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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die Wahrheit über die Nibelungen

In dankbarer Erinnerung an

meinen Deutschlehrer, OStR Albert Keller

Harro Unbehauen, der mich zu dieser Arbeit inspiriert hat.

Auf Ihre Fragen antworte ich gern. Email

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Vorwort
Die Story
Überlieferungsgeschichte
Der Verfasser des Nibelungenlieds
Personen und Sachen
   Historische Parallelen
   Stoffgeschichte
Schauplätze
Historischer Hintergrund der Sage
            Frühe Geschichte der Burgunder
      Brünhild
      Gunther
      Siegfried
      Die Schwester
      Etzel
      Der Untergang der Brüder
     
Die Völkerschlacht

Das dramaturgische Problem der Sage
 

A. Vorwort

Die mir bekannte Literatur zum Nibelungenlied hat sich auf drei Fachrichtungen spezialisiert:

1. literaturwissenschaftlich

Diese Untersuchungen beschäftigen sich mit der Entstehung des Nibelungenlieds und der nordischen Parallelüberlieferung.

2. geographisch-archäologisch

Einige Forscher sind den geographischen Angaben nachgegangen und haben in Burgund, am Rhein und an der Donau die entsprechenden Orte oder Objekte ausfindig zu machen versucht. Manchmal waren es auch glühende Lokalpatrioten, die beweisen wollten, dass bestimmte Episoden in ihrer Heimat stattfanden. So kam es z.B. zu den verschiedenen Siegfriedsquellen im Odenwald.

3. historisch

Wieder andere gehen von der überlieferten Geschichte aus, suchen nach Vorbildern für die Sage und fragen nach dem Verfasser.

Alle Versuche mussten eigentlich scheitern, weil jeder zu stark auf sein Fachgebiet fixiert war. Die Geographen und Historiker kümmern sich kaum um die Ergebnisse der literaturwissenschaftlichen Forschung; die Germanisten wiederum haben wenig Ahnung von den historischen Überlieferungen und interessieren sich kaum für die Versuche, die Orte zu lokalisieren.
Einen Fortschritt kann eigentlich nur ein Versuch bringen, alle Aspekte zu beachten.

B. Die Story

Eine Synopse der Nibelungenüberlieferung zeigt Übereinstimmungen und Unterschiede in den Darstellungen von Nibelungenlied, Edda, Thidreksaga, Volksbüchern, Hebbel, Wagner und Rinke.

C. Überlieferungsgeschichte

Über die Vorgeschichte der Nibelungensage vor der jetzigen Fassung wissen wir wenig. Deshalb sind alle Spekulationen über die Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte fragwürdig.
Die einzige alte Parallelüberlieferung finden wir in der Edda. Dort ist der Stoff auf verschiedene Lieder verteilt, die aber inhaltlich zusammengehören. Sie setzen wohl voraus, dass der Zuhörer den groben Ablauf der Geschichte kennt und gespannt ist, wie diese oder jene Episode vom Sänger dargestellt wird.
Freilich schafft der Sänger durch seinen Vortrag wieder neue Fakten. Irgend eine Kleinigkeit, die er nur andeutet, wird dann von einem anderen Sänger ausgeschmückt und vielleicht Inhalt eines ganzen Liedes.
Auch die Thidreksaga bringt altes Material, wohl aus einer Vorstufe des Nibelungenliedes mit norddeutschen Akzenten.
Von der älteren Dichtung beweisen der altenglische Beowulf und der lateinische Waltharius, von der hochmittelalterlichen das Kudrunlied und Wolframs Parzival Kenntnisse des Nibelungenstoffs.
Die spätmittelalterlichen Volksbücher (Das Lied vom Hürnen Seyfried, Nacherzählungen von Schwab und Aick) spinnen das Motiv mit dem Drachen und dem Schatz weiter aus und beschäftigen sich fast ausschließlich mit dem ersten Teil bis zu Siegfrieds Ermordung.

haben den Stoff als Drama bearbeitet und halten sich im Wesentlichen an den Abriss des Nibelungenlieds. Wagner übernimmt auch Motive der Edda. Die Dichter müssen aber aus dramaturgischen Gründen auf viele Szenen verzichten und setzen dafür eigene Schwerpunkte.
Das Wormser Nibelungenmuseum gibt einen guten Überblick über die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Stoffes.

