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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Die Tiere an der KrippeSprachecke in den Echo-Zeitungen |
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Auf künstlerischen Darstellungen der Weihnachtsgeschichte sind auch Tiere zu sehen. Wir stellen uns vor, dass die Heiligen Drei Könige den langen Weg aus dem Morgenland auf Kamelen zurücklegten. Da das Jesuskind in einer Krippe lag, scheint es in einem Stall geboren zu sein, dessen Bewohner Tiere waren. Ochse und Esel werden in dieser Geschichte nicht erwähnt, wohl aber heißt es im Alten Testament, dass ein Ochse seinen Herrn kennt und ein Esel die Krippe seines Herrn, im Gegensatz zu uns Menschen, die von ihrem Herrgott nichts hören wollen. (Jesaja 1,3). Schafe kommen in der Erzählung nicht vor, wohl aber Herden, die von den Hirten gehütet wurden. Bleiben wir beim Schaf: Das Schaf ist wie das Huhn, Pferd, Reh, Rind, Ross, Schwein, Tier sächlich. Das sind Gattungsnamen, die alle Geschlechter, Rassen und Altersstufen einschließen, aber im Unterschied zu Geflügel, Vieh, Wild das einzelne Lebewesen und nicht eine Klasse von Tieren bezeichnen. Sächliche Gattungsnamen sind eine Besonderheit der germanischen Sprachen. Normalerweise denken wir bei unsern neutralen Vokabeln an weibliche Tiere, weil es mehr von ihnen gibt. Schaf ist heute sogar ausschließlich der Name des Weibchens im Unterschied zum männlichen Widder oder Schafbock und zum kastrierten Hammel. Das fachsprachliche[1] Aue 'weibliches Schaf' ist verwandt mit lateinisch ovis 'Schaf' und bedeutet wohl 'Weidetier' (zu Aue 'Grünland') Das dem englischen ewe 'Mutterschaf' entsprechende hochdeutsche Aue geistert fast nur durch die Nachschlagewerke. Es gibt in 1200 Jahren keine zehn Literaturbelege dafür.[2] Aue 'Schaf' ist dem Konkurrenzwort Aue 'Flusslandschaft' zum Opfer gefallen. Was soll auch "eine Aue in der Aue"? Dafür haben wir ja das Wort Schaf. Westgermanisch s-kêpa war eine Neubildung, verwandt mit lateinisch capra 'Ziege' und caballus 'Ackergaul', Grundbedeutung 'Huftier', zu indogermanisch caph- 'Huf'. Redensarten und Sprichwörter bezeugen, welche wichtige Rolle Schafe gespielt haben: Wer "sein Schäfchen ins Trockene bringt", nimmt egoistisch einen Vorteil wahr. Wenn jemand "sein Schäfchen schert", zieht er aus etwas seinen Nutzen. Ein "schwarzes Schaf" unter lauter weißen Tieren ist ein Außenseiter. Gegen plumpe Vertraulichkeit sagt man: "Ich habe mit dir noch keine Schafe gehütet." Da "viele geduldige Schäfchen in einen Stall gehen", passen auch ein paar Menschen mehr in einen Raum. Der Wirt von Bethlehem hat dieses Sprichwort wohl nicht gekannt. Deshalb war für die heilige Familie "kein Raum in der Herberge". Oder gab's dort nur kein Babybett? |
[1] Anzeige 05.12.2009: "Kamerun-Schafe, Auen und Bock; evtl. trächtig…"
[2]
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Datum: 29.12.2009 Aktuell: 10.08.2010 |
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