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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Essen und fressenSprachecke in den Echo-Zeitungen |
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Anders als etwa das Englische unterscheidet
unsere Standardsprache zwischen "groben" und "feinen" Ausdrücken für
denselben Sachverhalt: Maul und Mund (englisch mouth),
fressen und essen (englisch eat, französisch manger),
saufen und trinken (englisch drink, französisch
boire), Futter und Nahrung (englisch food). Dabei
verwenden wir die groben Ausdrücke nicht nur für Tiere, deren Maul
sich auch anatomisch von unserem Mund unterscheidet und die nun
einmal ihre Nahrung anders zu sich nehmen als wir. Sondern wir gebrauchen
sie auch von Menschen, um etwa eine unverschämte Art zu reden zu tadeln (Großmaul,
Schlappmaul), ungebührliche Tischmanieren (für drei fressen) oder
übermäßigen Alkoholkonsum (saufen wie ein Loch), dazu Fraß
'schlechtes Essen', Suff 'Trunkenheit, Trunksucht'. Dagegen gehört
dagegen Fresse 'Gesicht' nicht mehr in die Standardsprache und gilt
als derb und ungehörig. Ein "feines" und "grobes" Synonym finden wir auch bei werfen 'fliegen lassen' und schmeißen 'mit übertriebenem Kraftaufwand und Schwung bewegen'. Die "grobe" Bedeutung erklärt sich durch die heftigere Art der Bewegung. Das Schwein (lateinisch suinus 'zum Schwein gehörig') war ursprünglich das Adjektiv zu Sau (lateinisch sus) und bezeichnete im Deutschen zunächst das junge Tier, später die Tierart im Unterschied zu dem Eber und der Sau, ähnlich das Pferd / der Hengst, die Stute und das Rind / der Ochse, die Kuh. In der Fachsprache der Landwirte ist die Sau (Mehrzahl Sauen) das weibliche Tier, während die Säue die Tierart bezeichnet. In der Standardsprache gilt Sau als das gröbere, Schwein als das feinere Wort. Im Unterschied etwa zu Antlitz (gehoben), Gesicht (Standard) und Fresse (derb) gehören die genannten Wörter zur selben Sprachschicht und können nebeneinander gebraucht werden ("die Kuh frisst, der Mensch isst"). |
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Datum: 09.08.2005 Aktuell: 24.12.2009 |
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