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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die Wahrheit über die Nibelungen: Personen

Brünhild

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Herkunft

Die Walküre
Brautfahrt und Hochzeit

Streit der Königinnen

Siegfrieds Tod

Brunichilds Tod

 

Vorbild für die Sagengestalt ist die merowingische Königin Brunichild, Gattin des Merowingers Sigibert I.

Herkunft

Die Brünhild der Sage war eine ausländische Prinzessin,

  • nach der Edda die Schwester des Hunnenkönigs Atli aus der Ukraine.
  • nach dem Nibelungenlied aus Island.

Auch die historische Brunichild war eine Prinzessin: die Tochter des Westgotenkönigs Athanagild.

Die Walküre

Die nordische Sage erzählt, sie sei eine Walküre gewesen, die von Odin in einen Zauberschlaf versetzt und von Sigurd geweckt wurde. Das scheint mir aus ihrem Namen herausgesponnen zu sein: ahd. brunne 'Brustpanzer, Brünne' [1] und hiltja 'Kampf'. Wagner hat dieses Motiv aufgenommen und weiter ausgeführt.

Brautfahrt und Hochzeit

Die Sage erzählt, wie Siegfried dem Gunther hilft, um Brünhilt zu freien. Nur der darf sie nach Hause führen, der eine schwere Probe bestanden hat, sei es dass er durch die Waberlohe reitet wie in der Edda oder dass er die spröde Jungfrau in einem sportlichen Wettkampf überwindet wie im Nibelungenlied.
Dasselbe Drama spielt sich später noch einmal in der Hochzeitsnacht ab. Auch hier ist Gunther seiner Braut unterlegen. Siegfried springt zweimal ein durch Gestaltentausch (Edda) oder mit Hilfe der Tarnkappe (Nibelungenlied).

Streit der Königinnen

Die einzelnen Sagen erklären unterschiedlich, warum Brünhild wollte, dass Siegfried ermordet wurde. Anlass sei ein Streit zwischen Kriemhild und Brünhild gewesen:

  • Snorri: Die Damen prahlen im Bad mit ihren Männern. Gudrun beweist, dass Sigurd durch die Waberlohe geritten ist, weil Brynhild ja noch Sigurds Ring trägt.
  • Thidreksaga: Krimilla will vor Brynilla nicht aufstehen und damit ihren höheren Rang anerkennen. Krimilla zeigt den Ring und beweist, dass Sigurd Brynilla entjungfert hatte.
  • Nibelungenlied: Kriemhild will Brünhild nicht den Vortritt in die Kirche lassen. Kriemhilt schilt Prünhilt eine Hure und zeigt Ring und Gürtel, die Siegfried von der Brautnacht mitgenommen hatte.

Am Ende fühlt sich Brünhild in ihrer Ehre gekränkt und verlangt Genugtuung dadurch, dass Siegfried sterben soll.
Dass Brünhild eigentlich Siegfried geliebt hatte, wird nur im Alten Sigurdlied ausdrücklich gesagt. Das Nibelungenlied deutet nur an, dass Prünhilt den Helden schon vor der Brautwerbung kannte.
Nach dem Nibelungenlied lebten Sîvrit und Kriemhilt nach der Doppelhochzeit und vor dem Streit zehn Jahre im Niederland, wo Sîvrit die Nachfolge seines königlichen Vaters antritt. Es will also nicht recht einleuchten, warum Prünhilt nach dieser langen Zeit immer noch glaubt, dass Sîvrit ja nur ein Vasall Gunthers ist, und sich von Sîvrit betrogen fühlt.

Das wird uns aber verständlicher, wenn wir uns mit den historischen Grundlagen dieses Streits befassen:

  • Der Ostgote Urajas königlichen Geschlechts schlägt vor, einen verdienten Offizier Hildebad zum König zu machen. Dieser ist aber arm. Seine Frau kann mit der schönen und reichen Gattin des Urajas nicht mithalten und wird deshalb von dieser im Bad öffentlich missachtet. Die Königin beschwert sich bei ihrem Mann und bittet ihn, die Schmach zu rächen. Daraufhin bringt der König den Urajas um. [2]
  • Die Merowingerkönigin Brunichild ist eine westgotische Königstochter, ihre Schwägerin Bilichilde eine ehemalige Sklavin. Bilichilde erweist der Brunichild nicht den erwarteten Respekt und Brunichild hält der Bilichilde immer wieder ihre niedere Abkunft vor. Der Streit eskaliert zu einem Familienkrach. Es kommt aber zu keinem Mord. [3]

Die Erinnerung an die ältere ostgotische Geschichte aus dem Jahr 540/41 und den Mord ist also überzeichnet mit Zügen aus der jüngeren merowingischen Geschichte von 608, aus der vor allem die Namen entnommen sind.
Snorri hat sogar den ursprünglichen Ort des gotischen Streits in Erinnerung: im Bad, wobei der Isländer an das landesübliche Bad im Fluss denkt, während die beiden Gotinnen wohl in einer römischen Badeanstalt waren. Das Nibelungenlied hat den Streit publikumswirksamer ans Portal des Doms verlegt.

Siegfrieds Tod

Tatsächlich war Brunichild mit Sigebert verheiratet, der ermordet wurde, was aber nichts mit dem oben dargestellten Streit zu tun hat. Vielmehr hat man den Mord der Gattin selbst oder einer anderen Schwägerin, Fredegunde, zur Last gelegt, die ja offenbar tatsächlich eine Anzahl von Verbrechen auf dem Gewissen hatte.

Brunichilds Tod

Mit Siegfrieds Tod verschwindet Brünhild aus dem Blickfeld. Das Alte Sigurdlied und ihm folgend Wagner lassen sie stilgerecht Selbstmord begehen.

Tatsächlich hat die Merowingerin Brunichild nach dem Tod Sigeberts noch einmal geheiratet und wurde 613 in hohem Alter brutal umgebracht.

   

 

 

 

 

 

 

 

 

[1] Die Dame schlief in ihrer Brünne, aus der Sigurd sie herausschneiden musste.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

[2] Prokop, Gotenkrieg 3,1


 

[3] Fredgar, Chronik Kap. 35

 

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Übersicht

 

 

 

Datum: 1994 /2006

Aktuell: 29.12.2010