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Die Schwester der Burgunderkönige trägt in Deutschland und Skandinavien
verschiedene Namen.
Sie heißt im Nibelungenlied Kriemhilt, in der Edda Guðrún. In der Edda ist
Grimhild die Mutter Guðrúns.
Guðrún ist das
nordische Gegenstück zu Kriemhilt. Das
passt zwar besser zu Gunther und Godomar / Gunthramn > Guttorm
als Kriemhild zu Gunther, Gernot und Giselher, aber die
Verschiedenartigkeit der Überlieferung mahnt zur Vorsicht.
Das
Kudrunlied hat den Namen
zusammen mit Hagen und Siegfried offenbar aus der Nibelungen-Überlieferung übernommen und eine ganze andere Story konstruiert, wo die Heldin nicht die rächende Furie,
sondern die geduldig ausharrende Braut ist.
Die Verschiedenheit der Namensind ein Hinweis, dass die
Schwester kein historisches Vorbild hat, sondern erfunden ist.
Beide Namen sind im Namen der Braut Walthers im
Waltharius, der Burgunderin Hiltgunt. kombiniert.
Im zweiten Teil der Geschichte wird berichtet, wie die Franken
Guntharius und Hagano versuchen, dem Waltharius das Hunnengold
abzujagen. In den Verhandlungen ist immer nur von der Herausgabe des Schatzes
die Rede. Aber der erste Kämpe Camalo fordert nicht nur Gaul und Gold, sondern auch
das Girl.
Das liest sich fast so, als hätte Guntharius einen Anspruch auf sie, etwa weil
sie seine Schwester ist? In einer Vorstufe des Liedes waren die Wormser sicher
Burgunder und keine Franken.
Mir scheint, dass die Walthersage ein eigener Überlieferungsstrang ist, der
durch die Erwähnung von Gunther und Hagen mit der Nibelungensage verknüpft ist.
Tatsächlich wurde dem historischen
Wallia
die "Prinzessin" Placidia, Schwester des Kaisers Honorius, durch eine
große Streitmacht abgetrotzt. Die beiden Heere trafen sich an den
Pyrenäen. Es kam jedoch zu keinem
Kampf, sondern man einigte sich friedlich.
Möglicherweise geht der Name Kriemhild zurück auf die letzte Frau des historischen
Attila namens Hildiko, wie viele Forscher betonen.
Dann wäre sie als Frau Siegfrieds und Schwester Gunthers in die Siegfriedsage
eingedrungen. Im Norden hätte sie den Namen Guðrún
bekommen, der besser zu Gunnar und Guttorm passt.
Wolfgang Selzer
fühlt sich bei der triumphalen Reise Kriemhilds in die Etzelsburg erinnert an
die Verlobung einer Bertha von Sulzbach mit dem byzantinischen Kaiser Manuel (I.) im Jahr 1145. Byzantinische Gesandte
hätten in Speyer bei Kaiser Konrad III. um die Hand seiner Schwägerin angehalten.
Die Verlobung sei in Worms gefeiert. worden; dabei sei es zu einem Streit
gekommen, weil die Byzantiner den Vorrang ihrer neuen Kaiserin vor der
deutschen Königin gefordert hätten. Bei einer Jagd im Wald bei Lorsch sei ein
byzantinischer Edelmann tödlich verunglückt. Und schließlich sei die Braut
donauabwärts nach Konstantinopel gereist - alles etwa so, wie im Nibelungenlied
von Kriemhild berichtet. Wie Kriemhild scheint Bertha den Herrscher im Osten in
2. Ehe geheiratet zuhaben.
Das ist aber nicht die Grundlage der Sage, sondern die spektakuläre Hochzeit
ergab allenfalls das Anschauungsmaterial für den Dichter (wenn Selzer Recht
hat).
Genau genommen dürften wir nicht von der 2. Ehe Kriemhilds bzw. Gudruns reden,
sondern man hat der Heldin eine erste Ehe mit Siegfried / Sigurd angedichtet
und sie zur Schwester der Burgunderkönige gemacht. Dadurch wurde es möglich,
die Siegfried-, Brünhild- und die Etzelsage miteinander zu verknüpfen
Entsprechend hat man im Norden noch eine dritte Ehe mit Jonaker dazu gedichtet
und die Überlieferung von Svanhild in diesen Sagenkreis zu integrieren.
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