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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Sprachecke in den Echo-ZeitungenFragen und AntwortenMigranten |
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Frage: Was ist der Unterschied zwischen Zu- und Einwanderung? Wieso heißt es Migranten und nicht Immigraten? Warum sprechen wir nicht von Einwanderern und Einwandererkindern? Ist das politisch oder sprachwissenschaftlich zu erklären? |
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Meine Antwort: Ich habe bei Migranten den Eindruck, dass man einen von Vorurteilen freien Ausdruck gesucht, der zudem auch politisch korrekt ist. Ausländer darf man nicht sagen, weil das diskriminierend ist, es gibt ja Ausländerfeindlichkeit, also ist dieses Wort tabu. Dabei bedenkt man nicht, dass die verächtliche Gesinnung ja nicht an eine Vokabel geknüpft ist, sondern sich auf eine Menschengruppe bezieht, wie immer man sie nennt. Die Einstellung zu ihnen wird sich nicht durch politische Korrektheit ändern lassen. Ausländische Mitbürger ist ein Wortungetüm, das wohl seiner Schwerfälligkeit erlegen ist. Ein Fremdwort hat den Vorteil, dass viele es nicht verstehen. Immigraten wäre der richtige Ausdruck, aber ungewöhnlich. Immerhin gibt's es Stipendiaten, Illuminaten, Kandidaten und in Gernsheim einen Benefiziaten (Geistlichen, der aus einer Stiftung besoldet wird). Meist aber wird die Endung -at von Sachen (Plakat, Zertifikat) gebraucht, so dass das falsche Suffix -anten zu verzeihen ist. Schwerer wiegt das Fehlen der Präfixes Im-. Da überlegt man sich ja wirklich, warum man darauf verzichtet hat. Sicher hat das politische Gründe ("Deutschland ist kein Einwanderungsland"). Ich glaube kaum, dass man alle Konsequenzen dieser Wortwahl wirklich bedacht hat. Steckt dahinter der Wunsch, dass sich die Migranten nur vorübergehend bei uns aufhalten und möglichst schnell weiter migrieren? Das war eigentlich das erste, was mir dazu eingefallen ist. Sie fragen, was der Unterschied zwischen Einwanderer und Zuwanderer ist. Rein gefühlsmäßig würde ich sagen: Einwanderer wandern in ein Land hinein, Zuwanderer überschreiten zwar die Grenze, aber bleiben am Rand, geographisch wie soziologisch. Man zieht in ein Haus oder eine Wohnung ein, aber man zieht einer Gemeinde zu. Zugezogene brauchen mitunter Jahrzehnte oder Generationen, bis sie von den Einheimischen anerkannt werden. |
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Datum: 2010 Aktuell: 09.11.2010 |
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