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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
TitelSprachecke in den Echo-Zeitungen |
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Der Winter hat es an sich, dass er kalt ist. Was tut man dagegen? Erst mal warm anziehen, und wenn das nichts nützt, noch wärmer anziehen, und erst, wenn das auch nichts nützt, ein bisschen die Heizung aufdrehen. Auch so kann man Energie sparen. Aber das soll hier nicht das Thema sein. Wichtiger ist für die Sprachecke: Was tun wir, wenn es kalt wird? Frieren wir oder friert es uns? Beide Ausdrucksweisen sind schon im Mittelalter bezeugt. Nach Grimms Wörterbuch (1878) war die unpersönliche Konstruktion "es friert mich" viel häufiger als "ich friere". Heute ist es umgekehrt. Google bringt für "es friert mich" 2.790 Belege, für die Kurzform "mich friert" 10.400 und für "ich friere" 37.000. Nun kann man aus den Suchergebnissen zwar auf den heutigen Sprachgebrauch schließen. Aber was ist gutes und richtiges Deutsch? In allen modernen Wörterbüchern stehen diese Formen gleichberechtigt nebeneinander. Man kann nicht pauschal sagen, nur eins sei richtig und alles andere falsch. Es kommt nämlich darauf
an, was wir sagen wollen und unter welchem Gesichtspunkt wir die Kälte
betrachten: "Es friert mich, mich friert", das bedeutet: Mir wird etwas
zugefügt. Ich habe zwar eine normale Körpertemperatur, aber um mich herum
herrscht Kälte. Der Unterschied macht sich unangenehm bemerkbar, "mich
friert". Dazu kommt noch ein
zweiter Gesichtspunkt: Ich selbst bin kompakt gebaut und mit einer wärmenden
Fettschicht versehen. Es geschieht selten, dass es mir in der Wohnung zu
kalt wird. Andere Menschen brauchen mehr Außenwärme. Sie frieren dauernd,
aber mich friert es selten. "Sie frieren" kann also einen Dauerzustand
ausdrücken, "mich friert" dagegen ein momentanes Empfinden. Frieren gehört zu Frost wie verlieren zu Verlust. Auf Mittelhochdeutsch sagte man vriesen/ gevrorn, verliesen/ verlorn. R war ursprünglich ein stimmhaftes S (englisch z). Der Unterschied kam durch die frühgermanische Betonung: fré-usan / frużána. Das S war nach der Tonsilbe stimmlos, vor ihr stimmhaft. Ähnlich ist es bei té-uħan / tuḡána 'ziehen / gezogen' und Hannóver (f) / Hannoveráner (w). |
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Datum: 30.12.2008 Aktuell: 24.12.2009 |
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