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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Langer Ludwig

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Den Langen Ludwig kennt jeder, mindestens jeder Darmstädter. Viele aus der näheren Umgebung und auch Gäste aus der Ferne haben ihn schon gesehen. Das "Monument" von Großherzog Ludewig I. ist "lang", nicht die Statue des Herrschers, die darauf steht.

Lang, das kann nicht nur 'hoch aufragend' sein, sondern auch 'nach vorne und hinten ausgedehnt'. Was nach den Seiten ausgedehnt ist, nennen wir nicht lang, sondern breit.

Wenn jemand den Mund weit aufmacht, so dass U fast wie A klingt, und wenn er seine Wörter in die Länge zieht, hat er eine "breite Aussprache". Normalerweise sprechen wir aber nicht von "breiten", sondern von "langen Vokalen": Wer sich nicht bewegen kann, ist lahm (mit langem A). Das junge Schaf ist ein Lamm (mit kurzem A). Der Unterschied zwischen lang und kurz entscheidet über die Bedeutung.
Damit beginnen unsre Rechtschreibprobleme. Denn es gibt keine allgemeine Regel, wie wir kurze und lange Vokale kennzeichnen. Eigentlich müsste das ganz einfach sein, denn seit etwa 1350 sind Vokale in offenen Silben lang, in geschlossenen kurz. Eine offene Silbe endet mit einem Vokal (ra-te), eine geschlossene mit einem Konsonanten (Rat-te). Nach dieser Regel müsste man Tag mit kurzem A, Ta-ge mit langem sprechen. So macht man es in manchen Gegenden tatsächlich (Tagg/ Tage). Es ist uns aber lieber, wenn die bedeutungstragende Silbe eines Wortes immer gleich ausgesprochen wird, daher hat auch Tag ein langes A. So erkennen wir das Wort besser.

Die Niederländer haben eine leichte Regel: Ein langer Vokal in offener Silbe wird nicht gekennzeichnet, in geschlossener schreibt man ihn doppelt: muur 'Mauer', Mehrzahl muren.

Wir Deutsche haben ein ganz kompliziertes System: Der Bote kann kein kurzes O haben (wissen Sie noch, warum?). Die Boote und die Bohne auch nicht, aber hier schreiben wir zwei O oder Dehnungs-h. Den Grund können Sie nicht ahnen: Boot und Bohne hatten immer einen langen Vokal, bei Bote war das O ursprünglich kurz. Man kann aber daraus keine allgemeine Regel ableiten. Dehnungs-h steht in vielen Fällen vor L, M, N, R. Wir weichen von dieser Regel ab, um Wörter zu unterscheiden: Ahle und Aale, mehr und Meer, Mohr und Moor.

Bei den kurzen Vokalen scheint es einfacher zu sein: Vor doppeltem Konsonanten (auch ck, tz) ist der Vokal kurz, daher verdoppelt man in offener Silbe den Konsonanten: Bei Hase und hasse gibt es keine Missverständnisse. Anders ist es bei zwei verschiedenen Konsonanten sowie bei ch und sch, da ist überhaupt keine Regel zu erkennen: Art, Sprache haben langes A, hart, Sache kurzes.

Ich sehe schon: Es ist einfacher, Aussprache und Schreibung bei jedem Wort einzeln zu lernen als nach Regeln zu suchen, die doch nicht immer gelten.

   

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Echo Online

 

Datum: 19.01.2010

Aktuell: 03.06.2010