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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Reisen bildet

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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"Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen", wusste schon Matthias Claudius. Abenteuer gibt es zu berichten von übereifrigen Wachleuten, einer überfüllten Jugendherberge, einem gestohlenen Geldbeutel, einer stürmischen Überfahrt. Aber nicht wegen der Abenteuer fahren wir in fremde Länder, sondern wir wollen Land und Leute kennenlernen, Bauwerke besichtigen, Museen besuchen, Landschaften erleben, eintauchen in fremde Geschichte und fremde Kultur. Wenn wir nach Hause kommen, sind unsre Köpfe voll von neuen Eindrücken. "Na, wie war's?", fragen die Daheimgebliebenen. Neugierige Zuhörer finden sich immer.

Wenn ich verreise, nutze ich auch die Gelegenheit, mich mit der Landessprache zu beschäftigen. Gelegenheit bietet sich, sobald wir fremden Boden betreten, gleich hinter der Grenze, im Hafen, auf dem Flughafen. Hinweisschilder führen uns zum Ausgang (englisch exit), leiten uns durch den Zoll (niederländisch tol, französisch douane), regeln den Verkehr (englisch stop, italienisch alt), verweisen auf wichtige Gebäude (englisch station, italienisch stazione, irisch stáisiún 'Bahnhof', banca, bank, posta, post in fast allen Sprachen), lassen uns Parklätze (englisch parking) und die Innenstadt finden (englisch town center, finnisch keski-kaupunki, irisch An Lár). Die Bedeutung vieler Wörter lässt sich an Hand der Piktogramme oder der Situation erschließen. Das stille Örtchen entdecken wir mit Hilfe des Mann- und Frau-Symbols. Dabei lernen wir, dass das tschechische pánský 'Herren' und damský 'Damen' in den richtigen Raum führt. Spätestens bei der zehnten Durchfahrt hat der aufmerksame Schilderleser kapiert, dass irisch timpeallán einer der überaus häufigen Verkehrskreisel ist.

Manches kommt uns in der Fremde bekannt vor. Das italienische alt ist unser halt und Station für 'Bahnhof' ist uns auch nicht fremd. Einem Darmstädter lacht das Herz, wenn er in Athen erfährt, dass dort die "Elektrische" (Straßenbahn) ilektrikí heißt.

Das sind aber eher Ausnahmen. Häufiger stolpern wir über ähnlich aussehende Vokabeln, die etwas Anderes bedeuten. Ein gift shop ist ein Laden, in dem man Geschenke und Mitbringsel kaufen kann, kein "Giftschuppen", in dem lebensgefährliche Drogen gelagert sind. Wer ein Klosett sucht, wird bei closed vergeblich vor 'geschlossener' Tür warten.

Auf das Sprachgefühl allein können wir uns nicht verlassen. Es empfiehl sich, ein Wörterbuch dabei zu haben. Trotzdem kann man sich auch da irren. So ist es mir in Russland ergangen. Was ist petschenje? Laut Wörterbuch war es 'Leber'. Leber im Karton? Das kann nicht sein. Ich hatte mich vertan. 'Leber' heißt petschenj, aber petschenje ist 'Gebäck'. Seitdem schwärme ich für "Leberkekse".

   

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Echo Online

 

Datum: 18.05.2010

Aktuell: 11.12.2011