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Im Alten Testament steht kaum was von einem
Leben nach dem Tod, nur in Spurenelementen. Das Alte Testament war in
seinen wichtigsten Teilen um 400 v. Chr. abgeschlossen, letzte Ergänzungen
bis ca. 150 v. Chr. Das Neue beginnt mit Jesus (ab 30 n. Chr.), die
ältesten Schriften in den 50er-Jahren.
Inzwischen war der Glaube an die
Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag aufgekommen: Die Weltgeschichte
geht nicht ewig weiter, sondern hat einmal ein Ende am "jüngsten", d.h. am
"letzten Tag". Dann kommt Gott persönlich oder sein himmlischer
Abgesandter, der Menschensohn, und hält Gericht. (Daniel 7, Spurenelement
AT) Aber schon damals war der größte Teil der Menschheit schon unter der
Erde und nicht mehr darauf. Das wäre nun den Lebenden gegenüber sehr
ungerecht, wenn Gott die Toten nicht auch vor Gericht stellen würde. Also
macht er sie wieder lebendig und beurteilt alle nach dem, was sie getan
haben. Die Bösen werden dann wieder umgebracht (oder in der Hölle
bestraft), die Guten dürfen weiterleben in einer unvorstellbar besseren
Welt. – So ähnlich sagen das die Zeugen Jehovas noch heute und malen die
bessere Welt in den leuchtendsten Farben aus.
Diese Vorstellungen waren zur Zeit Jesu in
der Bevölkerung weit verbreitet und auch Jesus und seine Jünger sind voll
darauf abgefahren, auch die Pharisäer, die zu Unrecht als Jesu
ärgste Feinde dargestellt werden, nicht aber die Sadduzäer, das war die
Berufsgenossenschaft der hauptamtlichen Priester. Die erkannten vom AT
(Alten Testament) nur die Thora (5 Bücher Mose) an, und da steht halt mal
nichts von Auferstehung. Das NT (Neue Testament) berichtet von einer
Diskussion, die Jesus mit den Sadduzäern über dieses Thema geführt hat (Mk
12,18-27), und dass Paulus einmal vor Gericht die Pharisäer gegen die
Sadduzäer ausspielen konnte, indem er sagte: "Meine Herren, ich stehe
hier, weil ich an die Auferstehung der Toten glaube." (Apostelgeschichte
23,6-9).
In der Offenbarung werden Weltuntergang,
Gericht und Auferstehung ausführlich behandelt. Es finden sich aber auch
sonst viele Stellen im ganzen NT. Einer der wichtigsten Texte ist 1.
Korinther 13, wo sich Paulus mit Leuten auseinandersetzt, die zwar an die
Auferstehung Jesu, nicht aber an die der Toten am Jüngsten Tag glauben.
Von daher hat diese Vorstellung einen
berechtigten Platz im Glaubensbekenntnis: "von dort (aus dem Himmel) wird
er (Christus) kommen, zu richten die Lebenden und die Toten… Ich glaube an
… die Auferstehung der Toten…"
Hier hat also zwischen den beiden
Testamenten eine Entwicklung stattgefunden: Das AT kennt nur das irdische
Leben, das NT die Auferstehung der Toten (und dann geht’s weiter im
Glaubensbekenntnis): "und das ewige Leben", nämlich in der besseren Welt
nach dem Jüngsten Gericht. Da die Auferstandenen ewig leben, brauchen und
dürfen sie sich nicht mehr vermehren und deshalb wird es auch keine "Zweckgemeinschaft zur Aufzucht von Kindern" mehr geben (die heutige Ehe
ist etwas Anderes!). Deshalb wird auch die siebenfach verheiratete Frau in
der Sadduzäergeschichte keinem ihrer frühren "Besitzer gehören", weil die
Auferstandenen (geschlechtslose Wesen) sein werden wie die Engel, die ja
auch nicht heiraten.
Wenn man sich das so primitiv ausmalt wie
die Sadduzäer, die ja beweisen wollten, dass eine Auferstehung zu
unlösbaren Konflikten führen muss, dann wird klar, dass das ja nicht sein
kann. Wie löst Jesus dieses Problem? Er rückt ab von der primitiven
leiblichen Auferstehung (die Toten kommen, wie sie waren, aus dem Gab
raus). Sondern er vergleicht die Auferstandenen mit Engeln, d.h.
