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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Sprechende BilderSprachecke in den Echo-Zeitungen |
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Karikaturen, ist das etwas für die Sprachecke oder
nicht vielmehr ein Thema der bildenden Kunst? Mit wenigen Strichen einen
Politiker so zeichnen, dass man ihn erkennen kann, dazu eine bestimmte
Situation treffend darstellen, das ist tatsächlich eine Herausforderung an
das Zeichentalent des Künstlers. Da ist zum Beispiel eine Wüstenlandschaft mit Skeletten verdursteter Tiere. Geier auf einem Baum lauern auf ihr nächstes Opfer: den bekannten Mann, der auf allen Vieren eine Wasserstelle zu erreichen sucht. Wer sich auskennt, weiß, dass sich der Prominente auf einer „Durststrecke“ befindet, die das Äußerste von ihm fordert, immer mit den drohenden „Pleitegeiern“ im Hintergrund. Wir denken heute bei diesem Ausdruck an die Gläubiger, die auf die Verteilung der Konkursmasse warten. Ursprünglich war aber der „Pleitegeher“ gemeint, der zahlungsunfähige Schuldner, der auf die Flucht „geht“ (zu jiddisch Plejta ‚Flucht’) Die Probleme des Finanzministers werden oft in einem anderen Bild dargestellt: eine aufgelassene Tiefbaustelle mit mehreren abgrundtiefen Gruben: Darstellungen der „Milliardenlöcher“ im Haushalt. Der Staat hat nicht genug Geld, um alle seine Aufgaben zu finanzieren. Ein beliebtes sprachliches Bild ist der einsame „Rufer in der Wüste“, kürzlich sehr schön dargestellt durch einen Mönch auf einem Stein, umgeben von Kakteen. Er hält eine Rede, der niemand zuhört: Illustration der traurigen Tatsache, dass wichtige Redebeiträge oft nicht die Beachtung finden, die sie verdient hätten. – Das Bild stammt aus der Bibel: Johannes der Täufer predigte in der Wüste, allerdings zu einer großen Menschenmenge, die zu ihm in die Einöde gekommen war. Bei Regierungskrisen sehen wir oft Fahrzeuge in den Karikaturen: Ein überladener Karren steckt „tief im Dreck“; die Politiker ergreifen absurde Maßnahmen, um den „Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen“. Wenn sich jemand mit unangenehmen Tatsachen abfinden muss, vergleichen wir das mit einer Kröte, die er schlucken soll, sicher nicht das appetitlichste Gericht, das auf den Tisch kommt. Die ekelhafte Amphibie auf dem Teller war in den vergangenen Jahren ein sehr beliebtes Bild. Zugrunde liegt ein älteres Sprichwort: „Man soll die Kröte nicht lange anstarren, bevor man sie schluckt“ (um 1960). Hier wird deutlich: Wir müssen die Redensart kennen, um die Karikatur zu verstehen. Karikaturen sind oft sprechende Bilder und gezeichnete Worte. |
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Datum: 15.06.2004 Aktuell: 28.10.2011 |
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