Das klassische Nibelungenlied ist aus mehreren Sagen zusammengewachsen, die in der Edda noch als getrennte Lieder überliefert sind: die großen Komplexe von Brünhild, Siegfrieds Tod und Kriemhilds Rache. Diese Sage hat wiederum andere Sagengestalten an sich gezogen: in Deutschland vor allem Dietrich von Bern und Walther, in Skandinavien auch Swanhild. Umgekehrt hat der ältere Waltharius Motive aus der Nibelungensage in seine Darstellung aufgenommen. Auffallend fehlen aber Anklänge an das zeitgenössische höfische Epos, etwa an die Tafelrunde des Königs Artus oder an Roland.

D. Der Verfasser des Nibelungenlieds

Das Nibelungenlied ist uns anonym überliefert. Von daher sind alle Spekulationen fragwürdig, wer der Verfasser gewesen sei. Auch die glaubwürdigsten Identifizierungsversuche müssen daran scheitern, dass wir den Namen des Verfassers nicht wissen. Endgültige Klarheit könnte allenfalls ein neu entdecktes Dokument bringen, in dem eine bestimmte Person als Autor des Liedes genannt wird.

E. Personen und Sachen

I. Historische Parallelen

Das Nibelungenlied erinnert weniger an ein bestimmtes, historisch fassbares Ereignis, als vielmehr an eine große Anzahl von Personen aus der Zeit von 400 – 1200. Bei einigen wie Gunther, Brünhild, Etzel, Dietrich, Gêre, Pilgerîn, Ritschart sind die historischen Beziehungen ziemlich deutlich; bei anderen wie Irnfrit, und Dancrât kann man sie immerhin noch erkennen. Welche historische Vorbilder Siegfried, Volker und Rüedegêr haben, kann man nur noch raten.
Dabei sind wir auf die uns bekannten Quellen angewiesen. Weil wir andere Informationen nicht haben und wir über z.B. die Dänen und Sachsen der Völkerwanderungszeit nur wenig wissen, können wir nicht wissen, was hinter der Sage vom Sachsenkrieg wirklich steht.

II. Stoffgeschichte

Nicht alles im Nibelungenlied geht auf historische Ereignisse zurück; es sind auch eine viele Motive eingeflossen, die mythischen Ursprungs sind und in Legenden, Sagen und Märchen wiederkehren.

F. Schauplätze

Dass Worms die Hauptstadt der historischen Burgunder war, ist nicht unwahrscheinlich, lässt sich aber auch nicht beweisen. Grund für diese Behauptung könnte gewesen sein, dass die merowingische Königin Brunichild tatsächlich eine Zeitlang in dieser Stadt residiert hatte. Da sie in der Sage mit Gunther verheiratet war, musste man annehmen, dass dieser auch in Worms gewohnt hatte.

Der Dichter des Nibelungenlieds hatte einen weiten geographischen Horizont. Um so mehr wundert es, dass Frankreich überhaupt nicht und Westeuropa nur andeutungsweise vertreten ist.

G. Historischer Hintergrund der Sage

Frühe Geschichte der Burgunder

Die ostgermanischen Burgunder siedelten im 3er-Jahrhundert östlich des Limes und dringen ab 364 über den Rhein vor. Nach dem Ostgermaneneinbruch am 31.12.406 ziehen auch Burgunder über den Rhein und lassen sich in der Provin Belgica nieder. Der burgundische König Gundacharius macht zweimal von sich reden. Die linksrheinischen Burgunder werden 436/37 von Römern oder Hunnen vernichtend geschlagen. Dabei findet auch der König den Tod. Der Rest des Volkes wird 443 in Savoyen angesiedelt und gründet das Königreich Burgund.

1. Brünhild

Historischer Kern ist die Geschichte der Merowingerkönigin Brunichild, die zeitweilig in Worms residierte.

2. Gunther

Die Franken waren die Nachfolger der Burgunder, deren König Gunther in der Sage mit Brünhild verheiratet ist.