Geisteswesen. Die Engel haben keinen Körper. Die Flügel auf den Bildern
sind keine Körperteile, sondern uralte Symbole für Geist (vgl. die
heiligen Geist als Taube). Ich entnehme diesen Ausführungen Jesu, dass
auch Jesus nicht körperlich, sondern geistig auferstanden ist.
Nun ist aber im NT insofern ein Widerspruch,
als viele Stellen, auch die Offenbarung an eine massive körperlich
Auferstehung glauben, wie das im Volksglauben zur Zeit Jesu weit
verbreitet war. Die Jünger haben Jesus also nicht immer verstanden,
sondern ihre Vorstellungen mit eingebracht und über die Auferstehung so
gepredigt und geschrieben, wie sie sich das vorstellten. In der Tat stellt
eine geistige Auferstehung ganz schöne Ansprüche an unser
Vorstellungsvermögen.
Was also die allgemeine Totenauferstehung
anbetrifft, so stimmen darin nicht nur alle christlichen Gruppierungen mit
dem NT überein, sondern auch die Muslime und die heutigen Juden (geistige
Erben der Pharisäer). Die Aussagen des AT sind also durch die des NT
ersetzt. Ich weise nochmals darauf hin, dass der Glaube an die
Auferstehung zur Zeit Jesu weit verbreitet war, nicht nur bei den ersten
Christen. Juden und Muslime stimmen in dem Punkt zwar mit dem NT überein,
aber sie berufen sich nicht drauf, sondern alle drei stehen auf einer
gemeinsamen Grundlage.
Im Gleichnis vom reichen Mann und armen
Lazarus (Lukas 16,19-31) kommt eine ganz andere Vorstellung zur Sprache:
Die Guten kommen in "Abrahams Schoß", die Bösen in die Hölle.
Das Bild von "Abrahams Schoß" kommt sonst
nirgends in der Bibel vor und entstammt wohl der Redensart, dass ein
Sterbender "zu seinen Vätern versammelt" wird, d.h. er kommt dahin, wo
seine Väter auch hingekommen sind, ins Totenreich unter der Erde, wo sie
nach alttestamentlicher Darstellung "schlafen". Abraham ist der Stammvater
aller Juden.
Nach mittelalterlicher christlicher
Vorstellung ist Jesus "hinabgestiegen in das Reich der Toten". Das
bedeutete zunächst einfach: Er kam wie alle Verstorbenen in das Totenreich
unter der Erde, blieb dort über den Sabbat und wurde dann von Gott "auferweckt" und aus dem Totenreich in den Himmel geholt. Seitdem haben
die an Jesus glauben einen Platz bei Jesus und Gott im Himmel. Das mit der
"Höllenfahrt Christi" hat man später so verstanden, als habe Jesus die
Gläubigen früherer Zeiten aus der Unterwelt befreit und mit sich in den
Himmel genommen. Es blieben also nur die Bösen und die Nichtchristen in
der Unterwelt.
Dagegen sprechen Jesus und das Neue
Testament öfter von der Hölle, dem "Ort der Qual". Man muss sich das wohl
so vorstellen, dass sich sowohl "Abraham" als auch die Hölle in der
Unterwelt befinden, allerdings durch einen Abgrund voneinander getrennt.
Der Reiche in der Hölle schläft nicht, sondern ist bei vollem Bewusstsein
(sonst könnte er ja nicht gequält werden) und kann sich mit Abraham
unterhalten.
Zuletzt wird in dem Gleichnis die
Möglichkeit erwogen, dass Lazarus "auferstehen" und für kurze Zeit das
Totenreich verlassen könnte. Das wird aber als unnötig abgelehnt.
Hier haben wir also schon fast alles, was
den späteren christlichen Glauben an Himmel und Hölle kennzeichnet: Das
Gericht findet nicht für alle am Ende der Welt statt, sondern für jeden
persönlich am Ende seines Lebens. Die Toten werden dann in verschiedene
Abteilungen der Unterwelt eingewiesen, wo es den Guten gut geht und die
Bösen in den Flammen gepeinigt werden.
Beides, die "klassische" Vorstellung von der
Auferstehung am Jüngsten Tag und das Weiterleben in Himmel und Hölle
stehen im jüdisch-christlichen Glauben unausgeglichen nebeneinander. Im NT
überwiegt das Wort "Auferstehung", die man sich verschieden vorstellen
konnte (materiell oder geistig).
