|
|
|
Eine wichtige Bedeutung
für die Religion hat wohl von Anfang an der Totenglaube, verbunden mit
verschiedenen Bestattungssitten, gehabt. Nachklänge dieser Vorstellungen
finden wir bis in unsere Zeit:
- Wo man die Toten in
Einzelgräbern beisetzte, kam der Glaube auf, dass der Tote sich in der
Nähe des Grabes aufhält. Diese Auffassung macht einen sehr
altertümlichen Eindruck. Als sich andere Ideen durchsetzten, blieb man
dabei, dass in besonderen Fällen die Seele anders als gewöhnlich in der
Nähe des Grabes ihr Wesen treibt und den vorübergehenden Wanderer
erschreckt. Solche 'armen Seelen' finden 'keine Ruhe', weil sie entweder
ein Verbrechen begangen hatten oder einem ungesühnten Verbrechen zum Opfer
gefallen sind, weil sie nicht in geweihter Erde beigesetzt wurden, weil
sie einen bisher unentdeckten Schatz vergraben hatten, oder weil sonst
etwas nicht geregelt worden war. Man kann sie erlösen, indem man die Sache
in Ordnung bringt, den Verbrecher bestraft, die Leiche ordentlich beisetzt
oder den Schatz hebt.
Man hoffte aber nicht nur auf die Hilfe der Toten, sondern fürchtete auch
ihr Wiederkommen und versuchte, sich durch Abwehrzauber dagegen zu
schützen. Dies dürfte ursprünglich der Grund gewesen sein, weshalb man
begann, drei Schippen Erde ins Grab zu werfen oder Steine aufs Grab zu
legen (jüdischer Brauch): Man wollte so die Toten ins Grab bannen.
- Dagegen scheint der
Glaube an einen gemeinsamen Aufenthaltsort der Toten unter der Erde
mit der Sitte von Gemeinschaftsgräbern zusammenzuhängen. Die
Germanen nannten diesen Ort Hel (daher kommt unser Wort Hölle).
- Schließlich musste die
Leichenverbrennung dazu führen, dass man glaubte, die Geister der
Verstorbenen gingen durch die Einäscherung in die Luft über, wo sie
im Sturm mit dem wütenden Heer einherfahren.
Natürlich haben sich die
Begräbnissitten im Laufe der Zeit gewandelt, während man an den alten
Vorstellungen weiter festgehalten hat. In den letzten Jahrtausenden lässt
sich kein Zusammenhang mehr zwischen Bestattungsbrauch und Totenglauben
feststellen; die Anschauungen müssen also in sehr alter Zeit entstanden
sein. So glaubten die Griechen an ein unterirdisches Totenreich, den Hades,
obwohl sie zur Zeit Homers ihre Leichen verbrannten; die uns bekannten
Germanen dagegen begruben ihre Toten und |
|
|