3. Siegfried

Fränkische Kolonisten vom Niederrhein, vielleicht unter Führung von Hagen, brachten die Geschichte vom ripuarischen Häuptling Sigebert nach Worms, der auf Betreiben seines Sohns im Wald ermordet wurde und identifizierten ihn mit Brunichilds Gatten Sigibert I., der ebenfalls ermordet wurde. Im Namen der Gu(n)drun verbirgt sich eine Erinnerung an Brunichilds Schwägerin Fredegunde, die anscheinend in diesen Mord verwickelt war.

4. Die Schwester

Die Erinnerungen an einen Streit zwischen Brunichild und ihrer Schwägerin Bilichilde wurden überlagert durch die ältere ostgotische Überlieferung vom Streit der Frauen von Urajas und Hildebad, der zur Ermordung Urajas führte.
In der Sage wird die Kontrahentin Brunichilds als Kriemhild / Gudrun zur Gattin Siegfrieds.

5. Etzel

Diese Bilichilde wiederum wurde vermengt mit Hildiko, der letzten Frau Attilas. Dessen plötzlicher Tod in der Hochzeitsnacht gab Anlass zu Spekulationen, er sei von Hildiko ermordet worden. Als Motiv bot sich ein Racheakt an.
Grund für die Rache war nach der Edda die Ermordung der Brüder, nach dem Nibelungenlied die Ermordung Sigfrieds.

6. Der Untergang der Brüder

Die Edda berichtet nur vom Tod Gunnars und Högnis, nicht von einer Völkerschlacht von Nibelungen, Hunnen, Österreichern und Goten. Es ist auch nicht einzusehen, warum die Brüder ein ganzes Heer aufbieten mussten, um ihrer Schwester einen Besuch abzustatten.
Daher sind alle Versuche fragwürdig, den historischen Hintergrund für eine Völkerschlacht zu suchen, sei es in der Vernichtung des burgundischen Heeres in Gallien, in einer Straßenschlacht in Soest oder sonst wo.

7. Die Völkerschlacht

Eher scheint die Heerfahrt nach Osten eine Anspielung auf die Kreuzzüge zu sein:

  • 2. Kreuzzug mit Untergang des deutsch-französischen Heers 1147-49

  • 3. Kreuzzug mit Tod Barbarossas und Gefangenname von Richard Löwenherz 1189-92).

Beide Züge gingen die Donau abwärts über Ungarn. Bei den Hunnen denkt der Dichter weniger an das spätantike Reitervolk als vielmehr an die damalige Großmacht im Osten: Byzanz.
Die Anspielungen auf die Reise der Bertha von Sulzbach und den 2. Kreuzzug machen wahrscheinlich, dass die Urfassung des Nibelungenlieds bald nach dem Ende des 2. Kreuzzugs geschrieben wurde; wegen der Erwähnung des "Ritschart" = Löwenherz muss das Lied Ende des 11er-Jahrhunderts noch einmal überarbeitet worden sein (Richard war 1192-94 in deutscher Gefangenschaft).

 H. Das dramaturgische Problem der Sage

Bei einem Vergleich der verschiedenen Bearbeitungen der Sage fällt auf, dass die einzelnen Bearbeiter verschiedene Schwerpunkte setzen:

  • Der Vorgeschichte (Herkunft des Goldes, Siegfrieds Jugend) widmet sich ausführlich die nordische Überlieferung – das Nibelungenlied beschränkt sich auf ein paar Sätze – für die Volksbücher ist das das einzige Thema.
  • Mit dem Schatz beschäftigen sich hauptsächlich die Lieder der Edda, während die Unverwundbarkeit Sigurds keine Rolle spielt – in der Thidreksaga werden beide Themen nur angedeutet – im Nibelungenlied sind beide Motive weiter ausgeführt.
  • Im Nibelungenlied steht Kriemhild im Vordergrund – im Norden hat Brynhild als frühere Geliebte Sigurds eine wesentlich größere Bedeutung.
  • Auch bei Wagner steht Brünnhilde stärker im Vordergrund. Gutrune ist nur eine Randfigur und auf "Kriemhilds Rache" verzichtet Wagner ganz.

