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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Briefe

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Briefschreiben scheint nicht mehr nötig zu sein, seitdem es Telefon, E-Mail (Post, die mit dem Computer verschickt wird), Chatten (Gespräch übers Internet) und SMS (Textnachrichten übers Handy) gibt. Die Vorteile der neuen Methoden liegen auf der Hand: Sie erreichen sofort den Empfänger und sind meist billiger als mit der Briefpost – abgesehen von den Investitionen für die "Hardware", die elektronischen Geräte.

Die neuen Möglichkeiten haben aber auch ihre Tücken:

1. Da es schnell gehen soll, verzichten viele auf die Rechtschreibprüfung und nehmen Fehler in Kauf. Manche ziehen es vor, der Einfachheit halber alles klein zu schreiben, statt immer wieder die Umschalttaste zu drücken. Da nicht alle Programme mit unseren Sonderbuchstaben zurechtkommen, sehen sich einige genötigt, "ae, oe, ue, ss" statt der Umlaute und "ß" zu schreiben. Die Bemühungen um eine Rechtschreibreform werden durch diese elektronische Praxis wieder in Frage gestellt. Das liegt nicht nur an der Nachlässigkeit der Schreiber, sondern teilweise auch an den Erfordernissen der Technik oder an Gepflogenheiten, die sich herausgebildet haben. Wenn wir den Brief nicht direkt in das E-Mail-Programm eintippen, sondern ihn zuerst mit einem Textverarbeitungsprogramm aufsetzen, können wir uns mehr Zeit lassen und die Rechtschreibprüfung nutzen.

2. Wir sind heute sehr vorsichtig im Umgang mit persönlichen Daten, weil sie missbraucht werden können. Manchmal empfiehlt es sich, in der E-Mail-Adresse nicht den Namen zu erwähnen. Außerdem lässt sich elektronische Post nicht handschriftlich unterschreiben. Trotzdem sollten wir auch weiterhin Empfänger oder Empfängerin mit Namen ansprechen und das Schreiben mit Gruß und Nennung des eigenen Namens (nicht der E-Mail-Adresse) abschließen.

3. Da es schnell gehen soll, geraten manche Mitteilungen zu kurz und enthalten nicht alles, was die Empfängerin wissen müsste. Auch wirkt ein zu knappes Schreiben unhöflich. Der Adressat freut sich über ein Zeichen von Freundlichkeit und Menschlichkeit.

4. Da unsere Briefe heute ohne Zeitverzögerung ihr Ziel erreichen, können innerhalb eines Tags mehrere Briefe hin- und hergehen. Das nimmt unsere Zeit ziemlich in Anspruch und kann leicht jemanden überfordern. Gegenseitige Rücksichtnahme kann daher gebieten, dass wir uns zum Antworten Zeit lassen und unser Gegenüber nicht unter Druck setzen. Es darf aber auch nicht der Eindruck entstehen, dass wir uns in Schweigen hüllen und nicht antworten wollen. Manchmal ist es daher sinnvoll zu vereinbaren, dass keine sofortige Antwort erwartet wird.

Die Kultur des Briefschreibens scheint verloren gegangen zu sein. Sie wurde aber durch die neuen technischen Möglichkeiten wieder belebt.

   

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Datum: 30.11.2004

Aktuell: 24.12.2009