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Frage:
So gerne ich Ihren Artikel gelesen habe, muss ich Ihnen in zumindest einem
Punkt widersprechen:
"Es gibt nur einen Fall Eszett, nämlich Maße / Masse."
Mir fällt auf Anhieb ein weiterer Fall ein (vielleicht auch noch mehr, es
kommt darauf an, wie altmodisch, bzw. ungebräuchlich das Deutsche dann
werden darf).
Sollte ich im Unrecht mit meiner Meinung sein, daß das "Eszett" nicht
gänzlich nutzlos ist, gelobe ich, mich in einen der Buße nach
Darmstadt zu setzen und in einer der dortigen Kirchen Busse zu tun.
Ich habe daraufhin die beiden Wörter in meinem Aufsatz
ergänzt. |
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Leserzuschrift
Zum Thema Eszett möchte ich Ihnen als leidgeprüfter Betroffener eine
Geschichte erzählen.
Sie setzt auf Ihrer Bemerkung auf: "Wenn wir nur Großbuchstaben schreiben,
setzen wir an die Stelle von ß doppeltes s Eszett" Erzählen Sie das einmal
einer Behörde! Die sehen das ganz anders.
Mein standesamtlicher Familienname ist Xxxxß. In meinem Pass steht XXXXß.
In den achtziger Jahren hatte ich bei der Einreise in ein diktatorisch
geführtes Land sehr unangenehme Erlebnisse, weil ich auf die Frage des
Einreise-Beamten phonetisch richtig angab, mein Name sei Xxxxß. "Hier steht
Xxxxb!" Sofort wurde ich aus der Routinekontrolle herausgeführt und hatte
einiges durchzustehen, bis man mir die deutsche Besonderheit abnahm und -
das war aber wohl die Hauptsache - von meiner Harmlosigkeit überzeugt war.
Damals hatte man beim Einwohnermeldeamt ein Einsehen und einige Jahre
lauteten meine Pässe auf XXXXSS. Neuerdings wird das nicht mehr akzeptiert,
aber zum Glück habe ich auch keine Reisen dieser Art mehr auf dem Programm,
so daß ich mich als XXXß durch die Welt bewege.
Ich habe
die anderen Buchstaben des Familiennamens durch xxxx ersetzt. |
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Meine Antwort:
(überarbeitet nach neuen Erkenntnissen):
1. Wir müssen wohl unterscheiden
zwischen der wirklichen Herkunft der Buchstabenverbindung und der modernen
Deutung als <s + z>. Diese geht mindestens bis in die 1. Hälfte des 18er-Jahrhunderts zurück. Im Grimmschen Wörterbuch steht konsequent STRASZE,
Strasze.
2.
In deutschen Handschriften erscheint ſʒ
seit dem 14er Jahrhundert, noch um 1350 stand
ʒ. Auch in Drucken der Reformationszeit in "Lutherischer Fraktur" findet sich dieses Zeichen.
Die Ligatur ſs habe ich
in einem lateinischen Druck von 1565 gefunden. 3. Hilfestellung bekomme ich auch aus dem Ungarischen: Da wird
<sz> wie /s/ und
einfaches <s> wie /š/ gesprochen. Letzteres geht auf die mittelalterliche
Schreibung smal, snel, sprechen, starc, swarz zurück, wo auch im
Deutschen einfaches <s> für gesprochenes /š/ stand. Die Schreibung <sz> dagegen scheint
unserem <ß> nachempfunden zu sein. Nach der Microsoft Encarta stammt der
älteste ungarische Text aus dem 12er-Jahrhundert und trägt den
bezeichnenden Titel "Halotti Beszéd" ('Leichenrede'). Mag sein, dass das die moderne
Schreibung ist.
4. Wie in meinem Sprachecken-Aufsatz gezeigt, entspricht modernem <ß>,
mittelhochdeutschem und althochdeutschem <z> sprachgeschichtlich ein
germanisches /t/. Dieses wurde erst ab 1300 nachweislich als scharfes /s/
gesprochen und konnte mit anderem /s/ (nicht nur <ss>, sondern auch z.B. <sp = ßp>
verwechselt werden. Von daher ist die Kombination <ſ +
ʒ>, d.h. neue Aussprache /s/ und alte Schreibung <z> verständlich. |
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