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Meine Antwort:
Dr. Rudolf Köster
erwägt in „Duden, Redensarten“ drei Möglichkeiten:
1. von einer schussbereiten Kanone, die auf das Ziel ausgerichtet ist.
Dieser Sprachgebrauch ist aber nicht überliefert.
2. von einem Gewebe. Die Kette ist der Längsfaden, der auf dem
Webstuhl ausgespannt ist. Der Schuss ist der Querfaden, der beim
Weben durch die Kettfäden "geschossen" wird. Die Redensart müsste
ursprünglich bedeutet haben, dass die Schussfäden richtig sitzen, d.h. mal
drunter, mal drüber, und in rechtem Winkel zu den Kettfäden. Das sollte aber
bei einem gelernten Weber selbstverständlich sein. „In Schuss sein“ vom
Gewebe ist ebenfalls nicht bezeugt.
3. Von einer Mühle. In Grimms Wörterbuch ist der Ausdruck „das Wasser ist in
Schuss“ verzeichnet, d.h. es fließt schnell. Wenn ich das richtig verstanden
habe, hat der Müller die Mühle an- und ausgestellt, indem er das Wasser auf
die Mühräder leitete oder nicht. Es könnte also geheißen haben „die Mühle
ist in Schuss“, d.h. sie arbeitet. Aber das scheint auch nicht überliefert
zu sein.
Nach Grimm ist die Redensart schon vor 150 Jahren nur noch in abgeblasster
Bedeutung gebraucht worden, so dass es schwierig ist, den ursprünglichen
Zusammenhang zu erkennen.
Es gibt aber noch eine 4. Möglichkeit:
Adelung (1793) definiert „in den Schuss kommen“ als ‚richtig in Fahrt
kommen’ (schießen ‚sich schnell bewegen’). Der Ausdruck soll
gebraucht worden sein, wenn jemand „einen hohen Grad der Fertigkeit in einem
Dinge erlanget.“ Vielleicht ist also gar nicht an einen bestimmten
technischen Vorgang gedacht, sondern einfach an eine hohe Geschwindigkeit,
die man nur nach entsprechender Beschleunigung erreicht.
Konkret führt Adlung dann an: „Noch figürlicher sagt man, ein Bienenstock
stehe im Schusse, wenn er nach dem Schnitte von den Bienen wieder zugebauet
wird.“ Gemeint ist wohl: Wenn der Imker den Honig herausnehmen will, muss er
den Bienenstock bzw. die Waben auf- oder abschneiden. Wenn er fertig ist,
setzt er die Waben wieder ein und die Bienen reparieren die Schäden. – Das
scheint mir aber nicht der Ursprung der Redensart zu sein, sondern bereits
ein Beispiel für ‚in Ordnung’. |
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