Im späteren Christentum hat sich dagegen der
Glaube an Himmel und Erde durchgesetzt, vielleicht unter Einfluss des
griechischen Glaubens an die Unsterblichkeit der Seele.
Nun ist es ja ein bisschen schwierig, die
Menschen in Gute und Böse einzuteilen. Das wäre wie bei Gericht die
falsche Alternative: Freispruch oder lebenslänglich. Nein, in Wirklichkeit
gibt es einen nahtlosen Übergang von abgrundtief böse und himmlisch gut.
Also kam man im Mittelalter aufs Fegefeuer, das entspricht unsrer
Freiheitsstrafe für eine bestimmte Zeit. So könnte Gott die guten und
bösen Werke besser gegeneinander aufrechnen. – Wir Evangelische glauben
nicht ans Fegefeuer und überlassen es Gott, nach welchen Kriterien er
einmal sein Urteil spricht. Da wir in der Regel auch nicht beichten
müssen, haben wir es uns ganz abgewöhnt, die Sünden nach ihrer Schwere zu
klassifizieren und auszurechnen, wie lange man für was im Fegefeuer
schmoren muss. Das finde ich besser so.
Der westliche Kulturkreis geht davon aus,
dass unser Leben und die Geschichte einmalig ist und die Zeit gradlinig
von einem Anfang bis zu einem Ende verläuft und nicht wiederholt werden
kann: Was wir von uns wissen, ist dass wir geboren wurden und einmal
sterben müssen. Genauso nehmen wir an, dass die Welt als Ganzes einen
Anfang hat (Schöpfung, "Urknall") und irgendwann einmal "untergehen" wird.
Was vor unsrer Geburt bzw. vor der Schöpfung war, können wir nicht wissen.
Es gab uns bzw. die Welt noch nicht. Die jüdisch-christlich-muslimische
Hoffnung reicht aber über den individuellen Tod und das Ende der Welt
hinaus. Wir hoffen auf was Besseres.
Anders die östlichen Religionen (Hinduismus,
Buddhismus). Sie gehen davon aus, dass die Geschichte und das Leben ein
ewiger Kreislauf sind. Welten entstehen und gehen zugrunde und neue Welten
entstehen. Genauso auch das individuelle Leben: Unsere "Seele" war vor
unsrer Geburt in einem anderen Körper und wird nach unserem Tod in einen
anderen Körper einkehren (so genannte Seelenwanderung). Damit eng
verbunden ist die Lehre von der Vergeltung: Alles, was wir tun, hat Folgen
für unsre nächste Existenz. Verdienste und Schulden rechnen sich
gegeneinander auf und die Bilanz bestimmt, ob wir im nächsten Leben als
Grashalm, Hund, Kuli, Maharadscha oder Gott wiedergeboren werden. Macht ja
nichts, auch ein Hund kann zum Gott aufsteigen und ein Gott zum Grashalm
verkommen.
Das hört sich vielleicht ganz verlockend an.
Aber ist das wirklich wünschenswert, immer wieder geboren zu werden? Ich
hab an meinem einen Leben eigentlich genug.
Für den verwöhnten nepalesischen Prinzen
Siddharta Gautama war es ein Schock, plötzlich mit Armut, Krankheit und
Tod konfrontiert zu werden. Er erkannte: "Alles Leben ist Leiden" und er
fragte sich: Was ist die Ursache dafür und wie komme ich da wieder raus?
Antwort: Ursache allen Leidens ist der Lebenstrieb, der mich dazu bringt,
Verdienste und Schulden auf mich zu laden, die ich im nächsten Leben
abfeiere oder abbüße. Wenn es mir gelingt den Lebenstrieb in mir abzutöten
und meine Lebensbilanz Null zu Null aufgehen zu lassen, so wird mein Konto
gelöscht und ich bin erlöst. Das Nirwana, das ich damit erreiche, ist
nicht das Nichts, sondern ein positiver Zustand, der sich aber nicht
beschreiben lässt. Nachdem Gautama zu dieser Erkenntnis gekommen war,
nannte er sich Buddha, der Erleuchtete und begründete den Buddhismus.
Heute gibt es viele Menschen, die wollen gar
nicht in den Himmel, die begnügen sich damit, dass sie tot sind, kein
"Sparbuch" hinterlassen und in Vergessenheit geraten. Was geschieht mit
denen? Kommen die dann in die Hölle? Was ist mit den Buddhisten, die sich
nach dem Nirwana sehnen? – Ich denke, dass auch im Himmel der Datenschutz
gilt. Wenn jemand unbedingt von der Festplatte gelöscht werden will – Gott
zwingt niemand und lässt uns auch nach dem Tod unsre Freiheit.
