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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
MischlingeSprachecke in den Echo-Zeitungen |
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Parzival, der mittelalterliche Sagenheld, hatte einen Halbbruder namens Feirefiz aus der ersten Ehe seines Vaters mit einer Mohrin. Feirefiz war also ein Mischling, den man sich wie eine Elster schwarz und weiß vorstellte. Dass Kinder von Schwarzen und Weißen nicht gescheckt sind, sondern eine gleichmäßige Hautfarbe haben, konnte man damals nicht wissen. Nach heutiger Meinung wäre Feirefiz ein Hybride oder Bastard gewesen, das Ergebnis einer Rassenkreuzung. Hybrídes waren nach der griechischen Naturlehre Greifvögel, die in der Nacht jagen, halb Adler, halb Eulen. So bekam dieses Wort bei den Römern die Bedeutung 'Mischling'. Nach damaliger Definition aber war der Halbbruder Parzivals kein "Bastard", denn seine Eltern waren rechtmäßig verheiratet. Dieses Wort hat etwas ganz Anderes bedeutet: Ein Bastard war der nichteheliche Sohn eines Adligen, für den der Vater Alimente zahlte, der aber nicht erbberechtigt war. Der erste, von dem dieser Ausdruck bezeugt ist, war Wilhelm der Eroberer (1027-87), Sohn des normannischen Herzogs und einer Handwerkertochter. Ehe der Herzog zu einer Pilgerreise aufbrach, setzte er Wilhelm als Thronfolger ein. Die normannischen Adligen nannten ihn verächtlich Bastard und machten ihm Schwierigkeiten, aber Wilhelm konnte sich durchsetzen, aus eigener Tüchtigkeit. In der älteren Literatur hat man diesen Ausdruck Bastard mit dem germanischen Stamm der Bastarnen in Verbindung gebracht. Das seien keine reinrassigen Germanen, sondern Mischlinge gewesen, im Unterschied zu den Skiren, deren Name 'die Reinen' bedeutet habe. Das kann aber nicht sein, da Bastard ein Wort der mittelalterlichen Rechtssprache, nicht der Rassenlehre war. Wir wissen auch zu wenig über die beiden Stämme, um behaupten zu können, dass sich die "reinen" Skiren gegen die Bastarnen abgegrenzt hätten. Da hat man also nationalsozialistischen Rassendünkel aufs germanische Altertum übertragen. Gleichwohl geht die Forschung auch heute noch davon aus, dass Bastard ein germanisches Wort ist, obwohl es im Altfranzösischen zuerst auftaucht (bastart, auch fils de bast 'illegitimer Sohn'). Man hat versucht, das Wort mit Bast 'Bänder aus Pflanzenfasern' zu erklären oder in Analogie zu Bankert 'auf der Schlafbank mit der Magd, nicht im Ehebett mit der Ehefrau gezeugter Sohn'. Eher wäre an eine romanische Anknüpfung zu denken, vielleicht zu romanisch bastar(e) 'genügen', basta 'genug', spanisch a-bastecer 'beliefern, versorgen', nämlich mit Alimenten. Fils de bast ließe sich also übersetzen mit 'Sohn der Versorgung'. Dagegen war Feirefiz, altfranzösisch Vaire-Fils, lateinisch filius varius, ein legitimer, aber 'gescheckter Sohn'. Von Rassendünkel keine Spur. |
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Datum: 09.06.2010 Aktuell: 09.06.2010 |
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