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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Den Letzten beißen die Hunde

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Im Unterschied etwa zum Englischen und Französischen haben wir im Deutschen keine feste Wortstellung im Satz. „Den Letzten beißen die Hunde“ (Objekt – Prädikat – Subjekt) ist genauso möglich wie „die Hunde beißen den Letzten“ (Subjekt – Prädikat – Objekt). Trotzdem ist die Wortstellung nicht gleichgültig.

Es kommt nämlich darauf an, was wir sagen wollen:

  • „Den Letzten beißen die Hunde“ ist eine Aussage über den Letzten: Es ist immer der Letzte, der gebissen wird, also sieh zu, dass du nicht der Letzte bist.

  • „Die Hunde beißen den Letzten“ dagegen ist eine Aussage über die Hunde: Den Letzten zu beißen ist für sie die einfachste Möglichkeit, weil sie den nicht erwischen können, der am schnellsten läuft und daher der Erste ist.

Wenn wir also eine Aussage über das Objekt machen wollen, haben wir die Möglichkeit, das Objekt an den Anfang zu stellen. Das geht aber nur, wenn Subjekt und Objekt klar zu erkennen sind. „Die Maus frisst die Katze“ (theoretisch eine Aussage über die Maus) verleitet zu der falschen Schlussfolgerung, dass die Katze von der Maus gefressen wird. Wir haben bei weiblichen Wörtern (Katze und Maus) keine Möglichkeit auszudrücken, was Subjekt und was Objekt ist. Da bleibt uns nur die normale Wortstellung: „Die Katze (Subjekt) frisst die Maus (Objekt)“. Wenn unbedingt die Maus an den Anfang soll, hilft uns eine Passivkonstruktion: „Die Maus wird von der Katze gefressen.“ Das Passiv ermöglicht uns ja von alters her eine Aussage über das Objekt zu machen.

Ähnlich der Schlagertext: „Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere“, weil die kleinen Tiere immer nur die unteren Früchte fressen. Die am höchsten hängen, haben also Zeit reif und süß zu werden. – Richtig wäre also umgekehrt: „Nur die größten Tiere können die süßesten Früchte fressen oder die süßesten Früchte werden nur von den größten Tieren gefressen.“ Immerhin ist klar, dass die Früchte nicht fressen können und daher Objekt sein müssen.

Dagegen sind Sätze unverständlich wie 1. „Diese üppige Vegetation ermöglicht das durchdachte Bewässerungssystem“ oder 2. „Das Stadtbild verschandelt die Verkehrsüberwachungsanlage“. Gemeint ist doch:

  1. Da gibt es in einer trockenen Landschaft eine üppige Vegetation, die durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem ermöglicht wird.

  2. Das ansonsten schöne Stadtbild wird durch eine hässliche Verkehrsüberwachungsanlage verschandelt.

In beiden Fällen lassen sich Subjekt und Objekt nur durch die Wortstellung (1. Subjekt, 2. Objekt) unterscheiden. Will man das Objekt an den Anfang stellen, muss das Verb ins Passiv gesetzt werden.

Man kann das vorangestellte Objekt auch durch einen Relativsatz betonen: „Es ist der Letzte, den die Hunde beißen.“

Leicht wird ein solcher Satz unverständlich: „Die schlechtesten Früchte sind es nicht, woran die Wespen nagen“ ist zwar grammatisch und logisch in Ordnung. Der Satz ist aber trotzdem schwer zu verstehen, weil er das Gegenteil von dem verneint, was er eigentlich aussagen will: „Die Wespen nagen an den besten Früchten“ oder „Es sind die besten Früchte, an denen die Wespen nagen.“

   

 

 

 

 

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Datum: 2004

Aktuell: 24.12.2009