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Biblische
Geschichte
Jerusalem
Bethlehem
Flucht
Kindermord
Rückkehr
Nazareth
Absicht der Erzählung
Magier
Stern
Geschenke
Kindermord
Flucht nach Ägypten
Hebräer-evangelium
Weiterentwicklung in der
Legende
Anzahl
Namen
Könige
Herkunft
Fest
Reliquien
Köln
Persien |
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Ich habe den griechischen Text nicht nur frei,
sondern auch wortgetreu übersetzt, weil dadurch einige sprachliche
Besonderheiten des Urtextes besser zur Geltung kommen.
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Wortgetreue Übersetzung |
Freie Übersetzung |
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Jerusalem |
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1 Nach der Geburt Jesu in
Bethlehem von Judäa in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da trafen
Magier aus dem Osten in Jerusalem ein 2 und sprachen: „Wo ist der
[neu] geborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Osten
gesehen und sind gekommen, um uns vor ihm niederzuwerfen.“ 3 [Dies]
hörend aber regte sich der König Herodes auf und ganz Jerusalem mit
ihm, 4 und versammelnd alle Priesterfürsten und Schriftgelehrten des
Volkes erforschte er von ihnen, wo der Messias geboren werden sollte.
5 Sie aber sprachen zu ihm: „In Bethlehem von Judäa, denn so steht
geschrieben durch den Propheten: 6 »Und du Bethlehem des Landes Juda,
bist keineswegs die geringste unter den Führenden Judas, denn aus dir
soll ein Führender herauskommen, der mein Volk Israel weidet.«“ |
1 Als Jesus geboren war im
judäischen Bethlehem zur Zeit des Königs Herodes, kamen persische
Priester aus dem Ostern nach Jerusalem 2 und sprachen: „Wo ist der neu
geborene König der Juden? Wir haben nämlich seinen Stern im Osten
gesehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. 3 Als aber der König
Herodes das hörte, geriet er in helle Aufregung und mit ihm ganz
Jerusalem. 4 Er ließ alle Oberpriester und Schriftgelehrten des Volkes
zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren
werden sollte. 5 Sie aber sprachen: „Im judäischen Bethlehem, denn so
steht bei den Propheten geschrieben. »Und du, Bethlehem im Land Juda,
bist mitnichten die geringste unter den Hauptstädten von Juda, denn
aus dir soll hervorgehen ein Anführer, der mein Volk Israel weiden
wird,« |
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Bethlehem |
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7 Da ermittelte er, die Magier
heimlich rufend, von ihnen genau die Zeit des Erscheinens des Sterns,
8 und schickte sie nach Bethlehem, sprechend: „Geht hin und erkundigt
euch genau über das Kindlein; wenn ihr es aber gefunden habt, meldet
es mir, dass auch ich komme und mich ihm unterwerfe.“ 9 Die aber,
[das vom] König hörend, gingen hin, und siehe der Stern, den sie im
Osten gesehen hatten, zog ihnen voran, bis er ankommend stehen blieb
oben drüber, wo das Kindlein war. 10 Den Stern aber sehend freuten sie
sich mit sehr großer Freude.11 Und in das Haus kommend sahen sie das
Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und niederfallend unterwarfen sie
ihm, und ihre Schätze öffnend brachten sie ihm Gaben dar,
Gold und Weihrauch und Myrrhe. 12 Und im Traum durch Orakel
angewiesen, nicht zu Herodes abzubiegen, wanderten sie auf einem
anderen Weg in ihr Heimatland heim. |
7 Da rief er die Perser
heimlich zu sich und fragte sie, wann genau der Stern erschienen wäre,
und sagte: „Geht hin und forscht genau nach diesem Kind, und wenn
ihr’s gefunden habt, dann gebt mir Bescheid, damit ich auch kommen und
ihm meine Huldigung erweisen kann.“ 9 Als sie nun den König angehört
hatten, machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie im Osten
gesehen hatten, zog ihnen voran, bis er über dem Ort stehen blieb, wo das Kind
war. 10 Als sie den Stern wieder sahen,
freuten sie sich sehr, 11 gingen in das Haus und sahen das Kind und
seine Mutter Maria. Da fielen sie nieder, huldigten ihm, öffneten ihre
Schatztruhen und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben
dar. 12 Im Traum erhielten sie die Weisung, nicht wieder zu Herodes
zurückzugehen. So reisten sie auf einem anderen Weg in ihr Land
