne diesen systematischen Unterricht wäre unsere Sprache nicht nur in unzählige Dialekte zersplittert, sondern würde sich auch so verändern, dass wir Texte aus der Zeit unserer Urgroßeltern nicht mehr verstehen könnten. Wäre es gut, wenn es eine Behörde gäbe, die Sprachsündern endlich einmal die Meinung sagte, dem Überhandnehmen von Fremdwörtern wehrte und dem Missbrauch von Apostrophen ein Ende setzte? Das wäre ein tiefer Eingriff in die Meinungs- und Pressefreiheit und würde zu noch mehr Unruhe führen als die letzte Rechtschreibreform. |
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Datum: 01.06.2004 Aktuell: 24.12.2009 |
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