Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Paten

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Email:

 

 

Da hatte doch wahrhaftig der damalige Pfarrer vergessen, die Taufe zu beurkunden. Sieben Kinder waren an diesem Sonntag getauft worden, im Taufregister stehen aber nur sechs und Heiko war nicht dabei. Eine Taufbescheinigung gab es auch nicht. Nun sollte ich den Jungen konfirmieren. Was tun? Nochmals taufen? Nachdem Eltern und Paten glaubhaft versichert hatten, dass Heiko an diesem Tag getauft worden sei, habe ich auf eine Wiederholung der Taufe verzichtet.

Paten sind Taufzeugen. Ihre Aussage gilt, wenn keine Urkunde vorhanden ist. Sie haben aber noch eine zweite Aufgabe, als eine Art Zweiteltern einen jungen Menschen bis zur Konfirmation zu begleiten. Das drückt sich schon in ihrem Namen aus: Pate ist eine Abwandlung von lateinisch pater 'Vater'.

Pate ist man dem Kind gegenüber. Den Eltern gegenüber ist man Gevatter, 'Mitvater'. Früher war es wichtig, dass die Paten das Kind auch materiell unterstützten und dass sie es bei sich aufnahmen, wenn die Eltern gestorben waren. Heute wird das anders geregelt. Eine Patenschaft schließt nicht mehr die Pflicht ein, das verwaiste Patenkind in Pflege zu nehmen. Die alte Sitte wirkt aber nach bis in unsern Sprachgebrauch, wenn wir von einem "Patenkind" in Afrika reden, für das wir regelmäßig eine Unterstützung zahlen.

Bei uns in Hessen sagt man nicht Pate und Patin, sondern Petter und Gote. Man gebraucht diese Wörter von den Pateneltern und auch von den Patenkindern: Ich bin Bettinas Petter und sie ist mein Gotchen.

Petter kommt nicht direkt von lateinisch pater, sondern von der Ableitung patrinus, ursprünglich 'väterlich, Stiefvater', später auch 'Pate'. Die Patin heißt entsprechend auf Lateinisch matrina oder patrina.

Das weibliche Gegenstück von Petter ist Gote, ganz deutlich abgeleitet von Gott und die weibliche Form von Göte, ein anderes Dialektwort für 'Pate'. Gote hat offenbar eine längere Vorgeschichte: Gotisch gudja, altnordisch goði, war der 'Gottesmann, Priester', das J oder I in der zweiten Silbe musste im Deutschen Umlaut geben, also Göte 'Pate'. Die weibliche Form hieß althochdeutsch gota, ohne I oder J, daher kein Umlaut. In spätmittelalterlichen Wörterbüchern entspricht gota lateinischem patrina 'Patin', sacerdotissa 'Priesterin' und niederländischem papen wijf 'Frau eines Priesters'. Gota scheint also allgemein 'Frau mit einer religiösen Funktion' bedeutet zu haben.

Ein früher Beleg für Gote steckt im Namen von Goddelau, das 834 Gótalohono hieß, im Textzusammenhang Genitiv Plural, sonst wohl Gótaloho 'Wiesen der Gote'. Ähnlich hieß Pfeddersheim bei Worms 766 Phetersheim 'Heim des Petters'. Beides sind eher Titel als Namen.

   

nach oben

Übersicht

 

Echo Online

 

Datum: 15.01.2008

Aktuell: 04.10.2017