zurück. |
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Flucht |
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13 Während ihrer Heimwanderung
aber, siehe ein Bote des Herrn erscheint im Traum dem Josef,
sprechend: „Aufgestanden, nimm das Kindlein und seine Mutter bei
[dich] und fliehe nach Ägypten und sei dort, bis ich dir’s sagen
werde. Denn Herodes ist dabei, das Kindlein zu suchen um es zu
vernichten. 14 Der aber aufstehend nahm das Kindlein und seine Mutter
bei Nacht bei [sich] und wanderte aus nach Ägypten 15 und war dort bis
zum Verscheiden des Herodes, damit in Erfüllung ging das vom Herrn
durch den Propheten Gesagte, sprechend: »Aus Ägypten habe ich meinen
Sohn gerufen.« |
13 Während sie nach Hause
reisten, erschien dem Josef ein Engel des Herrn im Traum. Der sprach:
„Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, fliehe nach Ägypten und
bleibe dort, bis ich dir’s sage. Denn Herodes ist dabei, das Kind zu suchen und
zu töten. 14 Josef stand auf, nahm das Kind und seine Mutter in der Nacht
und zog nach Ägypten. 15 Dort blieb er, bis Herodes gestorben war.
Damit wurde ein Prophetenwort des Herrn erfüllt: »Aus Ägypten habe ich
meinen Sohn gerufen.« |
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Kindermord |
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16 Da erzürnte Herodes sehr,
sehend, dass er von den Magiern betrogen worden war, und sandte
umzubringen alle Kindlein in Bethlehem und dieser ganzen Gegend vom
zweiten Lebensjahr und darunter, nach der Zeit, die er von den Magiern
genau ermittelt hatte. 17 Da ging in Erfüllung das durch den Propheten
gesagte, sprechend: 18 »Eine Stimme wurde in Rama gehört, Weinen und
viel Wehklagen, Rahel weinend um ihre Kinder, und sie wollte sich
nicht trösten lassen, denn sie sind nicht mehr.« |
16 Als Herodes merkte, dass ihn
die Perser betrogen hatten, gab er den Befehl, alle Kinder in
Bethlehem und Umgebung umzubringen, die zwei Jahre alt und jünger
waren. Die Zeit hatte er ja von den Persern erfahren. 17 Damit ging
das Prophetenwort in Erfüllung: »Lautes Geschrei wurde in Rama gehört,
Weinen und viel Wehklagen. Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich
nicht trösten lassen, denn sie waren dahin.“ |
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Rückkehr |
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19 Nach dem Verscheiden des
Herodes aber, siehe der Bote des Herrn erscheint dem Josef in Ägypten,
20 sprechend: „Aufgestanden, nimm das Kindlein und seine Mutter bei
[dich] und ziehe in das Land Israel. Denn gestorben sind die das Leben
des Kindleins Suchenden. 21 Er aber, aufgestanden, nahm das Kindlein
und seine Mutter und kam ins Land Israel.. |
19 Als aber Herodes tot war, da
erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum 20 und sagte: „Steh
auf, nimm das Kind und seine Mutter und kehre zurück ins Land Israel.
Denn die sind tot, die nach dem Leben des Kindes getrachtet haben. 21
Da stand er auf, nahm das Kind und seine Mutter und gelangte ins Land
Israel. |
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Nazareth |
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22 Aber hörend, dass Archelaus
König sei von Judäa anstelle seines Vaters Herodes, fürchtete er sch,
dorthin zu kommen. Und im Traum durch Orakel angewiesen zog er in den
Bezirk von Galiläa 23 und kommend wohnte er in einer Stadt, genannt
Nazareth, damit in Erfüllung ging das durch den Propheten Gesagte,
dass er Nazoräer genannt werden solle |
22 Als er aber hörte, dass
Archelaus König geworden sei anstelle seines Vaters Herodes, bekam er
Angst, nach Judäa zu gehen. Auf Anweisung eines Traums zog er in den
Landkreis Galiläa und ließ sich dort in einer Stadt namens Nazareth
nieder. Damit ging das Prophetenwort in Erfüllung, dass er Nazoräer
genannt werden solle. |
Matthäus und Lukas erzählen unabhängig voneinander,
wie Jesus geboren wurde:
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Lukas: Ein Engel kündigt der Maria die
Jungfrauengeburt an. Die Eltern Jesu wohnen in Nazareth und sind nur wegen
der Steuerschätzung vorübergehend in Bethlehem, wo Jesus geboren wurde.