Bei Henrik Ibsen, Peer Gynt, hab ich eine interessante Variante gelesen: Peer Gynt ist ein totaler Versager.
Gegen Ende seines Lebens trifft ihn der "Schmelzer", der sagt, er müsse
eingeschmolzen und neu gegossen werden, weil er den Sinn seines Lebens
verfehlt habe. Peer versucht ihm auf verschiedene Weise zu entkommen, u.a.
dadurch, dass er den Teufel bittet, ihn in die Hölle zu schaffen. Der
Teufel hat an dem Versager aber kein Interesse. Er kann nur abgrundtief
böse Seelen gebrauchen. Die sind wie photographische Negative, die man mit
Pech und Schwefel und viel Geduld in ein anständiges Positiv verwandeln
kann. Aber was soll er mit einem so verwischten und verwackelten Bild wie
Peer Gynt anfangen?
Ibsen erwägt also, ob Seelenwanderung nicht
was ist für Leute, die in ihrem Leben gescheitert sind. Können sie nicht
noch einmal eine Chance haben? Klingt gar nicht so dumm.
Alle Religionen, die westlichen wie die
östlichen, setzen voraus, dass der Mensch eine Seele bzw. etwas hat, was
den Tod überdauern kann. Das ist dem modernen Menschen aber fragwürdig
geworden. In den Siebzigerjahren hat jemand in Berlin eine Umfrage
gemacht: "Glauben Sie an eine Seele?" Die meisten Deutschen glaubten
nicht, die meisten Türken glaubten.
Wie kommt das, dass wir uns Seele nicht mehr
vorstellen können? Schuld daran ist unser materialistisches Denken, wonach
Materie und Energie die Grundlagen unsrer Welt sind und sonst nichts.
Geist wird von vielen verstanden als etwas, was in unserem Gehirn
entsteht, und wenn das nicht mehr tut, gibt’s so wenig Geist wie Brummen
und Bewegung, wenn wir den Motor ausstellen (die Abgase aber bleiben).
Unter Seele verstehen viele das, was wir salopp unser Nervenkostüm nennen
und was der Psychologe analysiert und der Psychiater repariert.
Dabei wird einfach die dritte Komponente
unsrer Welt übersehen, nämlich die Information. Wir erleben Materie meist
nicht als ungestaltete Klumpen oder Wolken, sondern die meiste Materie hat
eine Gestalt, vom Atom übers Kristall bis zu Lebewesen und vom Grashalm
bis zum Milchstraßensystem. Ein simples Wasserstoffatom, bestehend aus
einem Proton und einem drum herum sausenden Elektron hat eine Gestalt und
"weiß", dass es sich mit einem Kollegen und einem Sauerstoffatom zu Wasser
verbinden kann. In alle dem sehe ich schon Vorformen von Geist. Geist und
Information sind ein und dasselbe.
So ist es auch mit deiner Seele. Du hast mir
jetzt einiges über dich erzählt und ich hab mir ein Bild von dir gemacht.
Das alles habe ich unter dem Stichwort "Diana" irgendwo in meinem Gehirn
abgespeichert. Du hast mir deine Daten auf elektronischem Weg übertragen,
in deinen Rechner eingetippt und sie erschienen bei mir auf dem
Bildschirm. Aber wie kommen sie in meinen Kopf? Das von Rechner zu Rechner
ging über eine materielle Leitung. Aber von deinem Kopf zum Rechner von
meinem Rechner in meinen Kopf, das war doch schon mal ein immaterieller
Datentransfer, der sich physikalisch nicht erklären lässt. Wie das vor
sich geht, "will mir einfach nicht in meinen Kopf". Deine Seele, das ist
die Summer aller Informationen über dich, notfalls komprimiert auf die 5
Byte "DIANA".
