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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die Wahrheit über die Nibelungen: Personen

Historische Parallelen

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Beobachtungen

Namen und Rollen vertauscht.

mehrere ähnliche Ereignisse

Ereignisse

"Der Untergang der Burgunder"

Weitere vergleichbare Ereignisse

Vergleichbare Personen

Westgoten

Burgunder

Hunnen

Dänen

Ostgoten

Thüringer

Merowinger

Karolinger

Ottonen

Hochmittelalter

undatierbar

 

1. Beobachtungen

Da die Nibelungensage aus mehreren Einzelsagen zusammengewachsen ist, brauchen wir uns gar nicht zu überlegen, welches historische Ereignis der Sage zugrunde liegt. Es gab keinen Gunther, der mit Brünhild verheiratet war und in Ungarn ums Leben kam. Erst recht gab es keine Kriemhild, die den Tod ihres Mannes Siegfried an ihren Brüdern rächte.
Trotzdem ist dieser Überlieferungskomplex nicht unhistorisch, sondern es sind in ihr eine Menge historischer Erinnerungen eingeflossen, u. zw. aus einem Zeitraum zwischen der Völkerwanderung und dem 2. Kreuzzug.
Diesen Erinnerungen möchte ich hier nachspüren.

Zwei Beobachtungen vorweg:

a. Es wurden wiederholt Namen und Rollen vertauscht.

Bestes Beispiel ist dafür ein Vergleich von Edda und Nibelungenlied im 2. Teil.

Edda

Nibelungenlied

Atli lädt Gunnar und Högni böswillig ein.

Kriemhild lädt ihre Verwandten böswillig ein.

Gudrun tötet ihre beiden Kinder.

Hagen tötet Kriemhild Sohn.

Gunnar stirbt nach Högnis Tod als der letzte, der um das Geheimnis des Schatzes weiß.

Hagen stirbt nach Gunthers Tod als der letzte, der um das Geheimnis des Schatzes weiß.

Gudrun rächt den Tod ihrer Brüder, indem sie Atli umbringt.

Kriemhild rächt den Tod Siegfrieds, indem sie Hagen enthauptet.

 Wenn dieser Rollentausch schon in zusammengehörigen Sagen zu beobachten ist, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn die historischen Rollen in der Sage oft falsch dargestellt werden.

b. Die Sage spiegelt mitunter mehrere ähnliche Ereignisse, wobei das jüngere das ältere überlagert.

Dafür zwei Beispiele:

i. Siegfrieds Ermordung

enthält Erinnerungen an die Ermordung des Ripuarierhäuptlings Sigebert und des Merowingerkönigs Sigibert I.
An den Ripuarier erinnert die Szenerie im Wald, die familiären Verhältnisse (Brunichild) wurden dagegen vom Merowinger übernommen.

ii. Der Streit der Königinnen

enthält Erinnerungen eine ostgotische und eine merowingische Geschichte.
Von der ostgotischen Geschichte wurde der folgende Mord und (bei Snorri die Szenerie im Bad) übernommen, von der merowingischen wiederum die familiären Verhältnisse (Brunichild und Schwägerin Bilichilde).

2. Ereignisse

a. "Der Untergang der Burgunder"

i historisch

Nachdem sich die historischen Burgunder in der Provinz Belgica niedergelassen hatten, erlitten sie 436/7 eine schwere Niederlage, bei der mit 20.000 Kriegern auch ihr König ums Leben kam. Anschließend wurden die Reste des Volkes in der Sapaudia (heute: Savoyen) angesiedelt.

Wer hat die Burgunder geschlagen? Nach Prosper Tiro [1] waren es die Hunnen, [2] nach den anderen Quellen der römische Feldherr Aëtius [3], der über germanische und wohl auch hunnische Hilfstruppen verfügte. Jedenfalls war der Gegner nicht Attila, sondern der römische General.

ii in der Sage

In vielen Abhandlungen wird der zweite Teil der Sage, die Katastrophe am Etzelshof, mit dem Untergang der historischen Burgunder in Verbindung gebracht. Dagegen sprechen folgende Gründe:

  • Nach der älteren Version der Sage, wie sie von der Edda repräsentiert wird, ist nicht das ganze Volk zu den Hunnen gereist und dort umgekommen, sondern nur Gudruns Brüder mit Begleitung. [4] Erst das Nibelungenlied hat daraus eine Völkerschlacht gemacht.