Ein Engel teilt den Hirten auf dem Feld mit, dass der Heiland geboren sei.
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Matthäus: Ein Engel kündigt dem Josef die
Jungfrauengeburt an. Die Eltern Jesu wohnen in Bethlehem. Dort wird Jesus
geboren. Persische Priester erkennen an einem Stern, dass ein König der
Juden geboren wurde und fragen sich durch nach Bethlehem. Weil der König
Herodes den vermeintlichen Konkurrenten umbringen will, muss Josef mit
seiner Familie nach Ägypten fliehen. Er kann zwar nach dem Tod des Herodes
zurückkehren, wagt sich aber nicht mehr nach Judäa und zieht daher nach
Nazareth in Galiläa.
Beide Darstellungen lassen sich nicht
harmonisieren. Trotzdem gibt es in den Grundaussagen auffallende
Gemeinsamkeiten:
-
Ein Engel kündigt die Jungfrauengeburt an.
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Jesus ist zwar in Nazareth aufgewachsen,
aber in Bethlehem geboren.
-
Im Hintergrund agieren zwei Monarchen:
Augustus und Herodes.
-
Durch eine Himmelserscheinung (Stern bzw.
leuchtender Engel) werden zwei Menschengruppen (Magier, Hirten) auf die
Geburt Jesu aufmerksam. Beide besuchen das neu geborene Kind.
Matthäus ist im Unterschied zu Lukas kein
Historiker, sondern Schriftgelehrter. Ihm liegt gerade am Anfang seines
Evangeliums viel daran zu zeigen, dass Jesu Geburt ein wichtiger
Meilenstein in der Heilsgeschichte ist, angekündigt durch Weissagungen im
Alten Testament. Matthäus fragt nicht danach, was damals tatsächlich
geschehen ist, sondern er bemüht sich, die überlieferten Daten zu deuten
und innerbiblische Zusammenhänge aufzuzeigen.
Die Magier waren die Priesterkaste im Iran und
übten sich in allerlei Weisheit und Kunst ,
u.a. der Astrologie. Sie waren nicht nur im eigentlichen Iran tätig,
sondern im ganzen Orient verbreitet und galten bereits zur Zeit Jesu als
Zauberer, Scharlatane und Betrüger.
Luther hat nach mittelalterlichem Vorbild diesen
fremden Namen mit „Weise“ verdeutlicht und das Wort für „Osten“ als
„Morgenland“ wiedergegeben.
Von den Magiern wurde der Mithraskult im römischen
Reich verbreitet. Von Mithras, dem Sonnengott, erzählt man, dass er
in einem Stein geboren und von Hirten gefunden und aufgezogen wurde.
Der Mithraskult ist etwa gleichzeitig mit dem Christentum entstanden und
war dessen schärfster Konkurrent. Beide Religionen haben viele
Gemeinsamkeiten, nicht nur in den Geburtsgeschichten. Es ist genauso
denkbar, dass Mithras Elemente von Christus übernommen hat, wie umgekehrt.
Sicher ist jedenfalls, dass der Weihnachtstermin am 25. Dezember
ursprünglich in Rom der Feiertag des Sol Invictus ‚der unbesiegten Sonne’
= Mithras gewesen ist.
Wenn Matthäus die Sterndeuter erfunden hätte, hätte
er nach biblischer Tradition wohl eher „Chaldäer“ geschrieben oder „Könige“.
Die Magier können also nicht aus dem Alten Testament erschlossen sein,
sondern es muss ein historischer Hintergrund vorliegen.
