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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Pfingsten, das liebliche Fest

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen“, mit diesen Worten beginnt Goethes Nachdichtung der Fabel von Reineke Fuchs. Pfingsten ist dort ein Termin, an dem sich die Großen des Tierreiches bei König Nobel versammeln.

Anders als Weihnachten und Ostern ist Pfingsten ein rein kirchliches Fest mit wenig allgemein üblichem Brauchtum. Seinen Ursprung hat es im jüdischen Wochenfest, das sieben Wochen nach Passa gefeiert wird und an die Gesetzgebung am Sinai erinnert. Die Christenheit gedenkt dagegen der Ausgießung des heiligen Geistes.

Der deutsche Name ist abgeleitet von griechisch pentekostê ‚der 50. (Tag nach Ostern)’ oder seiner lateinischen oder gotischen Entsprechung. Das Wort ist zwar erst im Mittelhochdeutschen als phingesten bezeugt, muss aber wegen seines i statt e und des anlautenden ph- (alt für pf-) schon vor der 2. Lautverschiebung (vor 600) ins Deutsche übernommen worden sein. Aus dem Althochdeutschen ist nur die Teilübersetzung fimfkustin  überliefert (griechisch pente entspricht althochdeutsch fimf ‚fünf’). Der Name des Festes gehört also mit Pfarrer und Pfaffe ‚Geistlicher’ zu den ältesten kirchlichen Lehnwörtern.

Die meisten Wörter, die mit pf- anfangen, sind aus fremden Sprachen übernommen, und zwar vor der 2. Lautverschiebung: Pfahl, Pforte, Pfund aus lateinisch palus, porta, pondus. Später übernommene Wörter haben ihr p- behalten wie Pelz, Pilger, Priester aus lateinisch pellis, peregrinus, altfranzösisch prestre. ursprünglich ‚Fell, Fremder, Kirchenältester’.

Bei der 2. Lautverschiebung entstanden die oberdeutschen Besonderheiten von Apfel, Affe, Zeit, Wasser, machen, alemannisch chalt gegenüber niederdeutsch Appel, Ape, Tied, Water, maken, kald. Die fränkischen Dialekte, zu denen auch unsere Mundart gehört, stehen dazwischen. Wir sagen Appel, Aff, Zeit, Wasser, mache, kaolt.

Zu den lautverschobenen Ortsnamen in Südhessen gehört auch der von Pfungstadt (Pungscht), abgeleitet von althochdeutsch phung ‚Geldbeutel’. Das war wohl der Spitzname des Gründers, vielleicht eines Kaufmanns. Der Name der Stadt ist durch einen Spruch mit dem Pfingstfest verbunden, der die typische Pfungstädter Aussprache kennzeichnen soll: „Wann kimmste an Pingste, do kriggste Gereeste un Worscht“ (Wenn du an Pfingsten kommt, bekommst du Bratkartoffeln und Wurst): In Pfungstadt spricht man st, nicht scht wie in den Orten südlich davon. Nach r aber ist s zu sch geworden, daher Worscht. Ursprünglich hatte dieser Spruch mit dem Fest wohl nichts zu tun, sondern geht zurück auf eine umgelautete Namensform: 1519 schrieb man Pfingstat. Der Merksatz begann demnach mit den Worten: „Wann kimmste in Pingstädt...“ (Wenn du nach Pfungstadt kommst...)

   

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Begriffe: Feiertage | Pfingsten | Sprachecke 17.05.2005

 

Datum: 17.05.2005

Aktuell: 16.02.2018