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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Grundlagen des Kalenders |
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1. AstronomischesAlle Kalendersysteme beruhen auf vier astronomischen Gegebenheiten: a. Die Rotation der ErdeDie Erde dreht sich innerhalb von 23 Stunden, 56 Minuten und 4,1 Sekunden ≈ 1 Tag einmal um ihre eigene Achse. b. Die MondbahnDer Mond umrundet innerhalb von 27 Tagen, 7 Stunden, 43 Minuten und 11,5 Sekunden einmal die Erde und wechselt dabei zwischen Vollmond, Halbmond und Neumond. Zwischen zwei gleichen Mondphasen liegen 29 Tagen, 12 Stunden, 44 Minuten und 2,8 Sekunden ≈ 1 Monat c. Die ErdbahnDie Erde umrundet innerhalb von 365 Tagen, 5 Stunden, 48 Minuten, 46,08 Sekunden ≈ 1 Jahr einmal die Sonne. d. Die Neigung der ErdachseDie Erdachse neigt sich in einem Winkel von 23°27' zur Erdbahn. Deshalb sind Tage und Nächte unterschiedlich lang und steht die Sonne am Mittag mal höher, mal tiefer am Himmel. In Folge der unterschiedlichen Sonneneinstrahlung im Laufe des Jahres wird es mal wärmer, mal kälter daher die Jahreszeiten. Markante Punkte der Erdbahn bzw. der scheinbaren Sonnenbahn: längste Nacht und kürzester Tag (Wintersonnenwende) am 21. Dezember kürzeste Nach und längster Tag (Sommersonnenwende) am 21. Juni Tag- und Nachtgleiche (Äquinoktium) am 21. März und 23. September. Wichtig scheinen auch die Zwischentermine 4. Februar, 6. Mai, 7. August und 6. November zu sein. 2. SchwierigkeitenJedes Kalendersystem muss sich mit zwei Schwierigkeiten auseinandersetzen: a. die JahreslängeEine Erdumrundung dauert 365,2422 Tage, 12 Mondwechsel dagegen nur 354,367 Tage. Jahr und Monate lassen sich also nur mühsam koordinieren. Man hat dafür drei Lösungen gefunden: i ein reines Mondjahr mit 354 Tagen,das die Jahreszeiten nicht berücksichtigt, so im islamischen Kalender ii ein Sonnenjahr mit 12 Mondzyklen, Ausgleich durch Schaltmonate.Man versucht in diesem Kalender die Mondzyklen, beginnend mit dem Neumond, beizubehalten. Der Ausgleich erfolgt durch Schaltmonate, die in regelmäßigen Abständen eingeführt werden, so im altrömischen, altkeltischen und jüdischen Kalender. iii Ein reines Sonnenjahr, Ausgleich durch SchalttageIm julianischen und gregorianischen Kalender wurde auf eine Koordination mit den Mondzyklen verzichtet. Die Monate haben festgelegte Längen von 31, 30 oder 28 Tagen. Der Ausgleich erfolgt alle vier Jahre durch einen Schalttag. b. die MonatslängeDa ein Mondzyklus 29,5 Tage dauert, wäre die einfachste Möglichkeit, zwischen 29 und 30 Tagen abzuwechseln. Dabei wird aber nicht berücksichtigt, dass Sommer- und Winterhalbjahr wegen der elliptischen Erdbahn nicht gleich lang sind: Sommerhalbjahr: 186 Tage Winterhalbjahr: 179 Tage Die meisten Kalender ordnen daher die langen und kurzen Monate anders an. 3. Fixpunkte im Kalendera. MondphasenIm Alten Testament gelten Neumond und Sabbat als die wichtigsten Termine im Monat. Vielleicht war auch der Sabbat ursprünglich an die Mondphasen gebunden. Wohl erst im Exil hat man den Sabbat davon abgekoppelt und an jedem 7. Tag gefeiert. Das jüdische Pesach wird am Vorabend des 14. Tags des Frühlingsmonats Nisan gefeiert. In dieser Nacht ist immer Vollmond. Ähnlich unser Osterfest am Sonntag nach Pesach. Im altrömischen Kalender waren die Iden (lat. Idūs) in der Monatsmitte, d.h. in den langen Monaten am 15, in den kurzen am 13. Im Kalender von Coligny heißt jeweils der 15. Tag Atenoux, unabhängig von der Monatslänge. Das Auftauchen der neuen Mondsichel nach mehrtägiger Unsichtbarkeit markiert deutlich einen neuen Abschnitt und eignet sich gut zur Definition des Monatsanfangs. Dagegen lässt sich nicht genau sagen, wann Vollmond ist, weil diese Phase mehrere Nächte dauert. Man hat also den Vollmondtermin nicht beobachtet, sondern berechnet. Von daher ist anzunehmen, dass Idus und Atenoux ursprünglich den Vollmondtermin bezeichneten. b. JahreszeitenIn einem Mondkalender lassen sich die Termine der Sonnenbahn nicht definieren, so im jüdischen Kalender. Der Coligny-Kalender dagegen könnte mit Mapanos die Wintersonnenwende markiert haben. Das jüdische Pessach und christliche Ostern fällt nicht auf dem Frühlingstermin, sondern auf den 14. Tag des Frühlingsmonats Nisan bzw. den Sonntag darauf. Ein halbes Jahr später, am 15. Tischri (September / Oktober) ist Sukkot, das Laubhüttenfest, also wieder bei Vollmond. Das jüdische Jahr beginnt heute mit dem 1. Tischri, etwa zur Zeit der Herbst-Tag-und-Nachtgleiche. |
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Datum: 2004 Aktuell: 14.07.2006 |
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