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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Der Wurm aus dem LochSprachklaubereien in der Evg. Sonntagszeitung |
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Wurmlöcher finden wir in alten Brettern und anderen von Würmern befallenen Gegenständen. Wurmlöcher nennt man auch mysteriöse Schleichwege im Weltall, durch die man angeblich in andere Welten gelangen kann. Das bekannteste Wurmloch aber ist Loch Ness in Schottland. Gaelisch loch bedeutet nicht 'Lücke', sondern 'Binnensee'. Das Wort entspricht lateinisch lacus 'See' und deutsch Lache 'flaches stehendes Gewässer'. Ness, gaelisch Nis, alt Nesta ist der Abfluss des Sees, der bei Inverness ins Meer mündet. Der Flussname erinnert an nass und ist von einem uralten Wasserwort ne- abgeleitet. Bekannter als dieses "Loch" ist sein "Wurm", ein Ungeheuer, das sich seit 1872 dort sehen lässt, Massen von Touristen anzieht und Nessie genannt wird. Im althochdeutschen "Wurmsegen" ist nesso der Name eines Dämons, der beschworen wird, samt seinen Kindern aus dem Körper zu fahren und in einer Pfeilspitze Platz zu nehmen. Im Altirischen ist ness kein Geist, sondern ein Tier, das Wiesel. Die christlichen Iren haben aus den Geistern Tiere gemacht. Sie haben nach biblischem Vorbild die Dämonen entmythisiert. In jüngster Zeit hat sich Nessie rar gemacht. Ist sie am Aussterben, dahingerafft von Umweltgiften? Oder eher ein Opfer des Unglaubens geworden? Denn wer an Nessie glaubt, wird ans Loch gehen, Ausschau halten und die geringste Unregelmäßigkeit als Gruß des Wurms ansehen. Wer nicht glaubt, geht lieber angeln oder wandern. Und wenn überhaupt niemand mehr dran glaubt, versinkt Nessie auf ewig im Loch der Vergessenheit. Auch die Götter der Antike mussten "sterben", als keiner mehr an sie glaubte. Sie "lebten" von Opfern und Gebeten. Wird es unserm Gott ähnlich ergehen? Wird er "sterben", wenn niemand mehr an ihn denkt? Nessie ist ein Hirngespinst wie Goethes Erlkönig: "Sei ruhig, bleibe ruhig mein Kind, in dürren Blättern säuselt der Wind." Was man da zu sehen und zu hören meint, lässt sich anders erklären. Die antiken Götter sind aber nicht untergegangen, weil man bessere Deutungen für die Naturerscheinungen hatte, sondern weil die Menschen im Christentum überzeugendere Argumente und bessere Lebenshilfen fanden. Der Schöpfer wird nicht am menschlichen Unglauben "sterben" und hat alle überlebt, die ihn für tot erklären wollten. Das ist nicht sein, sondern unser Problem: Wir können unsre Zeit mit der Suche nach Nessie und UFOs und Atlantis verschwenden und unsere Geisteskraft mit Überlegungen über die Natur eines Phantoms. Der Glaube an den dreieinigen Gott macht unsre Kräfte frei für Aufgaben, die wichtiger sind. Wer dem Schöpfer dienen will, bringt ihm keine Opfer, sondern handelt in seinem Sinne und ist wie Jesus für seine Mitmenschen da. |
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Datum: 04.11.2007 Aktuell: 24.12.2009 |
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