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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Münzen, Maße und Gewichte

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1. Münzen

a) Die mittelalterliche Markwährung

b) Die neuzeitliche Guldenwährung

c) Die Mark

d) Der Euro

2. Frühere Maße und Gewichte

 

Vor 1871 gab es in Deutschland weder eine einheitliche Währung noch einheitliche Maße und Gewichte.
Jeder Kleinstaat, jede Reichsstadt hatte ihr eigenes System. Die Namen der Einheiten waren zwar oft dieselben, aber die Kaufkraft der Münzen und die genaue Größe der Maßeinheiten wichen oft beträchtlich voneinander ab.

1. Münzen

Vergleichstabelle der Münzsorten

Maßgeblich für den Wert des Geldes war ursprünglich der Metallwert, ausgedrückt in Gewicht. Als Münzmetalle wurden verwendet Gold, Silber (gebräuchlich für die höheren Werte) und Kupfer (für die niederen Werte).
Anders als heute bei Mark und Pfennig war das Verhältnis der Münzen zueinander nicht festgelegt; die Parität schwankte daher im Laufe der Zeit. Jede Münzsorte war eine Währung für sich, wie aus der  folgenden Tabellen ersichtlich. Aus den Tabellen geht hervor, dass der Kaufkraftschwund des Geldes nicht erst eine moderne Erscheinung ist, sondern dass es so etwas schon immer gegeben hat. Ursachen waren nicht nur produktionsbedingte Preissteigerungen und ein Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage, wie es heute der Fall ist, sondern auch der immer größer werdende Unterschied zwischen Metallpreis und Münzwert. Dies können wir an den beiden folgenden Tabellen beobachten:

Münze

Gewicht

Metallwert

Kaufkraft

Kaufkraft

 

 

 

um 1500

16er Jh.

1981

2004

1 Gulden

2,48 g Gold

85,21 DM

30,00 DM

1 hfl

0,89 DM

- - -

1 Taler

25 g Silber

19,50 DM

45,00 DM

1 US $

2,16 DM

0,78 €

1 Pfund

505,4 g Kupfer

203,30 DM

15,00 DM

1 engl. £

4,66 DM

1,45 €

 

1600

 

1981

 

2004

 

1 g Gold

= 0,4 fl

1 g Gold

= 34,36 DM

1 g Gold

= 10,40 €

 

= 7,0 g Silber

 

= 45,8 g Silber

 

= 59,77 g Silber

 

= 203,8 g Kupfer

 

= 8541,9 g Kupfer

 

= 4094,48 g Kupfer

Zahlen nach Frankfurter Börse 30.04.1981 / 18.03.2004 Ankauf

a) Die mittelalterliche Markwährung

Hier ist ganz deutlich, dass die Münzeinheiten ursprünglich Gewichtseinheiten waren. Die Werte sind keineswegs so einheitlich, wie es aus der folgenden Tabelle hervorzugehen scheint (Tabelle aus Minst, Lorscher Codex 1,12).

Pfund

Gold

libra

lb

Mark

Silber

marca

 

Talent

 

talentum

 

Pfund

Silber

libra

lb

Unze

 

untia

 

Schilling

 

solidus

s

Dreier

 

trimessus

 

Pfennig

 

denarius

d

1

10

12 ½

37 ½

150

250

750

3000

1

1 ¼

3 ¾

15

25

75

300

1

3

12

20

60

240

 

 

1

4

6 ⅔

20

80

 

 

 

1

1 ⅔

5

20

 

 

 

 

1

3

12

 

 

 

 

 

1

4

1

a) Die neuzeitliche Guldenwährung

Die gebräuchlichsten Münzen waren im ganzen Reich:

Gulden (Florin, fl)

Weißpfennig (Albus, alb)

Kreuzer (kr, xr).

Dazu vergleiche die Tabelle.

Da der Gulden und die übrigen Münzsorten im Laufe der Jahrhunderte an Wert verloren hatten und da sie je nach Prägungsort ganz verschiedene Kaufkraft besaßen, herrschte auf dem deutschen Geldmarkt ein Durcheinander sondergleichen.

In Niebergalls "Datterich" 3,4+5 wird der Coburger Groschen erwähnt, der nur noch für die Hälfte seines Nennwerts im Umlauf war, weil die Münze 1838 außer Kurs gesetzt worden war. Datterich benutzt diese Währung, um seine Schulden zu bezahlen: Er habe keine neuen Gulden, und als er den Wein getrunken hätte, habe der Coburger noch gegolten.

b) Die Mark

Erst zum 01.01.1875 wurde im ganzen Reich einheitlich die dezimale Markwährung eingeführt und bei der der Pfennig keine eigene Währung, sondern nur eine Untereinheit der Mark war:

1 Mark = 100 Pfennige.

Dabei wurden 7 fl in 12 M umgetauscht.

