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Frage:
Mein kleiner Enkelsohn, jetzt 14
Monate alt, geht mit uns ata, oder, wie wir im Schwäbischen sagen
ada. Woher stammt das Wort?
Meine Antwort:
Kleine Kinder haben ja
Schwierigkeiten, die Wörter der Erwachsenensprache nachzusprechen, besonders
mit schwierigen Lauten wie k, g oder r. Ich kann mich entsinnen, dass meine
Nichte zu meinem Sohn sagte: "deh laus" statt "geh raus". Antwort: "Ja,
haus" (spiegelt die unterschiedliche Aussprache von r bei den Müttern).
Ähnliches werden Sie von Ihrer Tochter und dem Enkel erzählen können. Die
Kinder ersetzen also die schwierigen Laute durch leichte und lassen so
manches ganz weg, besonders gern die Anfangslaute. Eins unsrer Kinder sagte
Addi für 'Mutti'. Oder sie erfinden ganz neue Wörter. Ein anderes
nannte die Kuckucksuhr i-a und sagte das auch immer, wenn der Kuckuck
schrie, weiß nicht warum.
Das waren jetzt Kinder, die schon einige Fortschritte im Sprechen gemacht
haben. Noch größere Schwierigkeiten haben natürlich die Sprechanfänger.
Andrerseits fangen sie ja schon lange vorher an, Sprechen zu üben und bilden
eine Anzahl verständlicher Silben, die aber noch keinen Sinn haben.
Problemlos zu artikulieren sind die Laute b/p, d/t, m, n. Dabei entstehen
Lallwörter wie ba, da,
ma, na;
ab, ad,
am, an;
aba, ada,
ama, ana;
baba,
dada, mama,
nana (oder mit anderen Vokalen). So ist es kein Wunder. dass
Wörter wie Mama, Nana,
Baba, Dada für die Eltern und andere Verwandte
weltweit verbreitet sind (meist die weichen Laute für die Frauen, die harten
für den Männer).
Außer den wichtigsten Bezugspersonen sind auch andere Sachverhalte für Babys
wichtig, z. B. dass die Mutter "weg" oder "da" ist. Wie interessant das ist,
sehen Sie an dem überaus beliebten Kuckuck-Spiel, bei dem man sein Gesicht
hinter den Händen versteckt oder Gegenstände verschwinden lässt. Bei solchen
Gelegenheiten ist wahrscheinlich unser Wort da entstanden, das wir ja
auch benutzen, um auf etwas hinzuweisen: "Da ist die Nase".
Da Kleinkinder noch nicht alle Laute artikulieren, aber doch vieles sagen
möchten, fassen sie ähnliche Sachverhalte in einem Wort zusammen. Unser
Ältester hat sich mal eine halbe Stunde damit beschäftigt, alles, was auf
der Straße vorbei kam, als Wauwau (alles was Beine hat) oder
Auto
(alles was Räder hat) zu klassifizieren. Ähnliches sagen wir Erwachsene ja
auch Lebewesen und Fahrzeuge. In der Erwachsenensprache lassen
sich sogar Tendenzen erkennen,
Gegensätzliches mit einem Wort auszudrücken.
Dazu fällt mir im Moment nur lateinisch altus ein, das 'hoch' und
'tief' bedeuten kann, je nachdem, wie man's betrachtet.
So kann in der Baby-Sprache da nicht nur 'vorhanden' bezeichnen,
sondern auch das Gegenteil 'nicht vorhanden, weg'. Als ich klein war, gab es
die Wörter da 'vorhanden', dadá 'nicht vorhanden' und davon
abgeleitet ada und dáda 'weggegangen' ("Mama ada / dada"),
ada ada 'auf Wiedersehen' und dada-gehn,
ada-gehn 'spazieren
gehen'.
Natürlich helfen da auch die Erwachsenen nach, indem sie sich an den
Sprachgebrauch ihrer eigenen Kindheit erinnern, und schaffen damit
Traditionen, die wohl sehr alt sind (wenn ada auch im Schwäbischen
geläufig ist).
Ähnlich ist es mit der Heia
[1] 'Bett', die ich zu dem
Streichel- und Wohlfühllaut ei stellen möchte (bei uns sagte man [a:i]).
Es hängt sicher zusammen mit dem Wiegenlied "Eia popeia" (bei uns hieß es [ha:io:
boba:io:]). Wobei pop wohl die Wiegebewegung ausdrückt. Ich weiß
nicht, ob Sie den Ausdruck
herzgebobbelt
kennen: 'am Herzen gebobbelt, gewiegt, auf dem Arm gehalten und sachte hin
und her geschaukelt'. Meine Großtante soll als Kind für die Puppenwiege das
Wort Hobbeldibobb erfunden haben, also ist
hobb eine Variante
von bobb und damit ebenfalls ein Lallwort. Da H kann man in solchen
Wörtern davor setzen oder weglassen. |
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[1] ein junges Wort, das Grimm
noch nicht kennt. Es kann auch wegen der Endung -a kein altes Erbwort
sein und gehört daher sicher mit der Interjektion
eia, heia zusammen. |