Grund dieser Verschiedenheiten sind die Gesetzmäßigkeiten einer Erzählung: So viele Tragödien (Brünhild, Siegfried, Kriemhilds Brüder, Kriemhild selbst) verträgt kein Hörer, so viele Schwerpunkte kann kein Erzähler gleichmäßig betonen. Auch die Jung-Siegfried-Motive Gold, Hornhaut, Schwert und Tarnkappe sind einfach zu viel. Die Erzähler mussten aus dramaturgischen Gründen vereinfachen und haben das auf unterschiedliche Weise getan.

 

Alle Artikel:

Interpreten

Personen

Quellen:

Schauplätze

Stammbäume

Stoffgeschichte

Texte

Überlieferung

Edda

Sonderthemen

Verfasser

Worterklärungen

Interpreten:

Meyers Lexikon 1877

Heusler

Ritter-Schaumburg

Personen:

Historische Parallelen

Blœdel(în)

Brüder

Brünhild

Dancrât

Dietrich

Etzel

Fafnir

Fredgunde

Gêre

Gibiche

Gunther

Hagen

Irinc

Irnfrit

Liudegêr

Nibelungen

Ortwîn

Pilgerîn

Ritschart

Rüedegêr

Schwester

Siegfried

Ute

Volker

Walther

Quellen:

frühe Geschichte der Burgunder

Attila

Brunichild

Burgunderkönige

Burgunderreich

Ermanarich und Sunilda

Familienzwist in
Tournay

Gundahari

Herkunft der Franken
aus Troja

Nibelunc

Sigibert

Streit der Königinnen

Wallia

Schauplätze:

Welt der Nibelungen

Burgunderreich

Frankreich

Gnitaheide

Heimat Prünhilts

Hunnenschlachtlied

Krieg gegen Sachsen
und Dänen

Lorsch

Myrkviðr

Odenwald

Rheingold am Schwarzen
Ort bei  Lochheim?

Waskenwalt

Worms

Xanten

Stammbäume:

Burgunder

Cherusker

Edda

Hunnen

Merowinger

Nibelungenlied

Waltharius

Stoffgeschichte:

Dämonisches Wesen
Hagens

Drachentöter

Ermordung des Sohnes

Fast unverwundbarer
Held

Freierprobe

Hagen = Wodan?

Rächerin

Schatz

Schlafende Jungfrau

Schlangenhof

Schwert

Sprache der Vögel

Streit ums Teilen

Tarnkappe

Vergesslicher Bräutigam

Vertauschter Bräutigam

Wilder Zögling

Texte:

Nibelungenlied (Online)

Edda (Online)

Hürnen Seyfried
(Online)

Hebbel, Die Nibelungen
(Online)

Jung Siegfried

Sigemunds Kampf gegen
den Drachen

Nibelungenlied und
Kudrunlied

Verweise im Parzival

Annolied

Sigurdslied (Faröer)

Überlieferung:

Handschriftenvergleich

Handschrift n

Synopse der
Nibelungenüberlieferung

Beowulf

Kudrunlied

Nibelungenlied

Parzival

Schwanhild

Thidreksaga

Waltharius

Widsith

Edda

Altes Atlilied

Altes Hamdirlied

Altes Sigurdlied

Brynilds Helfahrt

Fafnirlied

Gripirs Weissagung

Grönländisches Atlilied

Gudruns Aufreizung
und Sterbelied

Gudruns Gattenklage

Gudruns Gottesurteil

Gudruns Lebenslauf

Hunnenschlachtlied

Jüngeres Sigurdlied

Oddruns Klage

Reginlied

Sigdrifalied

Sinflötlis Tod

Snorri

Tötung der Niflungen

Vogelweissagung

Wölsungen

Sonderthemen im Nibelungenlied:

Wie Sîvrit den Schatz
gewann

Wie Sîvrit im
Drachenblut badete

Religion im
Nibelungenlied

Verfasser:

Bligger

Konrad

Kürenberger

Passauer

Sigehard

Worterklärungen:

Schelch

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Übersicht

 

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Datum: 1994 /2006

Aktuell: 28.07.2016