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auf den letzten Drücker
über die Stränge schlagen
Zügel fest in der Hand
Vogel
kleinen Mann im Ohr |
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„auf den letzten Drücker“
Wer „auf den letzten Drücker“ kommt, ist ziemlich spät
dran.
Die alte Taschenuhr war durch einen Deckel verschlossen. Wenn man bei
manchen Modellen einen „Drücker“ betätigte, sprang der Deckel auf und zeigte
die Uhrzeit. Ich stelle mir einen Schulleiter vor 100 Jahren vor, der die
Schüler erst kurz vor Unterrichtsbeginn ins Schulgebäude ließ. Er stand da,
holte immer wieder seine Uhr aus der Tasche und wartete, bis es Zeit zum
Einlass ist. Fritzchen kam gerade noch „auf den letzten Drücker“ angesaust,
mit dem sich der Rektor überzeugte, dass es genau halb acht war.
Man sollte erwarten „beim letzten Drücker“. Das „auf“ stammt wohl aus einer
Vermengung mit „auf die letzte Sekunde“, was ja schließlich mit dem Ausdruck
gemeint ist.
„über die Stränge schlagen“
Wenn ein paar junge Leute beisammen sind, werden sie
manchmal übermütig, tun verrückte Dinge und gehen dabei mitunter zu weit.
Sie „schlagen über die Stränge“.
Ähnlich machen es junge Pferde aus Übermut oder aus Angst. Ich saß als Kind
einmal bei der ersten Ausfahrt zweier junger Pferde im Wagen. Jedes Mal,
wenn ein Auto kam, sprangen sie vor Schreck hoch. Dabei bestand die Gefahr,
dass die Seile (Stränge), mit denen sie den Wagen zogen, zwischen
ihre Hinterbeine kamen. Oder dass sie durchgingen und in den Straßengraben
fuhren. Zum Glück war nicht viel Verkehr und mein Vater hatte „die
Zügel
fest in der Hand“, das heißt die Lederriemen, mit denen die Pferde
gelenkt werden. Wir kamen wieder heil nach Hause.
„Du hast einen Vogel“
südhessisch
Ein überaus beliebtes Bild in mehreren Variationen: „Du
hast einen Vogel. Du hast eine Meise. Bei die piept’s wohl!“ Dazu die Geste,
dass wir mit dem Finger an die Stirn tippen und jemand „den Vogel zeigen“.
Mit alle dem wollen wir sagen: „Du bist verrückt.“
Gemeint war ursprünglich: „Du hast einen Vogel im Hirn.“ Der Vogel ist ein
uraltes Symbol für Geist: der heilige Geist wird als Taube, das Geistwesen
Engel mit Flügeln dargestellt. „Du bist verrückt“, du hast also einen
falschen, zusätzlichen Geist im Kopf. Oder wie wir auch sagen: „Du hast
einen kleinen Mann im Ohr“, der dir lauter dumme Gedanken einflüstert.
Vielleicht ist das Bild vom Vogel auch davon beeinflusst, dass manche
Menschen unter Tinnitus leiden und Geräusche, Pfeifen, Klingeln hören, die
andere Menschen nicht wahrnehmen können. Wer das nicht weiß, könnte auf die
Idee kommen, dass die Betroffenen verrückt sind.
Dagegen kommt die Redensart vom „kleinen Mann im Ohr“ wohl daher, dass
manche Leute „Stimmen hören“, also akustische Wahnvorstellungen
(Halluzinationen) haben.
Statt des „Vogelzeigens“ bürgert sich in jüngerer Zeit immer mehr ein, dass
wir mit der Faust vor der Stirn eine Drehbewegung machen und damit andeuten:
„Bei dir ist ein Schräubchen locker“, dein Gehirn funktioniert nicht
richtig. Dieses moderne Bild von einer mechanischen Uhr drückt aus, wie
viele heute „Geist“ verstehen: als etwas, was im Gehirn entsteht. Wenn dort
„ein Schräubchen locker ist“, kann ja nichts Gescheites herauskommen. |
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