Als historisches Vorbild des Magierbesuchs wird in
vielen Kommentaren eine Romreise des parthischen Edelmanns Tiridates,
eines Magiers, genannt. Er kam 66 n. Chr. mit großem Pomp nach Rom, wo er
dem Kaiser Nero huldigte und von ihm die armenische Krone empfing. Bei der
Planung seiner Reise
haben anscheinend auch astrologische Beobachtungen eine Rolle gespielt.
Auch in der Geschichte von den Weisen aus dem
Morgenland kommen Magier, um einem König zu huldigen. Aber es handelt sich
hier doch nicht um einen König mit Gefolge, der zum Vasallenkönig gekrönt
werden will, sondern um Astrologen, die aus ihren Beobachtungen die
Konsequenzen ziehen. Nicht ein Magierkönig will in seinem Amt bestätigt
werden, sondern die Weisen bestätigen den neu geborenen König der Juden
und unterwerfen sich ihm. Das ist eher zu vergleichen mit
alttestamentlichen Geschichten, in denen ein Prophet jemand zum König
salbt (z.B. Samuel den Saul und den David).
Der Staatsbesuch der Tiridates kann also nicht der Anlass gewesen sein,
die Geschichte von den Weisen zu erzählen. Er war allenfalls
Anschauungsmaterial, das Matthäus aber nicht genutzt hat: Er schmückt den
Besuch der Magier ja nicht aus, indem er ihre Kleidung oder ihr Gefolge
beschreibt.
Außer dem Stichwort "Magierbesuch beim Monarchen" sehe ich also keine
Gemeinsamkeiten zwischen beiden Geschichten.
Das Wort Osten kann sowohl die Heimat der
Magier als auch die Himmelsgegend bezeichnen, in der sie den Stern zuerst
gesehen hatten. Als sie dann dach Bethlehem gingen, stand der Stern im
Südwesten. Sie gingen direkt darauf zu, so dass der Stern scheinbar vor
ihnen her zog. In dem Ort selbst stand er dann über dem „Haus“, in dem sie
fündig wurden. Die merkwürdige Ausdrucksweise „er zog vor ihnen her“
zeigt, dass Matthäus von Sternen keine Ahnung hatte.
Eine beliebte Deutung
vermutet, dass der „Stern von Bethlehem“ kein Einzelstern (etwa Komet oder
Supernova) war, sondern eine dreimalige Konjunktion der Planeten Jupiter
und Saturn: Im Jahr 7 v. Chr. standen diese beiden
Planeten dreimal ganz nahe zusammen, u. zw. im Sternbild der Fische. Es
war allerdings nichts so, dass man die beiden für einen Stern hätte halten
können. Für Astronomen der damaligen Zeit war das
alles kein Wunder, sondern voraussehbar und vorausberechenbar. Derlei
Sternkonstellationen wiederholen sich auch in regelmäßigen Abständen.
Wie aber kamen die Weisen auf ihre Deutung? Jupiter
(in Babylonien Marduk) war der oberste Gott, also der „König“.
Saturn galt als Stern der Juden (Sabbat = englisch Saturday) und
des Westens. Die Fische leben im Meer = Mittelmeer im Westen. Der Osten
ist die Himmelsrichtung, in der alle Sterne aufgehen. Daraus könnte man
schließen: Im Westen wurde ein bedeutender König bzw. ein König der Juden
geboren. Durch die so genannte Präzession der Erdachse
wanderte der Frühlingspunkt um die Zeitenwende vom Sternbild des Widders
in das der Fische. Man hätte also auch daraus schließen können, dass
dieser König nicht irgendeiner war, sondern der Herrscher des neuen
Zeitalters, in jüdischer Sicht also der Messias.
Dies alles klingt
einleuchtend. Aber das sind neuzeitliche Spekulationen. Wir wissen nicht,
von welchem Himmelsereignis die Rede ist. Matthäus spricht nur von einem
„Stern“ und nicht von einem „Sternbild“. Wir wissen auch nicht, wie antike
Astrologen diese Sternkonstellation gedeutet hätten.
