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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Sprachecke in den Echo-ZeitungenFragen und AntwortenBiet 'Brunnentrog' |
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Frage: Ist Biet ein altes Wort für "Brunnen"? Woher kommt das Wort? Der Ausdruck Biet ist in Groß-Umstadt selbst sehr geläufig, da er die Bezeichnung für den großen Marktplatzbrunnen ist. Leute, die von außerhalb nach Groß-Umstadt kommen, könnten mit der Aufforderung "Wir treffen uns auf dem Marktplatz am Biet!" jedoch nicht viel anfangen. Die Groß-Umstädter bezeichnen allerdings nur diesen Brunnen als Biet. Andere Brunnen, sowohl in Groß-Umstadt selbst als auch Brunnen anderer Orte, werden ganz einfach "Brunnen" genannt, nicht Biet. |
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Meine Antwort: Nach dem Südhessischen Wörterbuch 2,834f ist Biet ein Brunnentrog (bezeugt in Heubach, Nieder-Modau und Hainstadt bzw. wie in Groß-Umstadt der Brunnen als Ganzes). Das Wort kann auch 'Kelterboden, ausgemauerter Wasserbehälter' und 'eingefasster Dorfteich' bedeuten. Es kommt auch im Badischen, Oberhessischen und Rheinischen vor. Grimm, Deutsches Wörterbuch 12,3 erwähnt noch die Bedeutungen 'Saft' und in der Schweiz 'Gebiet', letzteres wohl eine Kurzform. Die Bedeutung 'Saft' könnte von 'Kelterboden > Kelter > Gekeltertes' abgeleitet sein. Woher kommt das Wort? Mir fiel dazu Beute 'Backbrett, -trog, Waldbienenstock' ein. Im Älteren Deutsch wechseln /ie/ und /eu/ (biegen / beugen). Dieses Beute ist nach Kluge, Etymologisches Wörterbuch (24. Aufl., elektronisch) identisch mit althochdeutsch biot 'Tisch'. Kluge führt außerdem ein schweizerisches Bieten 'Vorderteil des Schiffs' auf, so dass die Grundbedeutung 'Bodenbrett' sein könnte. Das Wort könnte verwandt sein mit Boden, indogermanisch bhudh-. Biet wäre ablautend wie biegen / gebogen – beugen. Wir hätten damit etwa folgende Bedeutungsentwicklung: 'Boden eines Gefäßes > Gefäß > Brunnentrog > Brunnen'. |
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Datum: 2007 Aktuell: 29.03.2011 |
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