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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Halloween

kein keltisches Fest, sondern altes deutsches Brauchtum

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kein keltisches, sondern ein englisches Fest.

englischer Name

keine heidnischen Überbleibsel

nichts Neues

Maskenumzüge

Kürbis- und Rübenköpfe

Heischegänge

Dieselben Bräuche – verschiedene Termine

 

 

 

 

In den Medien liest man immer wieder: Halloween sei ein irisches Fest, das Auswanderer nach Amerika brachten und von Amerika zu uns zurückkam. Da ist die Rede von der Beziehung zwischen dem katholischen Fest Allerheiligen und dem keltischen Totenfest Samhain oder von der Sage von Jack O'Lantern, dem ruhelosen Geist, an den ein ausgehöhlter Rübenkopf, später Kürbiskopf erinnern soll. Manche Leute fürchten sich allen Ernstes vor dem angeblichen heidnischen Gott Samhain und den finsteren Mächten der Unterwelt, die in furchterregenden Masken dargestellt werden. Die süddeutschen Karnevalsvereine wettern gegen diese Neuerung, die ihnen mit ihrem vorzeitigen Maskentreiben die Show stiehlt.

1. Halloween ist kein keltisches, sondern ein englisches Fest.

a. Das Fest hat keinen keltischen, sondern einen englischen Namen

Dagegen ist zu sagen, dass das Fest einen englischen und keinen irischen Namen trägt: Hallow even = holy evening, der Vorabend vor Allerheiligen.

b. Es gibt keine Überbleibsel aus heidnischer Zeit.

Auch war Samhain kein keltischer Gott, sondern bedeutet wohl "Ende des Sommers" und ist ein Festname wie Fastnacht, Ostern, Weihnacht. Möglich, dass Samhain schon in heidnischer Zeit gefeiert wurde, aber über die vorchristlichen Religionen unserer Vorfahren wissen wir einfach zu wenig. Man kann aus mittelalterlichen irischen und isländischen Sagen kaum vorchristliche Bräuche im antiken Mitteleuropa rekonstruieren. Die Iren wurden vor 1500 Jahren Christen, unsere Vorfahren 2-300 Jahre später. Wie sollen sich ohne pflegende Institutionen ("Kirche", Schule, Vereine) Bräuche über eine so lange Zeit erhalten haben?

2. Es ist eigentlich gar nichts Neues an diesen amerikanischen Bräuchen

a. Maskenumzüge

Nicht gerade der 1.11., sondern der 11.11. (Martinstag) spielt auch im evangelischen Deutschland eine wichtige Rolle (Ende des Landwirtschaftsjahres, Pachttermin, Beginn der dunklen Jahreszeit). Was ist der verkleidete St. Martin hoch zu Ross anderes als eine der vielen verkleideten Gestalten, die im Winter ihren Umzug halten? Noch heute bekannt ist der Nikolaus oder Weihnachtsmann mit seinem schrecklichen Begleiter Pelznickel, Pelzmärtel, Knecht Ruprecht, Krampus oder wie er sonst genannt wird. Kurz darauf machen die heiligen drei Könige ihren Umzug und dann kommt Fastnacht mit seinen verschiedenen Bräuchen und Verkleidungen. Noch vor hundert Jahren zogen schrecklich vermummte Gestalten an verschiedenen Tagen im Dorf herum und stellten auch allerlei Unfug an.

b. Kürbis- und Rübenköpfe

Die Geschichte von Jack O'Lantern, der sich den Himmel verscherzte und Tod und Teufel verärgerte, steht auch im deutschen Märchenbuch: "Der Schmied von Jüterborg" bei Bechstein. Nur dass da kein Rübenkopf vorkommt. Rübenköpfe mit Kerzenbeleuchtung gab's bei uns früher auch. Was sind die Papierlaternen am Martinstags anderes als verbesserte Rüben- oder Kürbisköpfe?

c. "Heischegänge"

Auch "Trick and Treat – Äpfel oder Streiche – Süßes oder Saures" ist nichts Neues, erinnert es doch an die verschiedenen "Heischegänge"  früherer Zeiten, wo Gruppen durchs Dorf zogen, Lieder sangen und gute Wünsche vortrugen und sich mit Lebensmitteln beschenken ließen, ähnlich wie heute noch bei den katholischen Drei-Königs-Umzügen.

3. Dieselben Bräuche – verschiedene Termine

In den angelsächsischen Ländern haben sich diese Bräuche auf Allerheiligen konzentriert. In Deutschland spielt der Martinstag eine größere Rolle. Allerheiligen war bei uns wohl nie mehr gewesen als der katholische Totengedenktag ohne außerkirchliches Brauchtum. Der fränkische Heilige Martin steht zwar auch im anglikanischen Heiligenkalender, scheint aber dort nur eine geringe Rolle  zu spielen.

Ich sehe also wenig Zusammenhänge zwischen den mir bekannten Halloweenbräuchen und dem irischen Allerheiligenfest Samhain. Den Rübenkopf könnten auch deutsche Auswanderer nach Amerika gebracht haben und die Umzugs- und Maskenbräuche sind wohl allgemein europäisch und nicht typisch irisch oder gar keltisch.

   

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Übersicht

 

Seriöse Informationen über Halloween
Sprachecke 25.10.2005 | 18.10.2011

 

Datum: 2003 / 2006

Aktuell: 26.03.2016