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Der liebenswerte junge Fisch namens Nemo aus dem
Film „Findet Nemo“ hat sein Vorbild in dem Zukunftsroman „20.000 Meilen
unter dem Meer“ von Jules Vernes. Dort kommt ein Kapitän Nemo vor, der mit
einem Unterwasserschiff die Ozeane durchkreuzt oder besser: sich vor der
Welt versteckt. Sein Name deutet das an: lateinisch nemo (mit kurzem
/e/) bedeutet ‚niemand’. Der Kapitän verbirgt seine wahre Identität, indem
er sich „Niemand“ nennt. Den, der er einmal war, gibt es nicht mehr.
Nemo, der Fisch, und Nemo, der Kapitän, dazu gehört ein Dritter, der
griechische Seefahrer Odysseus: Er kommt auf seiner Heimfahrt vom
Trojanischen Krieg zu den einäugigen Zyklopen und bittet dort den Polyphemos
um Unterkunft. Der Menschenfresser fragt ihn nach seinem Namen. Odysseus
stellt sich vor als „Niemand“. Der Riese, der bereits einige Gäste gefressen
hat, weiß, was sich gehört, und bietet als Gastgeschenk an: „Niemand wird
zuletzt verspeist.“ Schließlich gelingt es den Griechen, den Zyklopen zu
blenden. Der schreit laut vor Schmerz und tobt in der Höhle herum.
Teilnahmsvoll erkundigen sich die Nachbarn: „Was ist denn los?“ Polyphemos:
„Niemand hat mir mein Auge ausgestochen.“ - „Wenn dir niemand was getan hat,
brauchst du doch nicht so zu schreien!“ Ein ausgekochtes Schlitzohr, dieser
Odysseus!
Zurück zu Nemo! Ähnlich wie unser
niemand
aus ni je
man ‚nicht irgendein Mensch, kein Mensch’ ist lateinisch
nemo aus ne
homo ‚nicht (ein) Mensch, kein Mensch’ entstanden.
Nicht verneint einen Satzteil: „Ich fahre nicht“ ist das Gegenteil
von „ich fahre“: Je nach Betonung: „Ich fahre nicht“ = Es stimmt
nicht, dass ich fahre (ich bleibe da). Oder: „Ich fahre nicht“
= “Es stimmt nicht, dass ich es bin, der sich ans Steuer setzt (du
sollst fahren).
Niemand, kein,
nichts verneinen Subjekt, Objekt oder den ganzen Satz:
„Niemand hat mir ein Auge ausgestochen“ bedeutet im normalen Sprachgebrauch:
Es stimmt nicht, dass mir jemand ein Auge ausgestochen hat. Ich habe das
Auge auf andere Weise verloren. Oder: Ich habe es gar nicht verloren.
Manche sagen null statt kein: „Ich habe null Ahnung.“ Aber die
Ahnungen werden doch nicht gezählt („gestern hatte ich 5, heute 0
Ahnungen“). Sondern ich verneine, dass ich etwas weiß.
Dass kein nicht dasselbe ist wie null, zeigt folgende lustige
Rechenaufgabe: „Keine Katze hat zwei Schwänze. Eine Katze hat
einen Schwanz mehr als keine Katze, folglich hat eine Katze
drei Schwänze.“ Was ist da falsch? Mit dem ersten Satz ist ja gemeint:
„Es stimmt nicht, dass eine Katze zwei Schwänze hat.“ Richtig wäre
die Rechnung: „0 Katzen haben 0 Schwänze und 1 Katze 0+1 = 1 Schwanz“.
Wenn nicht ein Satzteil oder der ganze Satz verneint werden soll, sondern
der Sinn eines Wortes, setzen wir un- davor. Wenn wir jemand die
Eigenschaft absprechen, ein Mensch zu sein, sagen wir: „Er ist ein
Unmensch“. Ähnlich im Lateinischen mit in-:
in-humanus
‚unmenschlich’. Im Griechischen steht an- oder
a-: a-pathisch ‚teilnahmslos’ (nicht pathetisch). Ein
An-alphabet ist, ‚wer das Alphabet nicht kann’.
Man kann sich drüber streiten, ob man ein Kind nach dem
Fisch Nemo ‚Niemand’ nennen soll. „Unmensch“ bedeutet dieser Name auf
keinen Fall. Das ist schon mal positiv. |
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