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Meine Antwort:
Schriftsprachig in gehobenem
Deutsch hat „halt“ mit Sicherheit nichts zu suchen. Hier kann jeder an
seinem eigenen Stil feilen und sich von Korrektoren sagen lassen, dass das
kein gutes Deutsch ist. In der gesprochenen Sprache ist das anders, die
lässt sich kaum steuern und oft rutscht auch mir etwas heraus, was nicht so
ganz stilrein ist.
Dazu kommt aber noch ein weiteres. Wenn ich einen geschriebenen Satz nicht
verstehe und Wert darauf lege, zu wissen was gemeint ist, dann kann ich ihn
zehnmal lesen und Wörterbuch samt Grammatik zu Hilfe nehmen. Ein
gesprochener Satz aber muss auf Anhieb verständlich sein. Wenn nun jemand
nur in ganz knappen Sätzen spricht und darin sehr viel Wichtiges mitteilen
will, kann sein, dass die Zuhörer nicht folgen und so schnell denken können
wie gesprochen wird. Deshalb muss gesprochene Sprache ausführlicher und
langatmiger sein als guter geschriebener Stil.
Ich weiß, wovon ich schreibe, denn ich bin pensionierter Pfarrer und habe
mehr als 2000 Predigten gehalten. Da kann man nicht einfach wie in der
Schule einen Aufsatz schreiben und vorlesen, sondern da muss man frei
formulieren. Ich habe mir daher früh angewöhnt, meine Predigten mehr oder
weniger frei zu halten. Das ergibt eine ganz andere Sprache, als das, was in
den z. T. wörtlich ausgearbeiteten Entwürfen steht. Fachsprachlich spricht
man von Redundanz, d.h. scheinbar überflüssigen Worten.
Um die gesprochene Sprache ausführlicher zu gestalten, gibt es zwei
Möglichkeiten:
1. Man legt sehr viel breiter in mehreren Sätzen dar, was auf dem Papier
ganz knapp mit einem Satz ausgedrückt sein kann.
2. Man gebraucht Füllwörter, damit die wichtigen Begriffe zum Mitdenken
nicht so dicht aufeinander folgen. Zu diesen Füllwörtern gehört auch „halt“.
Von daher ist der Gebrauch dieses eigentlich unnötigen Wortes in der
gesprochenen Frage sogar sinnvoll, weil der Verständlichkeit dienlich.
Beispiel: „Stillgestanden“ ist ein unmissverständlicher Befehl, dem man kaum
widersprechen kann. Er kann in seiner Kürze aber auch unverständlich sein,
wenn er nicht klar artikuliert wird oder der Zuhörer nicht richtig hinhört.
„So bleib doch halt endlich mal stehen!“ dröselt den knappen Befehl auf und
wird verständlicher, aber auch verwaschener. „Hättest du vielleicht die
unendliche Güte, meiner Aufforderung zu folgend und endlich mal
stillzustehen“ ist des Guten sicherlich zu viel und lässt Unsicherheit und
mangelnde Autorität erkennen. Über eine so lange Ausführung lässt sich
wunderbar diskutieren, ohne dem Befehl Folge leisten zu müssen.
„Halt“ hat sogar eine ehrwürdige Geschichte: Schon die alten Goten
gebrauchten das Verstärkungswort „haldis“ in der Bedeutung ‚lieber, mehr’. |
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