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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
SchweinereiSprachecke in den Echo-Zeitungen |
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Norddeutsche sind schockiert, wenn sie in den Süden kommen und hören, wie unbefangen dort das Wort Sau gebraucht wird. Das klingt in ihren Ohren ordinär. Das feine Wort für das Borstentier ist Schwein. Für den süddeutschen Landwirt dagegen ist Sau Fachwort für das weibliche Tier. Sau (germanisch sû, lateinisch sus) ist Erbstück aus uralter Zeit und gehört zu su, einem weltweit verbreiteten Wort für 'Flüssigkeit' (türkisch su 'Wasser', finnisch suo 'Sumpf', deutsch saufen, saugen, suhlen): Die Sau ist ein Tier, das sich im Schlamm "suhlt". Schwein (alt swîn), ist eigentlich ein Adjektiv 'zur Sau gehörig', lateinisch suinus. Das Schwein hat als wichtiges Schlachttier viele Namen: Das männliche Tier heißt Eber, entsprechend lateinisch aper, älter-russisch вепрь vėpŕ. Der verschnittene Eber heißt Barg, russisch боров bórɑv, das Jungtier Ferkel (mit Verkleinerungs-el), entsprechend lateinisch porcus 'zahmes Schwein', verwandt mit Furche ('das Tier, das Furchen wühlt'). Beim Wildschwein unterscheiden die Jäger den männlichen Keiler (der mit seinen Hauern um sich "keilt"), die weibliche Bache (englisch bacon 'Schinken') und den jungen Frischling. Das Spanferkel war vor 1700 kein 'Grillferkel', sondern ein Schweinchen, das noch saugt (althochdeutsch spunnen 'säugen'). Die Dialekte kennen noch andere Ausdrücke: hessisch der Watz, die Wutz, beide ablautend wie Hahn und Huhn, wohl zu indogermanisch vets- 'Nutztier' Dasselbe Wort ergab altindisch vatsá-, lateinisch vitulus 'Kalb', deutsch Widder 'Schafbock', cornisch guis 'Sau' (Gu- entspricht unserm W-). Aus keltischer Zeit ist uns hessisch Mock 'Mutterschwein' erhalten (altkeltisch moccus 'Schwein'). Die keltische Schweinezucht hat auch den englischen Sprachgebrauch beeinflusst: englisch hog 'Hausschwein' aus cornisch hogh 'Schwein' (schwäbisch Sucke, abgeleitet von Sau). Schweinigel ist heute ein Schimpfwort. Gemeint war ursprünglich das Stachelschwein, das in seiner Gestalt an ein Schwein und in seinem Äußeren an einen Igel erinnert. Da dieses Tier bei uns nicht heimisch ist, bezog man das Wort auf eine Art Igel, den man vom Hundsigel unterschied. Für den Schweinehirten gab es im Althochdeutschen ein eigenes Wort, swein, eigentlich 'der Angehörige, der Jugendliche' (altnordisch sveinn 'Junge, Bursche, Diener, Knappe'), im Deutschen aber auf swîn, das Schwein bezogen. Junge Menschen mussten allerlei Hilfsdienste leisten, zum Beispiel auch Vieh hüten. Der Personenname Sven und der Ortsname Sweinheim, heute Schwanheim, sind von swein abgeleitet. Schweine sind nicht schmutziger als andere Tiere. Ihren Ruf wie ihren Namen verdanken sie ihrer Gewohnheit, sich im Schlamm zu "suhlen". Das ist ihre Art zu baden. |
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Begriff Schwein |
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Datum: 20.03.2007 Aktuell: 11.12.2011 |
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