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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
SchulanfängerSprachecke in den Echo-Zeitungen |
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Es ist jedes Mal erstaunlich, wie der Schulhof an der Grundschule nach den Sommerferien auf einmal von Kindern wimmelt, die deutlich kleiner sind als das, was man vom Schuljahr vorher gewöhnt war. Offenbar machen die Kinder im ersten Schuljahr einen gehörigen „Schuss“ und wachsen ein Stück. Für die Schulanfänger gibt es verschiedene, zum Teil merkwürdige Ausdrücke: Erstklässer ‚Angehörige einer Lerngruppe im ersten Schuljahr’. Dass man die Klassen nach den Schuljahren benennt, ist keineswegs selbstverständlich. Noch in den Sechzigerjahren zählte man an den Gymnasien vom Abitursjahrgang lateinisch rückwärts: Oberprima ‚die obere Erste’ war die heutige 13, dann folgten Unterprima (12), Obersekunda (11), Untersekunda (10), Obertertia (9), Untertertia (8), Quarta (7), Quinta (6), Sexta (5). Ursprünglich gab es nur sechs Gymnasialklassen; das fehlende Wissen erwarb man in den ersten Semestern an der Universität. Als dann der Gymnasialunterricht um drei Jahre erweitert wurde, hat man die Klassen nicht neu nummeriert, sondern die Oberklassen durch Ober, Unter unterschieden. ‚Angehörige des ersten Schuljahrs’ nannte man früher auch Erstschüler. In kleinen Schulen war Schuljahr ‚schulische Altersstufe’ und Klasse ‚Lerngruppe’ gleichbedeutend. Bei den „Zwergschulen“, die es noch vor 35 Jahren in kleinen Dörfern gab, wurden mehrere Jahrgänge zu einer Klasse zusammengefasst. In großen Schulen muss man durch Zusatzbuchstaben zwischen den einzelnen Klassen derselben Altersstufe unterscheiden. Daher hat sich heute Klasse durchgesetzt, von lateinisch classis ‚Gruppe, Heer, Flotte’. Abc-Schütze bedeutet ebenfalls 'Schulanfänger'. Das Wort kommt aus der mittelalterlichen Schülersprache. Lateinisch tiro war der militärische 'Rekrut' und im weiteren Sinn ein 'Anfänger, Neuling, unerfahrener Mensch'. Dieses Wort hat man fälschlicherweise in Zusammenhang gebracht mit französisch tirer 'ziehen (den Bogen spannen, den Abzug drücken, daher:) schießen', das mit zerren verwandt ist. Daher bedeutet Abc-Schütze ‚Schreibanfänger’. Die moderne unterste militärische Rangstufe Schütze hat damit wohl nichts zu tun. Der moderne Schütze ist kein Neuling mehr, sondern hat schießen gelernt. i-Dotz Dieser Ausdruck ist in letzter
Zeit aus dem Rheinischen zu uns gekommen. Er bedeutete ursprünglich
'i-Tüpfelchen', also etwas Winziges, übertragen auf den Schulanfänger. In
Hessen sagt man zu beidem i-Düppelche. Allen Schülern, besonders den Schulanfängern, viel
Erfolg im neuen Schuljahr! |
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Leserfrage: i-Punkt oder Häkchen? Der Begriff I-Dötzchen bedeutet meines
Wissens nach nicht I-Tüpfelchen. In der Sütterlinschrift fingen viele
Buchstaben mit einem "Haken" (ähnlich einer kleinen 1) an. Dies war auch
gleichzeitig der Buchstabe i. Diesen Haken mussten die Schulanfänger von
damals erst einmal "lernen". Mit "Dötzchen" wurde ein - und dies ist
wirklich nicht beleidigend gemeint - kleiner Mensch (ob auch dicklich weiß
ich nicht) bezeichnet.
meine Antwort: Ein so genannter i-Punkt ist in der heutigen Druckschrift eine winzige Scheibe. Wie er in der Schreibschrift dargestellt wird, hängt von den Schreibgewohnheiten des Einzelnen ab: Viele Mädchen malen einen Kringel. Wer mit Schwung schreibt, erhält einen Strich oder einen Tropfen. Entscheidend ist aber auch die Beschaffenheit des Schreibinstruments. Mit Bleistift, Kuli, modernem Füller „tupft“ man leicht über das i und erhält eine Art Punkt. Die Schreibfedern früher hatten aber eine abgeplattete Spitze, durch die die Auf- und Abstriche verschieden stark ausfielen. Den kleine Klecks überm i konnte man daher nicht als Punkt, sondern nur als kleinen Strich darstellen, der dann je nach Geschmack oder Mode zu einer Art Häkchen wurde. Ähnliches ist ja auch mit dem Komma passiert, das aus einem verkleinerten Schrägstrich (/) entstanden ist. – Das war auch bei der gedruckten Frakturschrift der Fall, die ja ursprünglich ebenfalls mit einer abgeplatteten Feder geschrieben wurde. Was Ihnen Ihre Großmutter überliefert hat, ist richtig. Ich habe das bloß nicht so ausführlich dargestellt und werde das auf meiner Veröffentlichung ergänzen. Meine Großtante hat mir vor der Einschulung beigebracht, wie man ein deutsches „Zickzack-i“ schreibt: „auf ab auf, Düppelchen oben drauf“. Ob der Schulanfänger wegen seiner Größe so genannt wurde oder weil er das Tüpfelchen zuerst lernen musste, kann ich nicht sagen. Sie schreiben ja selbst, dass Dötzchen auch allgemein einen kleinen Menschen bezeichnet. Sie als Rheinländer müssen es wissen. Ich als Hesse kannte den Ausdruck bis vor kurzem überhaupt nicht. |
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Datum: 31.08.2004 Aktuell: 21.12.2010 |
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