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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Zukunft

Ferienbibelseminar des Ev. Dekanats Reinheim

08.-15.04.1988

Apokalyptisches Bilderbuch

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Siegel

Das Siegel hat zwei Funktionen:

  1. Es verschließt ein Schriftstück gegen unbefugten Gebrauch (entsprechend unseren Plomben). Nur wer dazu befugt ist, darf das Siegel aufbrechen und das Schriftstück eröffnen. Das Buch mit 7 Siegeln [1] ist eine zusammengefaltete Urkunde, um die sieben versiegelte Schnüre gebunden sind, also ein streng geheimes Dokument über den Ablauf der Weltgeschichte. Nur das "Lamm" = Christus ist befugt, die Siegel zu öffnen und damit Schritt für Schritt das im Buch angekündigte Geschehen in Gang zu bringen. Wenn der Seher angewiesen wird, das was die sieben Donner gesagt haben, zu "versiegeln", [2] dann ist das einfach ein bildlicher Ausdruck für "geheim halten, nicht aufschreiben", wie ja auch ausdrücklich erläutert wird. Dagegen soll er das Offenbarungsbuch "nicht versiegeln", [3] d.h. nicht geheim halten: Im Unterschied zu der übrigen apokalyptischen Literatur [4] tut Johannes nicht, als sei seine Prophezeiung wer weiß wie alt, aber bisher jahrhundertelang versiegelt und unter Verschluss gehalten und jetzt erst veröffentlicht worden. Er schreibt stattdessen unter seinem wahren Namen für die Gegenwart. Das Bild von der versiegelten Prophezeiung stammt übrigens aus Jes 8,16: Jesaja merkt, dass seine Weissagungen nicht in nächster Zukunft in Erfüllung gehen werden und vertraut sie daher "versiegelt" seinen Jüngern an, damit man in weiterer Zukunft kontrollieren kann, ob Jesaja recht gehabt hat oder nicht.

  2. * Versiegeln kann man nicht nur Schriftstücke, sondern auch andere Verschlüsse (wie ebenfalls unsere Plomben), z.B. die Klappe über dem Abgrund, in den der Teufel gesperrt wird; [5] vgl. die Versiegelung der Löwengrube [6] und des Grabs Jesu. [7]

Das Siegel zeigt wie unser Stempel ein persönliches Kennzeichen des Siegelinhabers:

  • Es gibt bei versiegelten Briefen zugleich auch den Verfasser an.

  • Es kennzeichnet das persönliche Eigentum des Siegelberechtigten.

Offb 7 werden 144.000 Gläubige mit dem "Siegel des lebendigen Gottes" als Eigentum Gottes gekennzeichnet. Durch dieses Siegel werden sie vor den Plagen der Heuschrecken (5. Posaune) geschützt. [8]

Das Zeichen besteht darin, dass die 144.000 den Namen des "Lammes und seines Vaters" auf ihrer Stirn geschrieben haben. [9] Das "Siegel Gottes" steht im Widerspruch zu dem Zeichen, das sich die Verehrer des widergöttlichen Tieres auf die rechte Hand oder Stirn machen lassen, und das im Namen oder der Kennziffer des Tieres besteht. Dieses Zeichen ist sozusagen der Ausweis, der zur Teilnahme am öffentlichen Leben legitimiert. Die nicht den Namen des Tieres, sondern den Namen Gottes tragen, sind also diskriminiert und werden in ihren Lebensmöglichkeiten beeinträchtigt. Die Versiegelung der Gläubigen, d.h. ihre Kennzeichnung mit dem Eigentumsstempel Gottes, ist übrigens ein altes Bild für die Taufe und die Geistverleihung.

 

 

 

 

 

 

[1] Kap 5

 

 

 

[2] 10,4

 

[3] 22,10

[4] Dan 12,4.9

 

 

 

 

 

 

 

[5] 20,3

[6] Dan 6,18

[7] Mt 27,66

 

 

 

 

 

 

 

[8] 9,4


 

[9] 14,1

 

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Übersicht

 

 

 

Datum: 1988 / 2007

Aktuell: 10.06.2008