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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Zoff im Olymp

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Im Olymp, der Götterburg, hing ewig der Haussegen schief. Zeus grollte mit Donner und Blitz, wenn ihm was nicht passte, und seine Frau Hera grollte ihm, dem unverbesserlichen Schürzenjäger. Während des Trojanischen Kriegs droschen nicht nur die Achäer und Trojaner, sondern auch die Götter aufeinander ein – ganz nach dem Geschmack des griechischen Adels.
Ja nicht einmal nach dem Krieg war wirklich Friede. Der Meeresgott Poseidon verfolgte den Spätheimkehrer Odysseus mit unversöhnlichem Hass. Hätte Odysseus nicht bei Athene göttlichen Beistand gefunden, wäre er nie nach Haus gekommen.

Wer war denn das, Athene? Sie wird dargestellt mit Helm, Panzer, Schild und Lanze. Also eine Kriegsgöttin? Nein, das war sie nicht. Für das wütende Gemetzel war Ares zuständig, der Gott der Gewalttat (griechisch arê).
Odysseus und Athene waren ein gutes Team. Beide setzten auf Köpfchen und nicht auf militärische Schlagkraft. Odysseus war es, der das Trojanische Pferd erfunden hatte. Was in zehn Jahren alle Sturmangriffe nicht geschafft hatten, das gelang Athenes Schützling durch eine List: in die Stadt Troja einzudringen.
Athene war auch die Schutzgöttin von Athen. Ihre Rüstung auf den Bildern ist nur ein Symbol wie bei uns der Heiligenschein und Schlüssel des Petrus. Ob die Stadt nach der Göttin benannt ist oder umgekehrt, entscheidet die Namensdeutung: A-thana, so der ursprüngliche Name, ist dasselbe wie lateinisch fanum: eine heilige Stätte. Griechisches Th entspricht auch in anderen Fällen lateinischem F. Stadt und Göttin sind also nach einem alten Heiligtum benannt.
Athenes wahrer Charakter wird in einer Sage deutlich: Sie wurde nicht geboren, sondern ist dem Haupt des Zeus entsprungen. Sie verkörperte also die göttliche Weisheit – was man halt damals unter Weisheit verstand, mehr Bauernschläue als abgeklärte Lebenserfahrung. Körperliche Liebe war der Athene fremd und Kinder hatte sie nicht. Ihr Verhältnis zu Odysseus war rein kameradschaftlich. Ihren Tempel in Athen nannte man Parthenôn 'Mädchenzimmer' (zu parthénos 'Jungfrau)
[1]. Sie war wie "die Weisheit, Vernunft, Intelligenz" nur ihrem grammatischen Geschlecht nach weiblich.

Ganz im Gegensatz zu Aphrodite[2], der göttlichen Miss Olymp, mit Feuer in den Adern und Bosheit im Herzen. Die Dichter haben sie dem blindwütigen Ares zur Frau gegeben – ein Traumpaar. Beide repräsentierten den ungezügelten tierischen Trieb: Aggressivität und Sexualität. Blut und Tränen, Wut und Szenen am Tag, aber heiße Nächte zu zweit.

Wie hält man das nur aus, den Zoff im Olymp und den Zorn Poseidons auf Erden? Wenn man wie Odysseus einen guten "Schutzengel" hat, kann man auch den Launen der Götter und des Schicksals trotzen.

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[1] Athenes Beiname Pallás kann nicht 'Jungfrau' bedeuten, denn das zum Vergleich herangezogene pállas oder pállax bedeutet 'jugendliche Geliebte, Nebenfrau' und passt überhaupt nicht zu Athene. Eher eine ältere Form von Poliás 'Schutzgöttin der Stadt'.

[2] aus dem Phönikischen: Aschtart ha-Perudit 'Astarte die Kolonistin'. Astarte war die entsprechende semitische Göttin. Die Griechen haben sie auf Zypern bei phönikischen Kolonisten kennengelernt und mit ihrem Beinamen übernommen.

   

 

Hinweis eines Lesers

Nach Homer war Aphrodite in erster Ehe mit dem Schmiedegott Hephaistos verheiratet. Das war wohl mehr eine Vernunftheirat, denn der Schmiedegott konnte der Schönheitsgöttin das für ihr Amt benötigte Geschmeide herstellen. Daran bestand ein großer Bedarf. Man kann doch nicht jeden Tag dieselben Ohrringe anziehen!

Schon in der Odyssee aber steht, dass Aphrodite ein Verhältnis zu Ares hatte. Spätere Dichter fanden, dass die beiden ein besseres Paar seien.

Die Aussagen der einzelnen Dichter sind oft sehr widersprüchlich. Da weiß man nicht, was man glauben soll.

Es war im begrenzten Rahmen der Sprachecke nicht möglich, auf die erste Ehe mit Hephaistos einzugehen.

 

 

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Echo Online

 

Datum: 22.06.2010

Aktuell: 11.12.2011