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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Schreckliche deutsche Sprache

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Im Gespräch mit einem Ausländer fiel mir neulich auf, dass er den Sinn eines längeren zusammengesetzten deutschen Wortes nicht verstand: Was ist der Unterschied zwischen Blumentopfsammler, Topfblumensammler, Sammlerblumentopf und Sammlertopfblume? Wie soll das jemand verstehen, der die deutsche Sprache nur oberflächlich kennt?

Schon der amerikanische Schriftsteller Mark Twain ist über solche langen Wörter gestolpert. Er war um 1875 in Deutschland und hat seine Eindrücke in einer kurzen Schrift über die "schreckliche deutsche Sprache" zusammengefasst. Er störte sich bei diesen Monsterwörtern an etwas anderem: Da sie ohne Abstand oder Bindestrich aneinander gehängt werden, fiel es ihm schwer, sie in ihre Bestandteile zu zerlegen und einzeln im Wörterbuch nachzuschlagen.

Am Ende seines Aufsatzes macht Twain Vorschläge, wie man die deutsche Sprache verbessern könnte. Nicht alle lassen sich durchführen. Aber über einige Empfehlungen sollten wir nachdenken, und ein paar haben wir auch schon beherzigt: Das -e beim Dativ, vor 140 Jahren in der Schriftsprache Pflicht, wird heute kaum noch geschrieben: "an diesem Tag" statt "an diesem Tage". Das tun wir aber nicht, weil der Amerikaner es empfohlen hatte, sondern dieses ‑e wurde schon vor 500 Jahren nicht mehr gesprochen und hat sich nur durch unsere konservativen Regeln in der Schriftsprache gehalten.

Die Rechtschreibreform empfiehlt wie Twain, möglichst getrennt zu schreiben. Das bringt aber neue Probleme: Wir schreiben zwar "er kann Auto fahren", aber "Autofahren will gelernt sein".

Höchst beherzigenswert ist sein Rat, keine unübersichtlichen Schachtelsätze, die zwar durchdacht konstruiert, aber, was ihre Gedankenführung, und nicht nur das, sondern auch ihre Verständlichkeit betrifft, kein Zeugnis von Gedankenschärfe, sondern von Unklarheit sind, zu bilden. Also besser: "… keine unübersichtlichen Schachtelsätze zu bilden. Sie sind zwar durchdacht konstruiert, aber in ihrer Gedankenführung und Verständlichkeit unklar und kein Zeugnis von Gedankenschärfe."

Eng damit zusammen hängt unsere Regel, den zweiten Teil des Prädikats an den Schluss des Satzes zu stellen: "Ich habe gestern Spargel gegessen". Wenn wir zwischen "habe" und "gegessen" noch alles Mögliche einfügen, wird der Satz unübersichtlich und Leser und Hörer wissen lange nicht, was wir sagen wollen Schon Luther hat das erkannt und nahm darum den zweiten Teil des Prädikats nach vorn: "ein kluger Knecht wird herrschen über unfleißige Erben", nicht: "… wird über unfleißige Erben herrschen".

Es ist ganz hilfreich, unsere Sprache einmal mit den Augen eines Ausländers zu betrachten.

   

 

 

Leserbrief:

»War es nicht Mark Twain, der einmal  gesagt hat:

"I would rather decline two German beers than one German adjective"?
"Ich würde lieber zwei deutsche Bier ablehnen als ein einziges deutsches Adjektiv deklinieren."

(Wortspiel mit dem englischen Wort decline 'deklinieren' oder 'ablehnen')«

Leider ist es mir nicht gelungen, die Original-Stelle zu finden.

 

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Übersicht

 

Twain, deutscher Text

 

Datum: 28.06.2005

Aktuell: 13.09.2010