Nach dem 1. Weltkrieg und der Inflation wurde die Mark 1923 auf Rentenmark (RM, später Reichsmark gelesen) und diese nach dem 2. Weltkrieg auf Deutsche Mark (DM) umgestellt. Damals wurden

10 RM in 1 DM umgetauscht.

1982 hat die DM wiederum verschiedene Kaufkraft:

1 DM West = 0,24 DM Ost (Stand 06.07.1982)

Nach der Wiedervereinigung (03.10.1990) galt im wiedervereinigten Deutschland die bisherige DM West.

c) Der Euro

Zum 01.01.1999 wurde in Westeuropa der Euro zunächst als Buchwährung und ab 01.01.2002 auch in Münzen und Scheinen eingeführt. Dabei galt:

1 Euro = 100 Cent = 1,95583 DM

2. Maße und Gewichte

Noch weniger einheitlich als die Münzen waren vor 1800 die Maße und Gewichte. Auch sie hatten in weiten Bereichen dieselben Namen, aber wenn es um Kleinigkeiten ging, unterschieden sie sich mitunter von Ort zu Ort. Ja, im Unterschied zu den Münzen, die ja überall im Umlauf waren (wie der Coburger Groschen in Darmstadt), hatten manche Einheiten wie die Flächenmaße örtliche Bedeutung.

Die Einheiten sind teilweise uralt und meist der natürlichen Anschauung entnommen:

Zoll

engl. inch

ein Daumen breit

Fuß

engl. foot

ein Fuß lang

Elle

 

vom Ellenbogen bis zur Spitze des Mittelfingers, schon im Altertum

Klafter

 

Spannweite der Arme

Meile

lat. milia passuum

1000 Doppelschritte

Morgen

 

soviel, wie man an einem Morgen umpflügen kann

In Ergänzung zu der vergleichenden Tabelle seien hier noch einige alte Einheiten genannt:

1 Fuder

6 Ohm
= Wagenladung mit 6 Ohm-Fässern à ca 160 l

1 Sechter

1 Kumpf

1 Unze

2 Lot

1 Jochart

ca. 1 Morgen.

Ungefährmaße (südhessisch)

1 Handvoll

Hámpfel, Hámbel

1 Armvoll

mda. Árvel

1 Mundvoll

mda. Muffel, Mumbel

nicht in Hessen gebräuchlich

1 Tagwerk

34 a

1 Hufe

17 ha

1 Metze

3,4 l

1 Scheffel

= 6 Metzen = 54,9 l

1 Oxthoft

206,2 l

Die französische Revolution räumte mit diesem Durcheinander rigoros auf und führte am 29.11.1800 das übersichtliche metrische Maßsystem ein: 1 m sollte sein der 40millionste Teil des Erdumfangs (nach damaliger Berechnung), 1 l der Inhalt eines Kubikdezimeters und 1 kg das Gewicht von 1 l destilliertem Wasser.

Hessen schloss sich am 10.12.1817 diesem neuen System an, führte aber in weiser Überlegung nicht das Dezimalsystem ein, sondern glich die bisherigen Einheiten den französischen an:

1 Zoll

 

= 2,5 cm

1 Mäßchen

= 1 Schoppen = 32 Kubikzoll

= ½ Liter

1 Lot

= 1 Kubikzoll Wasser

 

1 Pfund

= 3/2 Lot

= 500 g

1 Zentner

= 100 Pfund

= 50 kg.

Weise war diese Regelung, weil die Bevölkerung nicht umlernen musste. Sie wird über die Vereinheitlichung erleichtert gewesen sein und gebrauchte weiterhin die alten Bezeichnungen. Die Grundeinheiten haben sich so bewährt, dass Zoll, Schoppen, Pfund und Zentner auch noch im 19"-Jahrhundert gebraucht wurden.

Auf Grund der internationalen Meterkonvention vom 20.5.1875 wurde das französische System in den meisten Ländern der Erde eingeführt, also auch in Hessen. Damit wurden die alten Maße ungültig, und man musste jetzt aber wirklich umlernen.

Aus dieser Zeit stammt eine nette Anekdote, die ich Lehrer Hechler aus Pfungstadt verdanke:

Der Lehrer übt in der Schule die neuen Maße und fragt: "Wie viel gibt 2 Pfund + 3 ⅓ Fuß?" Betretenes Schweigen in der Klasse. Als sich keiner meldet, rechnet der Lehrer vor:

2 Pfund

= 1 Kilo

3 ⅓ Fuß

= 1 Meter

2 Pfund + 3 ⅓ Fuß

= 1 Kilo-Meter

   

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Übersicht

 

Das metrische Maßsystem

Sprachecke KW48 2016

 

Datum: 1981 / 2005

Aktuell: 24.11.2016