Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Logische Wissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Der Ton macht die Musik

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Email:

 

 

Genauso wichtig, wie das, was wir sagen, ist, wie wir's sagen. „Das haben wir gern“ kann bedeuten, dass wir etwas mögen oder im Gegenteil, dass wir das überhaupt nicht lieben. Hier entscheidet nicht der Wortlaut, sondern der Tonfall und die Körpersprache. In einem geschriebenen Text ergibt allenfalls der Zusammenhang, ob etwas wörtlich oder ironisch zu verstehen ist.

Was wir meinen, drücken wir nicht nur durch die Lautstärke aus, sondern auch durch die Satzmelodie. „Du gehst“ kann eine Feststellung sein, dann senken wir bei „gehst“ die Stimme. Sprechen wir mit mehr Nachdruck, wird daraus ein Befehl: „Du gehst!“ Wenn wir dagegen am Ende die Stimme heben, wird aus demselben Satz eine Frage: „Du gehst?“ In geschriebenen Texten deuten wir die unterschiedliche Betonung durch die Satzzeichen an.

Wir können im Deutschen aber auch beliebig ein Wort im Satz, auf das wir besonderen Wert legen, durch stärkeren Druck oder Anheben der Stimme betonen: Bei „Dú gehst (und nicht ich)“ betonen wir „du“ – bei „du géhst (und bleibst nicht da) liegt der Ton auf „gehst“.
In manchen Fällen hat die Betonung sogar grammatische Bedeutung: „Sie hat ein Kínd (und ist nicht kinderlos)“. „Ein“ ist hier unbestimmter Artikel, dagegen Zahlwort bei „sie hat (nur) éin Kind“.

Auch mehrsilbige Wörter haben ihre eigene Betonung. Dafür gelten verschiedene Regeln:

1. Die germanische Betonung, normal auf der ersten sinntragenden Silbe: Ob wir sagen Arbeit, arbeiten, bearbeiten, verarbeiten, arbeitslos: Immer wird ar- betont. Be- und er- sind unbetonte Vorsilben. Wenn die Vorsilben dagegen volle Vokale haben (nicht „e“), liegt der Ton auf ihnen: Ántwort, Úrlaub, Vórsatz, aber entwérten, erláuben, versétzen.

2. Die Fremdwortbetonung auf der letzten Silbe vor der Endung, oft im Gegensatz zur Betonung in der Fremdsprache: Nivéa, aber lateinisch nívea ‚die Schneeweiße’.

3. Die ursprüngliche Betonung der Fremdsprache: Áction (englisch ausgesprochen) ‚spannende Handlung’ gegenüber Aktión ‚Unternehmung, Tätigkeit’ (mit Fremdwortbetonung).

Auch bei einzelnen Wörtern kann die Betonung über den Sinn entscheiden: Übersetzen mit Ton auf über bedeutet ‚mit der Fähre hinüberfahren’ – mit Ton auf setzen ‚dolmetschen’. Hier machen wir aber einen weiteren Unterschied: In der ersten Bedeutung lässt sich über abtrennen, in der zweiten nicht: „Die Fähre setzt über, aber die Dolmetscherin übersetzt.“

Nicht immer lässt sich der Unterschied in der Rechtschreibung darstellen wie bei zusámmenziehen ‚konzentrieren, eine gemeinsame Wohnung nehmen’ und zusammen zíehen ‚gemeinsam ziehen’, bei dem die Wörter nur zufällig nebeneinander stehen.

   

nach oben

Übersicht

 

 

 

Datum: 28.09.2004

Aktuell: 24.12.2009