Der Stern kann nicht
aus dem Alten Testament erschlossen sein. Denn Matthäus weist gerade am
Anfang seines Evangeliums immer wieder darauf hin, dass diese oder jene
Einzelheit schon in den heiligen Schriften geweissagt sei. Auch hier hätte
sich eine Weissagung angeboten, auf die Matthäus aber nicht eingeht:
4. Mose 24,17 Es wird
ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen.
Matthäus wird also auf eine Überlieferung
zurückgegriffen haben, deren Inhalt wir nicht kennen.
Es hat sich schon mancher Krippenspielautor gefragt,
warum denn den Weisen kein praktischeres Geschenk als Mitbringsel
eingefallen ist als Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Bei den beiden letzten handelt es sich um kostbare
Harze von Bäumen, die nur in Arabien wachsen. Weihrauch dient heute noch
in der katholischen Kirche zum Räuchern, Myrrhe enthält antiseptische
Substanzen und wird heute noch in der Medizin verwendet.
Die Formulierung Mt 2,12 (Luther: sie schenkten
ihm) bedeutet eigentlich: „Sie brachten ihm Gaben dar“. Dieselbe
Formulierung bezeichnet in Mt 5,23 das Darbringen von Opfergaben.
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Die „Goldene Legende“ (12er-Jahrhundert)
deutet die drei Geschenke folgendermaßen: Gold ist der Tribut, den man
Königen bringt. – Weihrauch opfert man Gott. – Myrrhe diente auch zur
Einbalsamierung. Damit soll also gesagt werden: Der „König der Juden“
(Gold) war wahrer Gott (Weihrauch) und wahrer Mensch (Myrrhe).
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Nach
Marco Polo hätten die Magier mit ihren Gaben testen wollen, wer dieser
„Prophet“ sei, den sie suchten: Wenn er ein König wäre, hätte er das Gold
genommen, wenn ein Gott, den Weihrauch, wenn ein Heiler, die Myrrhe. Das
Jesuskind nahm aber alle drei Gaben.
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Die „Gesta Romanorum“
deuten die Geschenke symbolisch: Gold = Weisheit, Weihrauch = Frömmigkeit,
Myrrhe = Selbstbeherrschung.
Kaiser Augustus, der Herodes seinen Freund nannte,
soll gesagt haben: „Ich möchte lieber dem Herodes seine Sau als sein Sohn
sein“ (Wortspiel). Für den jüdischen König mussten keine Schweine das
Leben lassen, weil er kein Schweinefleisch essen durfte. Aber seine
eigenen Söhne, seine Lieblingsfrau und viele andere opferte er der
Staatsraison. Sein Biograph Josephus erzählt viele Schauergeschichten
darüber. Von einem Kindermord vermelden die Quellen aber nichts. Viele
Theologen glauben also die Geschichte nicht.
Dass ein skrupelloser Machtmensch seine Konkurrenz
ausschaltet und auch vor einem Kindermord nicht zurückschreckt, ist nicht
ungewöhnlich. Das zeigt folgender Zeitungsartikel:
Todesurteil für Bokassas Schwiegersohn
BANGUI
(ap) Der Schwiegersohn des im vergangenen Jahr gestürzten Herrschers des
früheren zentralafrikanischen Kaiserreiches Jean Bedel Bokassa ist am
Montag von einem Volkstribunal in Bangui des Mordes an einem
Neugeborenen für schuldig befunden und zum Tode verurteilt worden. ...
Wie es hieß, war das Baby – der Sohn eines vom Kaiser exekutierten
Offiziers – auf Geheiß Bokassas umgebracht worden, der sich vor der
späteren Rache des Kindes fürchtete.
Darmstädter Echo 20.02.1980
Unwahrscheinlich ist also der Kindermord oder
wenigstens der Versuch, Jesus schon als Baby umzubringen, nicht.
Dazu ist aber noch etwas anderes zu bedenken: Zur
klassischen Biographie einiger großer Männer gehörte, dass ein böser König
versuchte, sie gleich nach der Geburt zu töten, so z.B. bei Mose („Alle
neu geborenen Hebräerjungen sollen in den Nil geworfen werden“) und
Romulus und Remus.
