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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
FragestundeSprachecke in den Echo-Zeitungen |
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Etwa 800 Wörter reichen aus für eine normale Unterhaltung. Goethe soll 80.000 benutzt haben. Der moderne deutsche Wortschatz umfasst etwa eine halbe Million Vokabeln. Die kann man gar nicht alle kennen. Leserfragen gaben mir daher manche harte Nuss zu knacken: Den Baldin 'wollenes Halstuch' verdanken wir Lieselotte von der Pfalz, die in Frankreich verheiratet war. Sie führte eine neue Art von Pelzkragen am Hof ein, den man Palatin 'den Pfälzer' nannte. Eine vereinfachte Ausführung kehrte unter dem französischen Namen in die Heimat zurück. Dort sagte man Baledin, Baldin. Ein Dalles ist ein freier Platz, auf dem man sich trifft und miteinander redet. Das Wort ist abgeleitet von dalen, dallen 'sich unterhalten'. Dieser Ausdruck scheint eine Variante zu sein von lallen 'unbeholfen sprechen'. Flannerts ist ein respektloses Wort für 'Leichenschmaus', heute meist als Kaffeetrinken nach der Trauerfeier. Der Ausdruck ist abgeleitet von flennen 'weinen'. Eine Huwwik ist ein heruntergekommenes Anwesen. Manche sagen auch Huwwerik. Das ist eine entstellte Form von Howwer(a)d 'Hofreite, bäuerliches Anwesen'. Reite ist eine 'Verkehrsfläche, ein freier Platz'. Huwwerik hat sich gekreuzt mit Howwit, Huwwik 'wertloser Besitz, altes Haus' ist entstanden aus althochdeutsch hovêht 'Hofgut' bzw. hovâhi Hofstatt', daher 'Besitz, Hab und Gut'. Die verächtliche Bedeutung kam durch die Verkleinerung Howwitchen, Howwikchen, bei dem man das -chen wieder weggelassen hat. Der Ausdruck Kuttelkompromiss 'Zugeständnisse beim Verteilen der Eingeweide' erklärt sich aus einer antiken Fabel: "Ein Fuchs fängt mit einem Trick einen Hirsch für einen kranken Löwen, der aber frisst die Beute allein auf, ohne seinem Helfer etwas abzugeben. Schließlich gelingt es dem Fuchs, das Hirn beiseite zu schaffen und zu fressen. Der Löwe aber vermisst dieses Organ und fragt den Fuchs. Antwort: Dieser Hirsch hatte kein Hirn, das siehst du daran, dass er zweimal in dieselbe Falle getappt ist, die ich ihm gestellt hatte." [1] Die Fabel verrät nicht, ob der Löwe diese Erklärung akzeptiert hat. Nickelig 'frech, mutwillig' geht zurück auf Nickel, die Kurzform von Nikolaus. Das war auch der Name eines eigensinnigen Kobolds. Ein Pfiffchen ist ein kleines Glas Wein. Pfiff war ein Bild des Flüchtigen, Unbedeutenden. Daher auch der Ausdruck "Das ist keinen Pfifferling (kein Pfeifen) wert". Der Name des Pilzes kommt dagegen von Pfeffer, nach seinem Geschmack. Prollen 'laut und ungehörig reden: sich großtun, angeben, schimpfen, über andere lästern, grölen' wird verstanden als 'sich wie ein Prolet aufführen', kommt aber von prahlen 'sich rühmen'. Zapzerieren 'Lebensmittel stehlen' sagte man 1945 in Berlin. Woanders redete man von sapralisieren. Im Ersten Weltkrieg sprachen Österreichische Soldaten von sapralieren. Das Wort geht auf Russisch zabrat' 'nehmen' zurück, das mit stimmhaftem S gesprochen wird. |
[1] Äsop, Der törichte Hirsch, der Fuchs und der kranke Löwe. [Babrios: Äsopische Fabeln. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 2648 (vgl. Ant. Fabeln, S. 291) (c) Aufbau-Verlag http://www.digitale-bibliothek.de/band30.htm] |
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Könnte das Wort
dalen, dallen auch
mit dem Plattdeutschen / Englischen Meine Antwort: Plattdeutsch
vertellen, englisch to
tell hatte ich mir auch schon überlegt. Es
kommt nicht in Frage, weil germanisches (engl., platt) T deutschem Z
entspricht (Zahl, zählen,
erzählen). |
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Datum: 22.01.2008 Aktuell: 01.03.2012 |
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