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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Eine gute Nase

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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„Den richtigen Riecher“ für gute Themen hatte eine Leserin, als sie vorschlug, eine Sprachecke einem Körperteil zu widmen, der für uns fast nur noch als schnupfengefährdeter Brillenuntersatz oder Opfer  von Schönheitsoperationen Bedeutung hat: unsere Nase.

Kann man aus der Form der Nase Schlüsse auf den Charakter eines Menschen ziehen? Es gibt ja Vorstellungen von einer „kühnen Adlernase“ und ähnlichem. Grund: Junge Lebewesen haben kleine Nasen. Eine große Nase ist Zeichen des Erwachsenen und kann – zusammen mit anderen körperlichen Merkmalen – bedrohlich wirken. Sie kann auch Zeichen eines hohen Alters sein. Deshalb tragen die Hexen in den Märchen oft lange Nasen. Wenn aber ein junger Mensch schon eine auffallend lange Nase hatte, wurde er oft verspottet wie der „Zwerg Nase“. Man äffte ihn nach, indem man mit den Händen seine eigene Nase verlängerte und zeigte zum Spott anderen eine „lange Nase“.

Die Nase ist Teil unseres Gesichts und unser vorderster Teil. Wenn wir sagen, jemand würde „seine Nase in alles hineinstecken“, werfen wir ihm vor, dass er sich in Sachen einmischt, die ihn nichts angehen.
Wenn uns „jemands Nase nicht gefällt“, meinen wir nicht, dass sie uns zu spitz oder zu kurz, zu schief oder zu dick ist. Dann gefällt uns auch das Gesicht nicht samt der Persönlichkeit, die sich dahinter verbirgt.

Für die Form unserer Nase können wir nichts. Wir setzen unser Riechorgan aber oft ein, um unserer Stimmung Ausdruck zu verleihen: Wenn jemand die Nase hoch trägt halten wir ihn für „hochnäsig“, überheblich und stolz. Warum? Weil unsere Kopfhaltung Ausdruck unseres Selbstbewusstseins ist. Ein ängstlicher, eingeschüchterter Mensch lässt seinen Kopf und damit „seine Nase hängen“, ein selbstbewusster Mensch nicht. Der sieht seinem Gegenüber offen in die Augen. Ein Mensch mit sehr hoch erhobenem Kopf, der „die Nase hoch trägt“, hat entweder einen sehr hohen sozialen Stand oder ist überheblich.

Die Nase dient auch als Stimmungsbarometer, wenn wir verlegen oder nachdenklich daran reiben oder wenn wir sie verächtlich rümpfen. Manche glauben auch, sie könnten uns „an der Nase ansehen“, wie uns zumute ist.

Seine ursprüngliche Bedeutung als Geruchsorgan hat unsere Nase weitgehend eingebüßt, weil wir unsere Umwelt hauptsächlich mit Augen und Ohren wahrnehmen. Der Geruch wirkt mehr unbewusst und wir können oft nicht definieren, was uns da in die Nase steigt.
Manche Menschen „können wir nicht riechen“, weil uns ihr Körpergeruch zuwider ist, den andere vielleicht gar nicht wahrnehmen. Für Sympathie und Antipathie haben wir „eine gute Nase“.

Die Dame, von der diese Anregung stammt, hatte „einen guten Riecher“, d.h. ein gutes Gespür für ein interessantes Thema.

   

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Datum: 08.06.2004

Aktuell: 24.12.2009