Genauso, wie deine Daten in meinem Kopf
gespeichert sind, so stelle ich mir vor, dass sie Gott auch irgendwo
gespeichert hat. In der Bibel gibt es das Bild von den himmlischen
Büchern, in denen alles drin steht, und vom Buch des Lebens. Bücher, das
war damals der aktuellste Stand der Technik. Heute würden wir von einer
himmlischen Festplatte reden. Und heute haben wir auch ein bisschen eine
Vorstellung davon, dass Gott gar nicht jedes Atom deines Körpers und jede
Sekunde deines Lebens protokollieren muss. Schon mal was von
Datenkomprimierung gehört? Notfalls reicht dein Name, um dich wieder zu
rekonstruieren, wenn du nicht mehr da sein solltest. – Das ist der tiefer
Sinn des Auferstehungsglaubens: Du bist nicht verloren, wenn du stirbst.
Sondern Gott hat deine Daten gespeichert und kann sie wieder
rekonstruieren.
Mir täte es schon genügen, wenn er mich
nicht vergisst und meine Daten auf der Festplatte nicht löscht.
So kann man sich auch die östliche
Vorstellung von der Seelenwanderung erklären: Was da weiter lebt, ist
nicht deine Persönlichkeit, sondern dein himmlisches Konto, das irgendein
neues Lebewesen erbt. Und wenn du am Ende deines Lebens nichts mehr auf
dem Konto, aber auch keine Schulden hast, dann gibt’s auch nichts zu
erben.
i.
Berichte von Sterbenden
Wir haben Berichte von Menschen, die dem Tod
nahe oder klinisch tot waren und wieder zurückgeholt wurden, sowie
Berichte von Sterbenden.
Typische Elemente dieser Berichte:
-
Man erlebt sich von außen (die Seele hat
sich vom Körper gelöst).
-
Man hat manchmal ein überklares
Bewusstsein, obwohl man äußerlich ohnmächtig oder klinisch tot ist.
-
Man sieht sich den "Film" seines Lebens
rückwärts an und beurteilt sich dabei selbst.
-
Man wird von einem Boten aus dem Jenseits
abgeholt.
-
Man befindet sich in einem engen dunklen
Tunnel, der zum Licht führt.
Das sind aber keine Aussagen, was nach dem
Tod kommt, sondern nur, wie es sein kann, wenn man stirbt.
ii.
Erscheinungen kürzlich Gestorbener
Es gibt quer durch die Geschichte und durch
alle Kulturen unzählige Berichte, wonach sich Sterbende bei den
Angehörigen gemeldet haben. Dass es so etwas gibt, lässt sich nicht
bezweifeln.
Das muss aber kein Beweis für ein
individuelles Weiterleben nach dem Tod sein, sondern ließe sich auch
dadurch erklären, dass eine telepathische Verbindung durch den Tod
abreißt. Das ist etwa so wie bei dem Bahnwärter, der sich durch nächtliche
Züge nicht stören lässt, aber aufwacht, weil ein Zug nicht gekommen ist.
iii.
Klassische Gespenstererscheinungen und Spiritismus
Es gibt quer durch die Geschichte und durch
alle Kulturen hindurch Berichte, wonach manche Tote im Grab keine Ruhe
finden und sich den Lebenden offenbaren, oder dass Lebende mit Toten
Kontakt aufnehmen können.
Auch das muss kein Beweis für ein Weiterleben sein, es ist zunächst einmal
anzunehmen, dass sich diese Erscheinungen im Gehirn lebender Menschen
bilden.
iv.
Totenauferweckungen
Es scheint möglich zu sein, eben gestorbene
Menschen wieder ins Leben zurückzuholen. Das hat jeder bessere Sanitäter
schon getan und wird in unzähligen alten Geschichten erzählt.
Aus alledem lässt sich vermuten, dass es so
etwas wie eine Seele gibt, die nach Herzstillstand und vielleicht sogar
Hirntod mindestens eine Zeitlang weiterlebt. Davon zeugen auch alte
Glaubensvorstellungen, wonach die Seele noch 40 Tage lang in der Nähe
seiner Leiche bleibt, ehe sie endgültig verschwindet.
Es lässt sich aber kaum sagen, was sich im
Hirn der Hinterbliebenen abspielt und was objektive Wirklichkeit sein
könnte. Mit den herkömmlichen Methoden der Naturwissenschaft lässt sich
das alles nicht erklären. Es müsste sich aber durch einen
wissenschaftlichen Vergleich alter und moderner Berichte feststellen
lassen, dass es unabhängig von der Kultur und Zeitepoche ähnliche
Erfahrungen auf der ganzen Welt gibt.
