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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
BestechungSprachecke in den Echo-Zeitungen |
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Was ist denn los auf der Welt? Jeder Grieche zahlt durchschnittlich 1335 Euro im Jahr für Bestechungsgelder. [1] Auch in unserm Land gibt es Korruption: Hohe Beamte bekommen von einer Firma den Urlaub bezahlt und wissen danach, wem sie den Auftrag zu geben haben. Termine mit Ministerpräsidenten sind für Geld zu haben. Kann man etwa Steuervorteile mit Parteispenden erkaufen? Wo sind die Grenzen zwischen Spenden, bezahlter Werbung und Bestechung? Schon um 1400 ist
stechen als
'bestechen' bezeugt: "Von
einem nimmt er öffentlich, der andre sticht ihn heimlich."
[2] Wir müssen
also von dem einfachen Wort ausgehen und fragen, wie es zu
diesem Bedeutungswandel kam. Noch sanfter wirken die Schmiergelder. Es war eine leidige Erfahrung, dass die Bürokraten wie die Kutschen nicht funktionierten, wenn man sie nicht schmierte. Die Räder fraßen sich fest und die Staatsbediensteten rührten keinen Finger. Mit ein bisschen Nachhilfe verlief alles nach Plan, "wie geschmiert". Statt von Bestechung reden wir auch von korrumpieren, korrupt, Korruption. Lateinisch corrúmpere bedeutet 'zusammenbrechen lassen, verderben', corruptus 'verdorben', corruptio 'Verdorbenheit', auch im moralischen Sinn, schon in der Antike von der Bestechung gebraucht. Warum ist Bestechung verwerflich? Weil sonst nicht gewährleistet ist, dass "gleiches Recht für alle" gilt. Dann wären die Reichen im Vorteil. Sie können sich ohnehin die besseren Anwälte leisten. Wenn Richter, Abgeordnete und Beamte käuflich wären, wären nicht nur sie korrupt 'verdorben', sondern auch unser Gemeinwesen. Daher dürfen sich Beamte nicht bestechen lassen. [1] Echo-Zeitungen 03.03.2010 S. 1 [2] Oskar von Wolkenstein (BMZ, Mittelhochdeutsches Handbuch) [3] 1534 Sebastian Franck, Weltbuch 218a (Grimm, Dt. Wörterbuch 17, 264) [4] Die etymologischen Wörterbücher von Duden, Kluge, Köbler, Pfeifer leiten den Begriff ab von einem Fachausdruck bestechen 'einen Balken anstechen, um zu prüfen, ob er innen noch gut ist'. Aber wer einem Beamten Geschenke anbietet, tut das doch nicht, um dessen Charakterstärke zu testen, sondern um ihn zu "überzeugen". |
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Datum: 10.09.2010 Aktuell: 01.02.2011 |
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