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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Farbig sprechen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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In den meisten Büchern stehen schwarze Buchstaben auf weißem Grund. Ganz selten sind die Überschriften farbig vom übrigen Text abgehoben. Auch Bilder und Zeichnungen begnügen sich oft mit schwarz-weiß. Das gibt einen guten Kontrast.

Mehrfarbdruck war zwar möglich, aber technisch aufwändig. Mittelalterliche Bücher sind anders, da hat man nicht nur mit viel Liebe die Initialen bunt ausgemalt, sondern auch Überschriften mit roter Farbe hervorgehoben. Es war ja kein Problem eine andere Tinte zu nehmen. Diese nannte man auf lateinisch rubrîca 'rote Farbe'. Daraus wurde Rubrik 'rote Überschrift' und schließlich 'Abschnitt unter einer roten Überschrift' und 'thematisch bestimmte Spalte'. Dieser Artikel steht unter der Rubrik "Sprachecke".

Farben gibt es nicht nur in Büchern, sondern auch in der mündlichen Rede.

Wir Hessen sprechen alles in derselben Tonhöhe, eintönig. Eigentlich sollten wir ein bisschen mehr Farbe in die Sprache bringen, indem wir die Stimme heben oder senken. An der Satzmelodie können wir Fragen und Aufforderungen unterscheiden von Aussagen. Einzelne Wörter lassen sich durch höheren Sprechton hervorheben. Bei "Lutz geht in die Schúle" hat "Schu-" den höchsten Ton. Legen wir dagegen Wert darauf, dass Lutz und nicht Tim der Schüler ist, wird "Lutz" stärker betont. Manchmal zerlegen wir auch eine Silbe und "singen" eine Schleife: "Lú-ùtz, komm mal hé-èr!" Bei "Lísà, wo bíst dù?" wird die Schleife auf zwei Silben verteilt.

Im Druck hebt man Überschriften durch breitere, "fette" Buchstaben hervor. Gesprochene Sprache ist ganz anders aufgebaut, da müssen wir ohne Überschriften auskommen. Aber wir ändern die Lautstärke, sprechen schneller oder langsamer, machen Kunstpausen und bringen auch durch unsere Körpersprache zum Ausdruck, wenn uns etwas wichtig ist oder wenn uns etwas aufregt.

Oppositionspolitiker regen sich gern auf und können deshalb gute Lehrmeister in der Redekunst sein. Oft haben sie kein ausgearbeitetes Manuskript, sondern äußern sich spontan zu dem, was gerade gesagt wurde. Sie sprechen engagiert und manchmal ziemlich laut und gebrauchen dabei nicht nur ihren Mund, sondern auch ihre Hände.

Schauspieler haben gelernt, wie man diese Mittel überzeugend einsetzt. Wenn ein Laie das auch versucht, wirken bei ihm Gesten und Änderungen in der Stimme oft gekünstelt. Dabei gibt es eine ganz einfache Regel für die öffentliche Rede: Der Römer Cato (234-149) hat das so formuliert: "Rem tene, verba sequentur – Halte dich ans Thema, die Worte werden folgen." Lies nicht vom Blatt ab, sondern sage, was du zu sagen hast, dann findest du nicht nur die richtigen Worte, sondern auch die passende Geste und Betonung.

   

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Echo Online

 

Datum: 10.08.2010

Aktuell: 15.07.2010