Es ist jedenfalls nicht so, wie vielfach
behauptet wird, dass wir nichts wissen könnten, weil noch niemand von
drüben zurückgekommen ist. Wir bekommen durch diese Geschichten aber nur
eine Vorstellung, wie es ist, wenn man stirbt, und wie es sein könnte,
wenn man die erste Zeit tot ist.
Die Materialisten glauben, dass Geist etwas
ist, was durch Materie entsteht und an Materie gebunden ist: Mein Gehirn
und Nervensystem produzieren Gefühle, Wahrnehmung, Willen, Gedächtnis,
Denken, Bewusstsein. Man sollte annehmen, dass das alles erlischt, wenn
der Körper nicht mehr existiert.
Ich dagegen glaube, dass Geist unabhängig
von Materie, ja dieser sogar vorgeordnet ist. Der Architekt plant ein Haus
zunächst nur in seinem Kopf und dann auf Papier, bevor es in Stein
Wirklichkeit wird. Ich behaupte, dass Information = Geist neben Materie
und Energie eine der Grundbestandteile der Welt ist. Allein physikalisch
und chemisch, ohne Berücksichtigung der gespeicherten Informationen und
der verwirklichten Gestalt ist die Welt nur unzureichend beschrieben.
Von daher kann ich mir vorstellen, dass der
menschliche Geist ebenso eine selbständige Größe ist und nicht nur von
seinem Körper abhängig. Wir leben schließlich ja auch weiter in unsren
Genen und den Ideen, die wir erfolgreich hinterlassen haben. So muss es
auch eine Art Weiterleben unsrer Persönlichkeit geben. Vielleicht muss der
Geist sich erst entwickeln, damit er vom Körper unabhängig wird.
Die traditionellen Vorstellungen sind nur
Bilder und können keine objektiven Beschreibungen des Jenseits sein:
-
Weiterleben der Seele in der Nähe des
Grabs, im Totenreich, in Himmel und Hölle
-
Todesschlaf und Auferstehung
-
Seelenwanderung.
Diese drei Bilder scheinen einander zu
widersprechen. Drücken sie unterschiedliche Zustände aus, sodass die
Menschen nach dem Tod tatsächlich ein unterschiedliches Schicksal hätten,
je nachdem, was sie anstreben? Oder sind das nur unzureichende Versuche
sich vorzustellen, was nach dem Tod kommt? Ich neige zu der zweiten
Auffassung und versuche mir vorzustellen, dass ich in den Himmel komme.
Nach der Bibel ist unsere Seele der
Lebenshauch Gottes. Wenn Gott ausatmet, entsteht neues Leben, wenn er
einatmet, nimmt er den Lebenshauch wieder zu sich und die Lebewesen
sterben (1. Mose 2,7; Psalm 104,29; Prediger 12,7).
Mit diesem Bild werden drei Rätsel gelöst:
i.
Woher kommt meine Seele?
Sie ist ein Teil von Gott und hat sich durch
unsere Geburt von Gott getrennt. Das ist kein schuldhafter "Sündenfall",
sondern das hat Gott so gewollt, als er die Welt geschaffen hat.
Damit ist aber zugleich auch gesagt, dass
Gott und ich getrennte Wesen sind, solange ich lebe. Wichtig ist, dass ich
meine Herkunft nicht vergesse und mein Ziel nicht aus dem Auge verliere:
zurückkommen zu Gott.
ii.
Wozu sind bin ich auf der Welt?
Ich bin dazu auf der Welt, dass ich durch
Erfahrung reifer werde. Ich kam auf die Welt als ungehobelter Klotz und
soll im Laufe meines Lebens das Kunstwerk werden, das Gott mit mir geplant
hat. Das Leben ist dazu da, mich abzuschleifen – aber die Welt ist auch
dazu da, dass ich mich in sie einbringe und mithelfe, dass sie das wird,
was Gott sich bei ihrer Erschaffung vorgestellt hat.
Wichtig: Wir sind noch nicht, was wir sein
sollen, sondern müssen das erst noch werden.
iii.
Was kommt nach dem Tod?
Ich hoffe, dass meine Seele wieder zu Gott
zurückfindet und sich wieder mit ihm vereinigt (= Himmel + Nirwana). Ich
befürchte, dass sie ihr Ziel nicht erreicht, einfach erlischt (= ewiger
Tod, Hölle), als "Gespenst" herumirrt oder sich eine neue Bleibe sucht (=
Seelenwanderung).
In diesem Modell lassen sich alle alten
Anschauungen auf einer höheren Ebene miteinander in Einklang bringen. |