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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
TextilienSprachecke in den Echo-Zeitungen |
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Kritiker werfen unseren Reformern vor, die Neuerungen seien bloß „vom Läppchen ins Tüchelchen gewickelt“. Die Regelungen vor der Reform waren undurchschaubar und kompliziert. Dann wurden ein paar Änderungen vorgenommen, und heute ist es immer noch undurchschaubar und kompliziert, nur auf andere Weise. Offenbar ist es nicht leicht, eine wirklich einfache Neuregelung zu finden, die auch wirklich gut ist und nicht neue Tücken hat. Für manche unserer Zeitgenossen sind Reformen „wie ein rotes Tuch“. Sie ereifern sich und geraten leicht in Wut, wenn jemand dieses Thema anschneidet. Ähnlich stellen wir uns vor, dass ein Kampfstier in Wut gerät, wenn er das rote Tuch des Toreros sieht. In Wirklichkeit ist der Bulle farbenblind. Ihn reizt nicht das rote Tuch, sondern er ärgert sich über die Bewegungen des Stierkämpfers. Manch einer von uns ärgert sich nicht über das Gesagte, sondern über den Menschen, der darüber spricht, vielleicht ein Rivale, von dem man sich nichts Gutes erhofft. Bei all diesen Schwierigkeiten sind wir schnell geneigt, vorzeitig „das Handtuch zu werfen“ und aufzugeben. Das Bild stammt vom Boxkampf: Wenn der Boxer aufgibt, wirft sein Sekundant ein Handtuch in den Ring zum Zeichen, dass der Kampf beendet ist. Besser wäre es natürlich, wenn man die Reformen „in trockene Tücher“ und zu einem guten Abschluss bringen könnte. Diese Redewendung ist wohl entstanden aus dem kürzeren „ins Trockene“, das heißt aus dem Regen an einen trocknen Ort in Sicherheit „bringen“. Daraus mit einer Verschiebung des Bilds: einen durchnässten Menschen in trockne Tücher hüllen. Ein ähnliches Bild gibt es im Englischen, das vielleicht die neue deutsche Redensart beeinflusst hat: „The project is all wrapped up“, das Vorhaben ist erfolgreich abgeschlossen (eigentlich ‚gewickelt, warm angezogen’). Keinen Erfolg hat, wer „schief gewickelt“ und im Irrtum ist. Gedacht ist dabei an ein Baby, dessen Beine nach alter Sitte fest in Tücher eingeschnürt waren. Wenn man diese Tücher nicht fachgerecht anlegte, ging der Verband bald wieder auf. Windeln, die den Beinen Bewegungsfreiheit lassen, gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert. Damit etwas zu einem guten Abschluss kommt, sollte man sich einig sein und miteinander „Tuchfühlung“ aufnehmen. Der Ausdruck stammt vom Kasernenhof, auf dem die Soldaten in Reih und Glied antreten und so eng nebeneinander stehen, dass sie ihre Nebenmänner mit den Armen berühren und das Tuch ihrer Ärmel fühlen. Die Redensart kam vor dem ersten Weltkrieg auf und wurde bald auf andere Lebensbereiche übertragen. Viele Maßnahmen sind zum Scheitern verurteilt, weil wir die Kunst der „Tuchfühlung“ nicht beherrschen. |
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Ihre Sprachecke „Textilien“ gibt für „schief gewickelt“ eine andere Erklärung als die mir bekannte. Nichts für ungut, wenn ich Ihnen die meine mitteile: Noch im Ersten Weltkrieg trugen die Infanteristen Wickelgamaschen, deren Schiefe beim Appell unangenehm auffiel und beim Einsatz die Bewegungsfreiheit behinderte. |
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Datum: 22.06.2004 Aktuell: 24.12.2009 |
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