Besonders aufschlussreich ist die Geschichte des
indischen Halbgottes Krishna:
Der böse König Kansa
tötet die Kinder seiner Schwester Dewaki, weil ihm geweissagt wurde, ihr
8. Kind würde ihm den Tod bringen. Der neugeborene Krishna, eine
Inkarnation des Gottes Vishnu, wird aber in Sicherheit gebracht und mit
einem kleinen Mädchen vertauscht, das eine Verkörperung der Göttin Maya
war. Da Kansa die Göttin nicht töten kann, schickt er eine Dämonin, die
alle kleinen Kinder umbringt – außer Krishna, welcher der Unholdin so
heftig in die Brust beißt, dass sie stirbt. Krishna wächst also in einer
Pflegefamilie auf. Seine Spielkameraden waren die Kinder von Hirten. (!)
Schon seit Jahrhunderten lebten in Ägypten viele
Juden. Eine starke jüdische Kolonie gab es in Alexandria. Dort wurde die
hebräische Bibel ins Griechische übersetzt. Griechisch und nicht Ägyptisch
(Koptisch) war damals die Sprache der Gebildeten auch in Ägypten. Anders
als die Juden in Mesopotamien und im Heiligen Land waren die ägyptischen
Juden der griechischen Denk- und Lebensart (Hellenismus) gegenüber
aufgeschlossen. Die Vorschriften der Thora lassen sich in einer fremden
Umgebung nur dadurch halten, dass man sich gegenüber fremde Einflüsse
abkapselt (so in Mesopotamien und später in Osteuropa). Die ägyptischen
Juden wählten dagegen einen anderen Weg, versuchten die Thora symbolisch
zu deuten und entwickelten so eine eigene Theologie.
Jesus könnte mit seiner liberalen Haltung davon
beeinflusst gewesen sein. Vielleicht hat Josef einiges von den ägyptischen
Juden gelernt und an Jesus weiter vermittelt. Das ist natürlich kein
Beweis, dass er als Kleinkind in Ägypten war. Aber unwahrscheinlich ist
die Flucht nach Ägypten nicht.
2. Die Darstellung des
Hebräerevangeliums (nach 100)
»Denn so berichtet das
Evangelium, das „nach den Hebräern“ betitelt ist:
Als Joseph mit seinen
Augen hinblickte, sah er eine Menge Wanderer, die zur Höhle kamen, und
sagte: Ich will aufstehen und hinaus ihnen entgegen gehen. Als Joseph aber
hinausgegangen war, sagte er zu Simon: Mir scheint es, als ob die
Kommenden Wahrsager seien; denn siehe, jeden Augenblick schauen sie zum
Himmel auf und unterreden sich untereinander. Aber sie scheinen auch
Fremde zu sein, da ihr Aussehen sich von unserem unterscheidet; denn ihre
Kleidung ist sehr reich und ihre Hautfarbe ganz dunkel, sie haben Mützen
auf dem Kopf und ihre Gewänder scheinen mir weich zu sein und an den
Beinen haben sie Beinkleider. Und siehe, sie sind stehen geblieben und
schauen mich an und siehe, sie haben sich wieder in Bewegung gesetzt und
kommen hierher.
Aus diesen Worten geht
klar hervor, dass nicht nur drei Männer, sondern eine Menge Wanderer zum
Herrn gekommen sind, wenn auch nach einigen Autoren die vornehmsten Führer
dieser Schar mit bestimmten Namen Melchus,
Kaspar,
Pharizarda
benannt werden.«
Sedulius Scottus, Matthäuskommentar (Handschrift 8er-Jh.)
Sedulius Scottus legt also Wert darauf, dass es eine
unbestimmte Menge von Magiern war, obwohl er bereits die Zahl drei und
drei Namen kennt.
Aus dem Zitat geht hervor, dass man sich die Magier
in der damaligen persischen Tracht mit phrygischer Zipfelmütze,
mantelartigem Gewand und Hosen vorstellte. So werden sie auch auf alten
Bildern dargestellt.
Sehr bald dachte man allerdings, es habe sich um drei
Männer gehandelt, welche die drei Gaben darbrachten. Es waren nicht nur
die drei Gaben. welche die Legendenerzähler auf diese Zahl brachten.
