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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Englischer Gruß

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Englischer Gruß

England

Briten

Engel

 

 

Der Englische Gruß, das „Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum“, ist nicht englisch, sondern lateinisch (ursprünglich griechisch, aus Lukas 1,28: „Sei gegrüßt, Maria, du Begnadete, der Herr ist mit dir.“). So sprach der Engel zu Maria, als er ihr ankündigte, dass sie die Mutter des Heilands werden sollte. Der Gruß heißt englisch, weil er aus dem Mund eines Engels kam.

Bei dem Wort englisch denken wir aber nicht an die Bewohner des Himmels, sondern an die des Vereinigten Königreichs und anderer Staaten. In England waren seit 400 die germanischen Angeln, Sachsen, Jüten und Friesen eingewandert. Später gesellten sich Dänen und französisch sprechende Normannen dazu. Der Hauptstamm, die Angeln, nach dem das Land benannt ist, kam aus Holstein und von der nördlichen Elbe. Der Name ist wohl verwandt mit Anger ‚Grasland’, nach dem sich auch die niedersächsischen Engern benannt haben. An der Modaumündung lag eine 1423 erwähnte Engelstatt. Sie hatte nichts mit den Briten und auch nichts mit den Himmlischen zu tun, sondern war wohl ein ‚Grasplatz’, ähnlich wie der Wormser Rosengarten ursprünglich kein Blumenmeer, sondern ein schlichter Rasengarten war.

Die Engländer nennen wir auch Briten, nach den Britanniern, den keltischen Ureinwohnern der Insel. Diese hatten ihren Namen nach ihrem Aussehen (walisisch pryd 'Form', prydus 'gut aussehend', Prydain 'Britannien'). Kelten von der Insel, Brittones, waren als römische Hilfstruppen am Odenwaldlimes stationiert. Nach ihnen ist wohl Mainz-Bretzenheim benannt (752 lateinisch villa Brittanorum ‚Heim der Brittones’). Andere Britannier ließen sich auf der Flucht vor den Angelsachsen unter dem Namen Bretonen in Nordwestfrankreich nieder.

Die himmlischen Engel haben mit irdischen Engländern nichts zu tun. Ihr Name kommt von griechisch ángeloi, wörtliche Übersetzung von hebräisch mel’achim ‚Boten’. Die Engel dachte man sich nicht nur als Überbringer einer Botschaft, sondern allgemein als Dienstboten, himmlische Angestellte, die auf der Erde Aufträge auszuführen hatten.

George Bernhard Shaw schreibt in seinem Drama „St. Joan“ (heilige Johanna): Im Hundertjährigen Krieg streiten sich englische und französische Krieger, welche Sprache Gott spricht. Die Briten meinen: „Selbstverständlich englisch.“ Im Deutschen hätte das einen Doppelsinn, im Englischen nicht, denn da unterscheidet man English auf Erden und angelic im Himmel.

Papst Gregor I. (590-604) schickte Missionare nach Britannien, um die heidnischen Angeln (lateinisch Angli) zu christlichen Engeln (lateinisch angeli) zu machen. Das Wortspiel ist also schon sehr alt.

   

     

 

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Datum: 14.12.2004

Aktuell: 24.12.2009