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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Der Melbockberg

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Der griechische Geograph Ptolemäus hinterließ uns im 2. Jahrhundert n. Chr. umfangreiche geographische Listen von der ganzen damals bekannten Welt. Die Besonderheit: Er gab die Lage der Orte wie heute in Längen- und Breitengraden an. Mogontiacum (Mainz) lag wie heute am 50. Breitengrad. Den 0. Meridian hatte der Forscher aber mitten im Atlantik angesetzt, sodass die Stadt in der Nähe des 27. (heute 8.) Längengrads zu liegen kam.

Ptolemäus führt nicht nur Städte, sondern auch Gebirge auf. Eines davon im Norden nennt er Mēlíbokos. Nach den Gradangaben lag es zwischen Ems und Elbe und war der Nordrand des Mittelgebirges, südlich von den norddeutschen Cheruskern. Caesar nannte dieses Grenzgebiet Bacenia, später sagte man Buchonia oder Bochonia. In karolingischer Zeit war das der Name eines gaus in der Gegend von Fulda. Um 500 reichte diese Landschaft offenbar bis an den Rhein, man konnte sie von Köln aus bequem erreichen.

Boc- erinnert an das Namensglied ‑buch, das häufig in Odenwälder Ortsnamen neben -bach steht und den zum Tal gehörigen Berg bezeichnet. Oft wurde das unverständliche -buch durch -bach ersetzt, so dass dieses Namensglied meist nur noch da erhalten ist, wo ähnliche Namen nebeneinander stehen (Erbach Erbuch, Seidenbach Seidenbuch).

Vergleichen wir nun Melibokus, Bochonia und die buch-Orte, so sehen wir: Melibokus hat in der griechischen Schreibung ein kurzes O. Den Namen des Gaus hat man wie die Odenwälder Orte zwar früh auf die Buche bezogen, er besaß aber ebenfalls einen kurzen Vokal. Das Grundwort scheint 'Bergrücken' zu bedeuten (englisch back 'Rücken')

Im 16. Jahrhundert identifizierte ein deutscher Gelehrter den antiken Melibokus mit dem höchsten Gipfel an der Bergstraße. In einer zeitgenössischen Quelle (1593) lesen wir: "der Melibocus, so noch anheut (heute) von den Inwohnern Malcheberg genennt". 1736 wurde der fremde Name als Melbockberg überliefert. Heute hat er wieder die lateinische Form Melibokus.

Der deutsche Name ist unterschiedlich überliefert 1012 Mons Malscus, 1347 Malschen, 1380/88 Malchen (Berg und Dorf), 1668 Malsch. Am Rand des Badischen Odenwalds gibt es außerdem einen Ort Malsch. Man unterschied den Kleinen Mal(s)chen, den Langen Berg zwischen Eberstadt und Alsbach, vom Großen Malschen (Melibokus). Wenn wir das Badische Malsch mit einbeziehen, bezeichnete der Name den ganzen Westhang des Odenwaldes. An das Namensglied Mal- wurden die Anfügungen -ch- oder -sch- mit der Endung -en angefügt. Das Grundwort hängt mit einem keltischen Wort für 'Berg' zusammen (gaelisch meall in vielen schottischen Bergnamen).

Die Kelten sagten also Mel-. Die Germanen hängten -bok- dran und die "Inwohner" zusätzlich -berg.

   

 

 

 

 

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Echo Online

Sprachecke 06.05.2008

 

Datum: 26.02.2008

Aktuell: 24.12.2009