Sondern die Drei ist eine symbolische Zahl, die sich in vielen
volkstümlichen Erzählungen findet.
Die „Goldene Legende“ nennt drei Namensreihen:
Die „hebräischen“ Namen sehen aber eher
griechisch aus und umgekehrt. Die „lateinischen“ sind verschiedenen
Ursprungs: Caspar ist persisch,
Melchior westsemitisch und
Balthasar ostsemitisch. Wahrscheinlich meint also der Verfasser
Jacobus von Voragine, dass diese Namen in der orientalischen, griechischen
und lateinischen Kirche gebräuchlich sind.
Weitere Namen:
-
syrisch:
Larvandad,
Hormisdas,
Gushnasaph
-
armenisch:
Kagba,
Badadilma
Dass die volkstümliche Überlieferung aus den Magiern
Könige gemacht hat,
ist ein nahe liegender Gedanke. Sie suchen ja den neu geborenen „König der
Juden“. Ihre „Geschenke“ und ihre „Anbetung“ (eigentlich: sie warfen sich
vor Jesus nieder) bekommen dann eine ganz andere Bedeutung: Die Könige
fremder Völker unterwerfen sich dem „König der Juden“ und bringen ihm
Tribut, wie das bei unterworfenen Königen üblich war. Dem damaligen
regierenden Staatsoberhaupt der Juden fiel dagegen nichts anderes ein als
Mord.
Damit gehen nicht nur Verheißungen wie Jes 60,3; Ps
72,10 u.a. in Erfüllung, sondern es wird auch vorweggenommen, dass am Ende
nicht Israel, sondern die anderen Nationen zum Glauben an Jesus fanden.
Ursprünglich kamen die Magier ja aus dem Iran und
werden schon im Hebräerevangelium mit der iranischen Tracht beschrieben.
Nach einer apokryphen
armenischen Kindheitsgeschichte (um 500) soll Melkon aus
Persien, Gaspar aus Indien und
Balthassar aus Arabien
stammen. – Wie die Herkunft der Namen zeigt, dachte man aber ursprünglich
wohl, die Drei wären alle als Mesopotamien gekommen, wo Ostsemiten (Balthasar),
Westsemiten (Melchior) und Perser (Kaspar) lebten.
Nach
Marco Polo stammten die Magier aus Saba ,
Ava und Cashan .
Seit dem 11er-Jahrhundert verkörpern die Magier in
der Kunst die drei Lebensalter
[10];
seit 1300 ist der Jüngste ein Mohr. Von daher konnte man sie auch
verstehen als Repräsentanten der drei bekannten Erdteile Vorderasien,
Europa und Afrika.
Dass man gerade Kaspar mit dem Mohren identifizierte,
kann damit zusammenhängen, dass ja tatsächlich einmal ein schwarzer
Finanzminister nach Jerusalem kam, um dort zu beten (Apostelgeschichte
8,26-40).
Matthäus rechnet damit, dass Jesus schon über ein
Jahr alt war, als die Magier zu Besuch kamen (Mt 2,16).
Später hat man den 6. Januar, also
den 13. Tag nach der
Geburt, als Gedenktag an die „heiligen drei Könige“ festgelegt. Dieser Tag
galt ursprünglich als Tauftag Jesu, auch als Tag des Weinwunders von Kana
(Joh 2) und der Speisung der 5000 und heißt griech. Theophanía
‚Erscheinung Gottes’. Auf Lateinisch heißt der Tag Epiphanias
‚Erscheinungsfest’.
Nach einer frühen Legende wurden die drei Magier
durch den Apostel Thomas getauft und zu Bischöfen geweiht. Sie sollen kurz
hintereinander nach dem Weihnachtsfest im Jahr 54 gestorben sein.
Helena, die Mutter von Kaiser Konstantin, machte um
325 eine Pilgerfahrt ins Heilige Land, wo sie u.a. die Geburts- und
Grabeskirche bauen ließ und die Kreuzesreliquien fand. Sie interessierte
sich auch für die dortigen Märtyrer und ließ u.a. die Gebeine dreier
Männer von unterschiedlichen Orten nach Konstantinopel schaffen, die man
für die Reliquien der drei Könige hielt.
