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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Der Tod hat viele GesichterSprachecke in den Echo-Zeitungen |
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Die trüben Tage im November lassen uns selbst trübselig werden und sind wie geschaffen für die verschiedenen Gedenktage an die Toten und die Opfer von Krieg und Tyrannei. Wir erinnern uns daran, dass der Tod viele Gesichter hat. Entsprechend vielseitig sind auch unsere Möglichkeiten, davon zu reden: Wir unterscheiden zwischen dem Substantiv Tod, dem Adjektiv tot und dem Verb sterben. Bei uns wurden konkurrierende Ausdrücke auf verschiedene Wortarten verteilt. Im Englischen dagegen haben die Ausdrücke für das Lebensende (death, dead, die) denselben Wortstamm. Das unserem sterben entsprechende starve hat die Sonderbedeutung ‚verhungern’. Was hat wohl unsere Vorfahren bewogen, für das Ableben zwei Wörter und nicht wie im Englischen eines zu verwenden? Ihr Grund: Sterben bezeichnet einen Vorgang, Tod, tot dagegen ist ein unabänderlicher Zustand. Wer am Sterben liegt, den kann man vielleicht noch ins Leben zurückholen. Bei einem Gestorbenen, Toten dagegen kommt jede Hilfe zu spät. Diese beiden Gesichtspunkte drücken wir auch durch das Nebeneinander von sterben und versterben aus: Versterben, verstorben deutet die Endgültigkeit an, sterben dagegen das, was momentan geschieht.
Der Tod hat insofern auch viele Gesichter,
als wir eine Fülle von Wörtern dafür benutzen. Manchmal betonen sie die
näheren Umstände: verhungern,
verdursten, erfrieren,
verbrennen.
Andere versuchen's mit Humor:
ins Gras
beißen (eigentlich von einem getroffenen Soldaten), den
Löffel fallen
lassen (eigentlich vom plötzlichen Tod beim Essen, dann
verallgemeinert). Religiöse Hoffnungen auf ein Leben nach dem Tod kommen zur Sprache in Ausdrücken wie heimgehen (in die ewige Heimat bei Gott) oder bei veralteten Ausdrücken wie „mein seliger Vater“ (der die himmlische Seligkeit genießt). „Mein Vater selig“ ist verkürzt aus "mein Vater seligen Andenkens“ (den Toten, den man in ehrenvoller Erinnerung behält). Gut, wenn wir die Toten im guten Andenken bewahren können, ohne Hass und Bitterkeit. |
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Sprachecke 24.11.2009 |
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Datum: 23.11.2004 Aktuell: 10.02.2011 |
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