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Indogermanen aus der Türkei?Sprachecke in den Echo-Zeitungen |
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Die neuseeländischen Forscher Russell D. Gray und Quentin D. Atkinson haben kürzlich einen Artikel veröffentlicht über die gemeinsamen Wurzeln der indogermanischen Sprachen. Die Sprachen, die heute in West-japhetitien gesprochen werden, sind mit einander verwandt und werden nach ihrem Verbreitungsgebiet indogermanisch oder indoeuropäisch genannt. Das weiß man schon seit nahezu 200 Jahren. Strittig ist nur, wo die „Urheimat der Indogermanen“ lag und wie lange es her ist, dass sich die einzelnen Sprachgruppen voneinander getrennt haben. Gray und Atkinson haben mit statistischen Methoden ermittelt, dass diese gemeinsame Grundsprache vor etwa 9 000 Jahren in Anatolien (heute Türkei) gesprochen wurde. Von dort aus sind vor etwa 8 700 Jahren Menschen in andere Gegenden gewandert. Ihre Nachkommen haben sich in den folgenden Jahrtausenden in Europa und Süd-West-Asien in verschiedene Völker und Sprachen aufgespalten. Die beiden Forscher hoffen, mit dieser Untersuchung einen Streit entschieden zu haben, der in den letzten Jahren die Wissenschaft erhitzt hat: Waren die ersten Indogermanen Nomaden der osteuropäischen Steppe oder Bauern aus Anatolien = Türkei? Der größte Teil dieses Artikels erläutert das Verfahren der Untersuchung und wird auch für Mathematiker keine leichte Lektüre sein. Wichtiger und interessanter für den Laien ist ein Stammbaum der indogermanischen Sprachen, der jetzt erstmals auf mathematisch begründeten Daten beruht. Dass das Deutsche mit dem Englischen näher verwandt ist als mit dem Französischen, erkennt auch ein Laie, der diese drei Sprachen versteht. Die großen Sprachfamilien wie Germanisch (z.B. Deutsch, Englisch), Romanisch (z.B. Französisch), Slawisch (z.B. Russisch) u.a. sind schon seit langem erkannt und beschrieben. Fachleute wissen auch, dass die westeuropäischen Familien Keltisch (z.B. Irisch), Italisch (= Latein u.a.) und Germanisch eng zusammengehören. Jetzt erfahren wir: Diese drei Familien waren in der Tat bis vor 6 100 Jahren eine Einheit. Dann hat sich das Keltische abgespalten und seit 5 500 Jahren gehen auch Italisch und Germanisch getrennte Wege. Vor 2 900 Jahren müssen die Vorfahren der Iren auf ihre Insel abgewandert sein, während die Griechen schon seit 6 900 Jahren in Griechenland leben. Die Frage: „Anatolien oder Steppe“ ist noch nicht ausdiskutiert. Gray und Atkinson geben zu, dass auch die Steppenvölker ihren Beitrag zur Entstehung der heutigen Sprachen geleistet haben, wenn auch Jahrtausende später. Genauso haben vor 2 000 Jahren Römer und Germanen die Völker- und Sprachenlandschaft Europas gründlich umgestaltet. Sicher gibt es an den Berechnungsmethoden noch einiges zu verbessern. Die beiden Forscher schreiben offen, wie schwierig es ist, moderne Sprachen mit denen zu vergleichen, die schon vor 3000 Jahren ausgestorben sind. Die Gegenüberstellung von 87 Sprachen mit 2 449 Vokabeln war eine rechnerische Schwerarbeit: 1 300 000 Rechenoperationen mussten bewältigt werden. An grammatische Vergleiche oder einen Blick über die Grenzen zu den Nachbarsprachen in Westasien und Nordafrika war gar nicht zu denken. Das wird noch Arbeit für weitere Forschungen geben. |
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Datum: 2004 Aktuell: 24.12.2009 |
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