Von dort sollen sie nach Mailand gekommen sein. Die
Vita Eustorgii (um 1200) macht darüber widersprüchliche Aussagen:
Einerseits sollen diese Reliquien noch bis zur Zeit Kaiser Manuels
(1143-1180) in Konstantinopel gewesen sein – andrerseits habe dieser
Kaiser (!) sie bereits 800 Jahre früher dem heiligen Eustorgius geschenkt,
der 344-50 Bischof von Mailand war.
An anderer Stelle wird dagegen berichtet, die Gebeine
der Magier seien 1158 in einem steinernen Sarkophag in der Kapelle St.
Eustorgio außerhalb von Mailand entdeckt und aus Furcht vor einem
drohenden Krieg in die Stadt überführt worden. Man wird ihre Grablegung
also auf den berühmten Eustorgius zurückgeführt haben, in dessen Zeit
Mailand die römische Hauptstadt war. Da dieser Bischof also Beziehungen
zum Kaiserhaus hatte, wird man vermutet haben, dass diese Reliquien von
Helena in Palästina gefunden worden waren.
In den folgenden Jahren wurde Mailand in einen Krieg
mit Kaiser Friedrich I. verwickelt.
Am 11.6.1164 schenkte der Kaiser seinem
Reichskanzler, dem Kölner Erzbischof Reinald von Dassel die Gebeine der
Weisen. Dieser ließ sie nach Köln überführen und am 23.07.1164 im Kölner
Dom beisetzen. Nach mittelalterlichen Augenzeugen und einer Untersuchung
vom Jahr 1864 waren es Knochen von drei Männern in
verschiedenem Alter.
Eine Untersuchung von 1981 ergab, dass der Stoff, in
den die Überreste der Drei eingeschlagen ist, nach der Webart in der
Kaiserzeit im Orient angefertigt wurde. Es handelt sich um ein sehr
kostbares Material aus Damast mit Gold und Purpur, das wahrscheinlich in
einer kaiserlichen Werkstatt hergestellt wurde.
{Web}
Hundert Jahre später will Marco Polo auf seiner Reise
nach China in der persischen Stadt Cala Ataperistan die Gräber der drei
Magier gesehen haben. Dort erzählte man folgende Legende:
Als Dank für die drei
Gaben habe das Jesuskind den Weisen ein Kästchen mitgegeben. Nachdem
sie schon etliche Tage geritten waren, konnten sie ihre Neugier nicht mehr
bezähmen und öffneten das Kästchen. Ein Stein lag darin. Das kam ihnen gar
seltsam vor, sie wussten nicht, was es bedeutete. … Die Könige nahmen den
Stein aus dem Kästchen und warfen ihn in einen Brunnen, denn sie hatten
seine Bedeutung nicht begriffen. Kaum war der Stein in den Schacht
gefallen, da stürzte ein helles Feuer vom Himmel in die Brunnentiefe. Die
drei erstarrten ob der wunderbaren Erscheinung. Sie bereuten ihr
unüberlegtes Tun, nahmen etwas von diesem Feuer mit nach Hause und
begründeten die Religion der Feueranbeter.
Grundlage dieser Legende scheint die Beobachtung
eines Meteoriteneinschlags zu sein, der wohl auch zur Legende von der
Geburt des Sonnengotts
Mithras in einem Stein geführt hat.
Die Frage ist, was der Katholik Marco Polo von dieser
zoroastrischen Legende wirklich verstanden hat. Vielleicht wollte man ihm,
dem Andersgläubigen, die Geschichte nahe bringen, indem man sie mit
christlichen Elementen verband. Merkwürdig ist schon, dass der Venezianer
100 Jahre nach der Überführung der Reliquien nach Köln so etwas erzählen
konnte. Hatte er nichts von Köln gewusst? Oder wollte er beweisen, dass alles
ganz anders war? Da die Magier doch eher in Persien als im Heiligen Land
gestorben sind, sollte man annehmen, dass Marco Polo die echten Gräber
gesehen hat – wenn es die drei Könige überhaupt gab.
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Dreikönig drei Könige
heilige drei Könige
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