  • Bezeichnenderweise heißen die Leute, die am Etzelshof vernichtet werden, Nibelungen bzw. in der Edda Niflungen. Von Burgundern ist nur einmal die Rede. [5]

  • Die historischen Burgunder wurden in ihrem eigenen Reich vernichtet, die Helden der Sage aber im Land der Hunnen.

iii Das Ende der Gibichungen

Die Sage berichtet also tatsächlich nur von dem blutigen Ende einer Familienzwistes und nicht vom Untergang eines ganzen Volkes. Solche blutigen Streitigkeiten kamen im frühen Mittelalter ständig vor, selbst in der Königsfamilie. Von einem solchen Familienzwist in Tournay berichtet Gregor von Tour, wonach die Königin Fredegunde persönlich in einen Streit eingriff und die letzten Überlebenden bei einem Gastmahl erschlagen ließ.
Das ist zwar wohl kaum die historische Grundlage für das Ende der Gibichungen, aber ein anschauliches Beispiel, wie es damals zugegangen ist.

b. Weitere vergleichbare Ereignisse

Ins Nibelungenlied sind offenbar Erinnerungen an Ereignisse eingeflochten, die zwar nicht der ausgesprochene Stoff der Sage sind, aber doch das Anschauungsmaterial für die Dichter geliefert haben, wie eine Schwertleite an Pfingsten 1200 in Wien (  Siegfrieds Schwertleite) [6]; eine Fürstenhochzeit (Kriemhild Hochzeit mit Etzel) [7] oder das schreckliche Ende des zweiten Kreuzzugs ( Völkerschlacht beim Untergang der Nibelungen).

Bewiesen werden kann dies alles nicht, weil wir den Endverfasser nicht kennen und daher nicht wissen können, welche zeitgenössischen Ereignisse ihm besonders eindrucksvoll in Erinnerung sind. Ganz offensichtlich ist dagegen, dass die verschiedenen Forscher an verschiedene Ereignisse denken, je nachdem, ob sie den Dichter für einen Österreicher oder einen Franken halten. [8]

3. Vergleichbare Personen

Das Nibelungenlied erinnert aber weniger an ein bestimmtes, historisch fassbares Ereignis als vielmehr an eine große Anzahl von Personen aus der Zeit von 400 – 1200. Bei einigen wie Gunther, Brünhild, Etzel, Dietrich, Gêre, Pilgerin, Ritschart sind die Beziehungen ziemlich deutlich; bei anderen wie Irnfrit, und Dancrât kann man sie immerhin noch erkennen. Welche historische Vorbilder Siegfried, Volker und Rüedegêr haben, kann man nur noch raten.

a. Westgoten

b. Burgunder

c. Hunnen

d. Dänen

e. Ostgoten

f. Thüringer

g. Merowinger

h. Karolinger

i. Ottonen

j. Hochmittelalter

k. undatierbar

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[2] Viele Autoren, auch Ehrismann, legen Wert darauf, dass es die Hunnen gewesen seien, welche die Burgunder vernichtet hätten. Die mir bekannten Quellen lassen das so genau nicht erkennen. Trauen die Forscher den Völkermord nur den barbarischen Hunnen, nicht den zivilisierten Römern zu? Oder versuchen sie unbewusst, die Historie mit der Sage in Einklang zu bringen?

[4] Nach dem Grönländischen Atlilied 28 waren es 15 Mann.

[5] Altes Atlilied 18,2. Gunther heißt dort "Freund der Burgunden", 20,1 "der Goten König", 25,1 "der Speer-Niflung": Abwechslung im Ausdruck als Formzwang der Dichtung!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[6] Andreas Heusler, Nibelungensage und Nibelungenlied 82

[7] Wolfgang Selzer, Laurissa Jubilans 111

[8] Heusler (Dichter aus Österreich) denkt an ein Ereignis in Wien; Selzer (Dichter vom Rhein) an ein Ereignis in Worms).

 

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Datum: 1994 /2006

Aktuell: 29.12.2010